InWEntBonn/Quito (epo.de). - Das Abschmelzen der Andengletscher infolge des Klimawandels wird erhebliche wirtschaftliche und soziale Folgen für die Andenländer haben. Vor allem die Trinkwasserversorung, die Landwirtschaft und die Energiesicherheit seien gefährdet, lautet das Ergebnis einer von InWEnt organisierten Regionalkonferenz in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito.

Seit Beginn der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts hat sich der Abschmelzprozess der andinen Gletscher nach Angaben der Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH (InWEnt) erheblich beschleunigt. Bei dem bisher beobachteten Temperaturanstieg von jeweils 0,3 Grad Celsius in zehn Jahren werden die kleineren Gletscher in Höhen unterhalb von 5.000 Metern in den nächsten 10-15 Jahren verschwunden sein. Doch auch die höher gelegenen Gletscher verlieren Besorgnis erregend an Masse.

Dies werde erhebliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche und soziale Entwicklung und auch auf die Umwelt im Andenraum haben. Darin waren sich die Teilnehmer einer Regionalkonferenz zu den Folgen des globalen Klimawandels auf die andinen Gletscher einig, die in Quito/Ecuador vom 23. bis 27. Oktober 2006 stattfand.

Betroffen sind nach den Prognosen von Wissenschaftlern nicht nur die Trinkwasserversorgung von Städten wie Quito oder La Paz sein, auch die Landwirtschaft und die Stromerzeugung werden massiv unter der sich abzeichnenden Verknappung des zur Verfügung stehenden Wassers leiden. Walter Vergara, Chefingenieur der Weltbank für umwelt- und sozialverträgliche Entwicklung, veranschlagte auf der Konferenz die Kosten für den Ersatz von einem Megawatt Kraftwerkskapazität auf 1,1 Millionen US-Dollar.

Für Länder wie Peru oder Ecuador, die zu mehr als zwei Dritteln von Wasserkraft abhängen, seien dies enorme Kosten, so der Weltbank-Ingenieur. Dies wiege umso schwerer, als auch mit klimabedingten Ernteausfällen zu rechnen sei. Allein für das Einzugsgebiet des Santa-Flusses in Nord-Peru veranschlagt der Weltbankvertreter das Ausfallpotenzial auf 200 Millionen US-Dollar.

Was diese Tendenzen für die Trinkwasserversorgung einer Großstadt wie Quito bedeuten, machte Edgar Ayabaca deutlich. Er ist beim lokalen Wasserversorgungsunternehmens EMAAP-Q der für die Wassergewinnung zuständige Direktor. Berechnungen des Unternehmens zufolge werden sich die zusätzlich anfallenden Investitionen bis 2055 auf etwa 700 Millionen US-Dollar belaufen. Diese werden für Stauseen, Kanal- und Tunnelsysteme anfallen, die Wasser umleiten sollen, das bisher Richtung Amazonas abfloss. Wie dieses Geld aufgebracht werden soll, weiß auch Ayabaca noch nicht.

"Die Wissenschaftler mit Regierungsvertretern und Entscheidungsträgern aus Stadtverwaltungen und Wasserunternehmen zusammen gebracht zu haben, dies war ein erster wichtiger Schritt, um die Problematik auf die politische Agenda zu bringen", so der Leiter der Konferenz, Michael Funcke-Bartz von InWEnt. In ihren Empfehlungen stellen die Konferenzteilnehmer einen sehr viel bewussteren Umgang mit Wasser und Energie ganz oben an - in der Bevölkerung ebenso wie in Unternehmen und der Landwirtschaft.

Dass diese Konferenz zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt wurde, ist sich Alan Viale von der Comunidad Andina sicher. Seine Aufgabe ist es, eine Vorlage für die Regierungen der Andenregion zu erarbeiten, welche den Umgang mit den Folgen der Gletscherschmelze als Ressort übergreifende Aufgabe formuliert. Dies werde nur dann Erfolg haben, wenn die langfristigen ökonomischen und sozialen Folgen des Klimawandels aufgezeigt werden können - eine echte Herausforderung für die Wissenschaftler, die sich bis jetzt auf naturwissenschaftliche Grundlagenforschung konzentriert haben.

InWEnt führte die Konferenz im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durch. Partner waren unter anderem das Umweltministerium Ecuador, das UN-Umweltprogramm UNEP und das Internationale Hydrologische Programm der UNESCO.

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