MisereorAachen (epo.de). - Zehn Jahre nach Ende des Bürgerkriegs in Guatemala hat das katholische Hilfswerk MISEREOR auf anhaltende Gewalt und ungelöste Armutsprobleme in dem zentralamerikanischen Land hingewiesen. Offiziell wurde am 29. Dezember 1996 ein 36jähriger Bürgerkrieg beendet, in dem schätzungsweise 200.000 Menschen umkamen. MISEREOR wirft der derzeitigen Regierung vor, völlig unzureichende Schritte zur Minderung der Armut unternommen zu haben.

"Die staatliche Gewalt in Guatemala ist überwunden, aber die aktuellen Probleme durch Kriminalität, Armut, Hunger und mangelnde Gesundheitsfürsorge sind bedrückend", erklärte  MISEREOR-Länderreferent Eckhard Finsterer zur Lage in Guatemala. Nach Angaben des Hilfswerkes steigt die Zahl der Kapitalverbrechen dramatisch an. 5.338 Morde verzeichnen die offiziellen Statistiken der Polizei allein im Jahr 2005.

Doch nicht nur die Taten selbst geben Anlass zur Sorge. Alarmierend sei vor allem, dass die Verbrechen straflos bleiben, wie die stellvertretende guatemaltekische Ombudsfrau für Menschenrechte, Mar?a Eugenia Morales de Sierra, kritisierte. Nach ihren Angaben wurde gerade einmal in fünf Prozent der Mordfälle eine Untersuchung eingeleitet, auf 500 Morde gab es statistisch gesehen nur eine Verurteilung.

"Das Recht auf Leben wurde früher vom Staat verletzt, jetzt ist es so, dass Polizei und Gerichtsbarkeit nicht funktionieren und der Staat daher nicht in der Lage ist, das Recht auf Leben zu garantieren", mahnte die stellvertretende Ombudsfrau.

Auch MISEREOR-Experte Eckhard Finsterer kritisierte die Schwäche der staatlichen Institutionen, denen es nicht gelinge, die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte der Menschen zu schützen. "Wir dürfen dabei aber auch nicht übersehen, dass die hohe Kriminalitätsrate auch eine Folge der Perspektivlosigkeit der Menschen ist." Über 56,2 Prozent der Bevölkerung lebt nach Angaben des UN-Entwicklungsprogramms in Armut. Auch der Landbesitz in dem dicht besiedelten Land ist extrem ungleich verteilt.

Das katholische Hilfswerk MISEREOR fördert schon seit Jahren die Friedens- und Versöhnungsarbeit in Guatemala. Unterstützt werden unter anderem die Exhumierung von Opfern des Bürgerkrieges, die psychosoziale Begleitung von Überlebenden sowie die historische und juristische Aufarbeitung der Massaker und Menschenrechtsverletzungen. Unter dem Vorwand des Kampfes gegen die Guerilla, die seit den 60er Jahren aus einer Bewegung für mehr soziale Gerechtigkeit entstanden war, wurde in Guatemala vor allem die indigene Bevölkerung zum Opfer eines entfesselten Militärapparates. In dem Bericht der guatemaltekischen Wahrheitskommission werden Militärs und andere Regierungseinheiten für 93 Prozent der Bürgerkriegstoten verantwortlich gemacht.

Ein weiterer Förderschwerpunkt in Guatemala ist die Einforderung des Rechts auf Nahrung durch den Zugang zu Land. Dieser wird von MISEREOR als ein wichtiger Baustein der Armutsbekämpfung betrachtet, da vor allem die auf dem Land konzentrierte indigene Bevölkerung in der Vergangenheit ihrer Existenzgrundlage beraubt wurde. Obwohl die Landfrage Bestandteil der Friedensvereinbarung von 1996 war, seien bis heute keine nennenswerten Fortschritte bei der Landverteilung erzielt worden, so MISEREOR.

Auch der Gesundheitsbereich ist ein wichtiger Aspekt der Entwicklungszusammenarbeit mit den guatemaltekischen Partnern. Da der Staat selbst für lateinamerikanische Verhältnisse extrem wenig Mittel für den Gesundheitssektor bereit stellt, ist der Großteil der Guatemalteken, insbesondere die Landbevölkerung, ohne Zugang zu medizinischer Versorgung. MISEREOR unterstützt daher die Bemühungen der hauptsächlich kirchlichen Einrichtungen um eine medizinische Grundversorgung und Krankheitsprävention.

 MISEREOR


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