Kayapo-Proteste am Rio XinguBrasilia/Berlin (epo.de). - Im brasilianischen Amazonasgebiet beginnen Angehörige des Kayapó-Volkes am Mittwoch mit einwöchigen Protestaktionen gegen den Bau eines riesigen Staudammes am Xingu-Fluss. Auch an anderen Nebenflüssen des Amazonas sind Wasserkraft-Projekte geplant, die Siedlungsgebiete indigener Völker überfluten würden. Die Hilfsorganisation Survival International rechnet mit einer Welle indigener Proteste.

Der einwöchige Protest gegen das Projekt am Rio Xingu, einem der größten Nebenflüsse des Amazonas, findet in der Kayapó-Gemeinde Piaraçu statt. Es werde damit gerechnet, dass sich mindestens 200 Indigene versammeln, berichtete Survival International. Die Kayapó und andere indigene Völker lehnten den Staudamm ab, da sie in die Entscheidungsprozesse nicht richtig einbezogen worden seien und keine Informationen über die wahren Auswirkungen auf ihr Land erhalten hätten. Sie luden Vertreter des brasilianischen Ministeriums für Bergbau und Energie und des Umweltministeriums an den Ort des Protestes ein, um über das Projekt zu diskutieren.

Der Staudamm wird laut Survival International mehr als 80 Prozent der Wassermassen des Rio Xingu umleiten. Dies hätte gravierende Auswirkungen auf die Fischbestände und die Wälder, die entlang einer Fluss-Strecke von 100 Kilometern Länge von Indigenen bewohnt werden. Survival legte bei der brasilianischen Regierung Protest gegen das Projekt ein.

"DÄMONISCHE KRÄFTE"

Die Kayapó wehren sich auch gegen das fortschrittsfeindliche Bild, das die Regierung in der Öffentlichkeit von ihnen zeichnet. So hatte der Minister für Bergbau und Energie, Edison Lobão, kürzlich erklärt, "dämonische Kräfte" würden in Brasilien den Bau großer Wasserkraftwerke verhindern. Der Kayapó-Anführer Megaron Txucarramae sagte hierzu: "Diese Aussage ist sehr abstoßend und beleidigt uns und all jene, welche die Natur verteidigen."

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Das "Belo Monte"-Projekt am Xingu ist eines der größten Infrastruktur-Projekte im Rahmen eines Regierungssprogramms für beschleunigtes Wachstum. Bereits 1989 hatten die Kayapó massive Proteste gegen den Bau von Staudämmen am Rio Xingu organisiert. Die Weltbank hatte sich daraufhin aus der Finanzierung des Projektes zurückgezogen, das deshalb aufgeschoben wurde.

Die indigenen Proteste richten sich auch gegen Staudämme, die für andere Nebenflüsse des Amazonas geplant sind. Am Rio Juruena sollen Dutzende von Dämmen entstehen, die nach Auffassung der Enawene Nawe Indianer den Fischfang ruinieren werden, von dem sie abhängen. Der Santo Antônio-Damm am Rio Madeira würde das Land von mindestens fünf Gruppen unkontaktierter Indigener überfluten. Von einer Gruppe wird dabei angenommen, dass sie lediglich 14 Kilometer von der Haupt-Dammbaustelle entfernt lebt.

Die Kayapó erklärten in einem Brief an Brasiliens Staatspräsident Lula da Silva ihre Position wie folgt: "Wir wollen nicht, dass dieser Damm die Ökosysteme und die Biodiversität zerstört, für die unsere Völker Tausende von Jahren Sorge getragen haben, und die wir noch erhalten können. Herr Präsident, unser Ruf ergeht für fundierte Studien, die darauf abzielen, über diese großartige ökologische Wiege unserer Vorfahren mit den indigenen Völkern zu beraten. Wir wollen an diesem Prozess teilhaben, ohne als böse Dämonen betrachtet zu werden, welche die Entwicklung des Landes aufhalten."

"Die wahre Auswirkung der Dämme wurde verborgen gehalten", erklärte der Direktor von Survival International, Stephen Corry. "Wenn die Projekte fortschreiten, werden sie Leben, Land und Lebensgrundlagen vieler indigener Völker zerstören. Keine Entschädigungen, in welcher Höhe auch immer, können jemals einen Schaden dieser Größenordnung wieder gutmachen, der Leben und Unabhängigkeit dieser Menschen ruiniert."  

Foto: Kayapó bei einem Anti-Staudamm-Protest im Jahr 2006 © Survival International

www.survival-international.de

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