Unsere WeltDüsseldorf (epo). - Die gemeinnützige Lotterie "Unsere Welt - Die Lotterie für Mensch und Natur" stellt nur 15 Monate nach ihrem Start in Nordrhein-Westfalen den Betrieb ein. Für das Scheitern des Projekts machten die Veranstalter, neun Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, die nordrhein-westfälische Landesregierung verantwortlich. Sie habe mit zu strikten Auflagen für Marketing und Werbung eine erfolgreiche Markteinführung verhindert, teilte die Stiftung für Umwelt und Entwicklung mit.

Das vorläufige Scheitern des Projekts von UNICEF, Greenpeace, NABU, BUND, WWF, terre des hommes, Kindernothilfe, Misereor und Welthungerhilfe im bevölkerungsreichsten Bundesland sei Folge eines "Knebelgesetzes", mit dem die nordrhein-westfälische Landesregierung den Aufbau der privaten Lotterie erfolgreich torpediert habe, erklärten die Organisationen. In jahrelangen Gerichtsverfahren hatten die in der Stiftung "Umwelt und Entwicklung" zusammengeschlossenen NRO die Erlaubnis zum Aufbau eines gemeinnützigen Lotterieprojekts als Gegenpol zum staatlichen Lottokartell durchgesetzt. Der Preis hierfür sei ein Staatsvertrag gewesen, der den Organisatoren von "Unsere Welt" so starke Einschränkungen auferlegte, "dass eine erfolgreiche Markteinführung verhindert wurde".

"Während der staatliche Lottoblock mit aggressiven Methoden um Kunden wirbt, wurde 'Unsere Welt' durch strikte Auflagen für Werbung und Marketing daran gehindert, seinen Platz in der Lotterielandschaft zu finden. Das ist Scheitern per Gesetz", erklärte Dietrich Garlichs, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. "Wir fordern Chancengleichheit zwischen staatlichen und gemeinnützigen privaten Lotterien."

Die NRW-Landesregierung habe von Anfang an für schlechtere Startbedingungen im Vergleich zu den staatlichen Anbietern gesorgt, so die Stiftung Umwelt und Entwicklung. So seien für Mitspieler attraktive Jackpots und Gewinnausschüttungen untersagt und durch Vorgabe eines engen Kostenrahmens das Werbevolumen beschränkt worden. Außerdem seien so kurze Genehmigungsperioden für den Betrieb der Lotterie festgelegt worden, dass das Risiko für Betreiber zu hoch sei. "Diese Knebelungen wurden im Lotteriestaatsvertrag vom 1.7.2004 zementiert, mit dem die Landesregierung die erste Umwelt- und Entwicklungslotterie in Deutschlands erdrosselte", heisst es in einer Mitteilung von UNICEF.

"Dieser Staatsvertrag soll die Vorherrschaft des staatlichen Lottomonopols in Nordrhein-Westfalen sichern und den Aufbau gemeinnütziger unabhängiger Lotterien verhindern. In seinem Kern verstößt er gegen die nach Artikel 12 des Grundgesetzes garantierte Berufsfreiheit", sagte Gerd Billen, Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbund Deutschland. Die Stiftung "Umwelt und Entwicklung" habe die systematische Ungleichbehandlung durch den Lotteriestaatsvertrag und die Genehmigungsbehörden in einer Dokumentation zusammengefasst.

Als Nachteil erwies sich aus der Sicht der Umwelt- und Entwicklungsorganisationen auch der Betrieb der Lotterie "Unsere Welt" durch das staatliche Unternehmen Westlotto. Auf massives Drängen von Landesregierungen hätten sich die Umwelt- und Entwicklungsorganisationen im Jahre 2003 entschieden, mit einem staatlichen Lotterieveranstalter zusammenzuarbeiten; sie akzeptierten Westlotto als Dienstleister für den Betrieb der Lotterieveranstaltung.

Bei der Markteinführung von "Unsere Welt" habe Westlotto dann aber nur geringe Beträge investieren dürfen, während vom Deutschen Toto und Lotto-Block neue Glücksspiele wie die Oddsetwette mit zweistelligen Millioneninvestitionen auf den Markt geworfen worden sei. Diese Strategie habe dazu beigetragen, dass "Unsere Welt" innerhalb eines Jahres nicht die nötige Bekanntheit erreichen konnte. Deshalb seien nur rund zehn Prozent des von Westlotto geplanten Umsatzes von 35 Millionen Euro im Jahr 2004 erreicht worden. Demgegenüber lag der bundesweite Umsatz der staatlich beauftragten Glücksspielveranstalter bei 20,5 Milliarden Euro allein in 2002.

Seit zehn Jahren versuchten die neun größten Umwelt- und Entwicklungsorganisationen einer gemeinnützigen privaten Lotterie in Deutschland zum Durchbruch zu verhelfen. UNICEF, Welthungerhilfe, Kindernothilfe, terre des hommes, Misereor, WWF, NABU, BUND und Greenpeace gründeten dazu eigens die Stiftung für "Umwelt und Entwicklung". Ziel ist es eine nachhaltige Finanzierungsquelle für Hilfsprojekte in Entwicklungsländern für Not leidende Kinder und Umweltschutzprojekte aufzubauen.

Die Genehmigungsbehörden der Bundesländer verweigerten zunächst jahrelang die Zulassung. Hauptbegründung war laut NRO, die Spielsucht einzudämmen. Dahinter stehe jedoch das Interesse, die staatlichen Lottogesellschaften vor privater Konkurrenz zu schützen. In sieben Gerichtsverfahren bis hin zum Bundesverwaltungsgericht habe sich die Stiftung durchgesetzt.

Die beteiligten Organisationen wollen sich allerdings nicht geschlagen geben. Unter Ausschöpfung aller rechtlichen Mittel werde es einen Neuanfang geben, allerdings nicht mehr mit Westlotto als Dienstleister, kündigten die NRO an.

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