kfsk_150Berlin. - Die Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) hat zu einem weltweiten Verbot der Sandstrahltechnik bei der Jeansverarbeitung aufgerufen. Anlässlich des Weltgesundheitstages am 7. April startete die Kampagne am Mittwoch eine europaweite Protestaktion. Jeans im Used-Look werden mit der Sandstrahltechnik auf alt getrimmt - mit gefährlichen Nebenwirkungen für die Arbeiter, die innerhalb kurzer Zeit an der unheilbaren Lungenkrankheit Silikose erkranken können.

Mehr als 20 Unternehmen aus ganz Europa seien bereits auf Forderungen der Clean Clothes Campaign eingegangen, teilte die Kampagne mit. Zahlreiche Unternehmen hätten öffentlich ein Sandstrahlverbot für ihre Jeansprodukte erlassen, darunter bekannte Namen wie C&A, G-Star, Esprit, Jack&Jones, H&M, Levis, Mango, Metro, Replay, Vero Moda und WE. Die deutsche Modekette New Yorker aber wende die Technik trotz des erheblichen Gesundheitsrisikos weiter an, so die Kampagne. Der Konkurrent Orsay und die Luxusmarken Armani, Dolce&Gabbana, Roberto Cavalli und Versace hätten bisher jegliche Information verweigert.

Die Trendmarke New Yorker schrieb der CCC, dass sie an der Sandstrahltechnik festhalten wolle. "Es ist beschämend, dass New Yorker das Leben der Arbeiter mit diesem Modetrend wissentlich aufs Spiel setzt", sagte Julia Thimm von INKOTA. Auch Luxusmarken zeigten sich weiterhin unbeeindruckt von den CCC-Forderungen. Einzig Gucci habe reagiert, sich öffentlich zu einem Sandstrahlverbot bekannt und in Zusammenarbeit mit lokalen Gewerkschaften eine Untersuchung eingeleitet. Armani, Dolce&Gabbana, Roberto Cavalli und Versace hüllten sich in Schweigen, ebenso die Billigkette Orsay. "Die Unternehmen können nicht weiter ignorieren, dass Arbeiter für einen Modetrend sterben", sagte Thimm.

Das Sandstrahlen wird nach den Erkenntnissen der Clean Clothes Campaign häufig in kleinen Unternehmen in Bangladesch, Ägypten, China, der Türkei, Brasilien oder Mexiko vorgenommen. Dabei gelangten Unmengen von Sandstaub in die Luft und - ohne ausreichende Schutzkleidung, wie es vielerorts üblich sei - auch in die Lungen. Dort verursache der Staub schnell und mit hoher Wahrscheinlichkeit die unheilbare und oft zum Tod führende Krankheit Silikose (Staublunge). Ein türkisches Solidaritätskomitee, das betroffene Arbeiter unterstützt, schätzte nach CCC-Angaben, dass allein in der Türkei 4.000 bis 5.000 Arbeiterinnen und Arbeiter von der Krankheit betroffen sind. Mindestens 46 Menschen habe der Modetrend bereits das Leben gekostet.

Die Kampagne für Saubere Kleidung fordert neben dem öffentlichen Bekenntnis die konsequente Umsetzung des Verbots sowie die medizinische Versorgung und eine finanzielle Entschädigung für die geschädigten Arbeiterinnen und Arbeiter. "Die Unternehmen müssen Verantwortung für die betroffenen Arbeiter übernehmen", sagte Thimm. Die Konsumenten ruft die CCC auf, in Läden nachzufragen und nur Jeans zu kaufen, die nicht sandgestrahlt wurden.

www.saubere-kleidung.de
www.inkota.de/sandstrahlen

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