Thomas Gebauer. Foto: medicoFrankfurt (epo.de). - Die Hilfsorganisation medico international glaubt angesichts der Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht mehr an die Erreichbarkeit der Millennium-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen und hat ein "radikales Umdenken in der Entwicklungspolitik" gefordert. Notwendig sei ein "neuer globaler Sozialvertrag", sagte medico-Geschäftsführer Thomas Gebauer (Foto) bei der Vorstellung des Jahresberichts der Organisation am Donnerstag in Frankfurt. Gebauer befürchtet auch Kürzungen der Entwicklungshilfe.

"Im Gegensatz zu den Banken gelten die Bauern in Nicaragua, die Programme für eine zivile Konfliktlösung in Südafrika und selbst die Entminung in Afghanistan nicht als 'systemrelevant'", erklärte Gebauer. Er forderte ein radikales Umdenken in der Entwicklungspolitik. Der "Trickle-Down-Effekt" - das allmähliche "Durchsickern" des im Zuge einer nachholenden Entwicklung erworbenen Wohlstandes in Entwicklungsländern zu den Armen - sei ausgeblieben.

Auch das zweite "Allheilmittel der globalen Armutsbekämpfung", die im Jahr 2000 von den Vereinten Nationen verkündeten Millennium-Entwicklungsziele, hält Gebauer für nicht mehr erreichbar. Zu den Zielen gehört, die Zahl der in absoluter Armut lebenden Menschen auf der Erde bis zum Jahr 2015 zu halbieren.

Es brauche "einen neuen globalen Sozialvertrag", erklärte Gebauer. Nur in einem solchen Kontext könne Hilfe dazu beitragen, nachhaltig Strukturen der Ausgrenzung und Armut zu überwinden.

miMedico international konnte trotz der Rezession sowohl die Spendeneinnahmen als auch die Anzahl der Fördermitglieder steigern. Die Spendeneinnahmen stiegen dem Jahresbericht zufolge um 7,7% auf fast 2,4 Millionen Euro. Der Jahresetat betrug 2008 insgesamt etwas mehr als 10 Millionen Euro. Die Aufwendungen für Werbung und Verwaltung lagen bei 8,23% der Gesamtausgaben und sind damit laut den Kriterien des DZI-Spendensiegels als "niedrig" einzustufen. Die Frankfurter Organisation realisierte im vergangenen Jahr 61 Projekte in 20 Ländern.

medico-Geschäftsführer Thomas Gebauer führte die Spendensteigerung unter anderem auf vermehrte öffentliche Aktivitäten im Zusammenhang mit dem 40-jährigen Jubiläum zurück. "Es zeigt sich aber auch, dass die medico-Spenderinnen und Spender gerade in Zeiten der Krise ein Zeichen ihrer Solidarität setzen wollen."

medico international setzt sich seit 1968 für das Menschenrecht auf Gesundheit ein und unterstützt die Arbeit von Gesundheitsinitiativen, Menschenrechtsgruppen oder Gemeindeorganisationen sowie deren globalen Vernetzungen. 1997 wurde medico mit anderen Mitgliedern der internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Jahresbericht 2008 (PDF)
www.medico.de

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