huehner_madagaskar_fao_200Bonn (epo.de). - Die Ausfuhr von EU-Geflügel nach Westafrika steigt weiterhin an. Vor Ort schädigten die Dumping-Exporte die Geflügelmärkte der Importländer und führten zu einer Ausweitung des Fleischschmuggels, kritisiert der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) in Bonn. Der EED fordert von der Europäischen Union eine Exportregulierung, damit Geflügelproduktion und Geflügelmärkte in Westafrika nicht noch weiter zerstört werden.

Nach Angaben der Zeitschrift "Agarheute" stiegen die Exporte von gefrorenen Hühnchenteilen von Januar bis Juli 2010 um mehr als 21 Prozent auf über 660.000 Tonnen. 62.400 Tonnen davon gingen allein ins westafrikanische Benin, ein Anstieg von über 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Land ist damit größter Importeur des Kontinents. "In Benin zeigt sich das skrupellose Vorgehen der europäischen Händler. Wir wissen, ein Großteil der importierten Hähnchenteile wird illegal nach Nigeria geschmuggelt", sagte Stig Tanzmann, Agrarexperte des EED in Bonn.

Das Schmuggeln der EU-Importe nach Nigeria untergrabe die Anstrengungen des Landes, einen eigenen Geflügelmarkt zu entwickeln, so der EED. Die Dumpingexporte hätten bereits die Existenz der Märkte in der Elfenbeinküste, Kamerun, Nigeria und Senegal bedroht, bis diese sich vor den Importen geschützt hätten. In Ghana und Benin sowie den meisten anderen westafrikanischen Staaten sei die inländische Produktion heute zerstört.

"Die EU muss endlich Verantwortung übernehmen und die Exporte regulieren", forderte Tanzmann. Bislang trieben die EU-Exporte Hähnchenmäster in Afrika in den Ruin und förderten illegalen Schmuggel. Lösungsvorschläge für das Problem lägen bereits auf dem Tisch, eine Reaktion der EU stehe allerdings aus, so Tanzmann.

In Nigeria wird Kritik an den illegalen Importen europäischen Hühnchenfleisches laut. "Die illegalen Einfuhren europäischer Hähnchenteile sind Gift für unsere Hähnchenmäster. Besonders schlimm trifft es die Region um Lagos", sagte Samuel Onallo Akpa, Geschäftsführer des nigerianischen Geflügelverbandes. "Rund 10 Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher können wir auf Grund der importierten EU-Fleischreste nicht mit unserem Hähnchenfleisch erreichen."

Andrew Babatunde Omojola, Mitarbeiter des Instituts für Tierhygiene der Universität Ibadan, verwies auf die schlechte Qualität der Schmuggelware aus dem Nachbarland. "Das europäische Hühnerfleisch aus Benin ist von zweifelhafter Qualität", sagte der Wissenschaftler. "Durch das Schmuggeln und den langen Transportweg aus Europa vergehen oft zwei Monate, bis die Produkte den Groß- und Einzelhandel in Nigeria erreichen. Meist kann das Fleisch dabei nicht entsprechend tiefgekühlt werden. Diese Hähnchenteile führen zu einer massiven Zunahme von Krankheitserregern auf nigerianischen Märkten."

In nigerianischen Regionen ohne illegalen Import europäischer Fleischreste verzeichneten die Inlandsproduktion und der Absatz hohe Zuwachsraten, berichtete 

Samuel Onallo Akpa. "Die Geflügelwirtschaft gehört zu den am schnellsten wachsenden Branchen unserer Volkswirtschaft", erklärte er. "Wir verdanken dies unseren Importbeschränkungen, die seit 2002 in Kraft sind. Seitdem wurden 350 Millionen US-Dollar in die Geflügelproduktion in Nigeria investiert."

www.eed.de

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