worldwaterforum6Marseille. - Die Umweltorganisation WWF hat ein "zwiespältiges Fazit" des Weltwasserforums in Marseille gezogen. Die offizielle Ministerdeklaration habe nicht die Kraft, um den lokalen und regionalen Erfolgsmodellen einen ausreichenden globalen Rahmen zu geben, so der WWF. Genau das sei jedoch notwendig, um den zunehmenden Herausforderungen durch Klimawandel und Bevölkerungswachstum zu begegnen und eine Zuspitzung der Wasserkrise zu verhindern.

Immerhin werde die Umsetzung des Menschenrechtes auf Wasser und der Erhalt von natürlichen Feuchtgebieten und Flüssen gefordert, erklärte der WWF. Zudem hätten die Teilnehmer anerkannt, das Wasser eine ökologische, soziale und ökonomische Komponente habe. Nahrungssicherheit und Energieversorgung hingen essentiell von einem nachhaltigen Wassermanagement ab.

"Wer das Menschenrecht auf Wasser umsetzen und wirtschaftlichen Wohlstand sowie eine ausreichende Gesundheitsversorgung aller Menschen sicherstellen möchte, der muss die entsprechenden Süßwasservorkommen und die damit untrennbar verbundenden Ökosysteme schützen", sagte Martin Geiger, Leiter Bereich Süßwasser beim WWF Deutschland. Zugleich kritisiert Geiger, dass zwar viele, vornehmlich lokale Lösungen und Versprechen präsentiert wurden, diese aber leider in ihrer Summe bisher nicht den dringend  erforderlichen, globalen Aktionsplan darstellten. Als Beschlussgrundlage für den im Juni stattfindenden UN-Umweltgipfel Rio+20 in Brasilien tauge die Deklaration nicht, so das Urteil des WWF.

Dass ausgerechnet die brasilianische Umweltministerin Izabella Teixeira ankündigte, die Wasserproblematik von Marseille zur UN-Umweltkonferenz nach Rio tragen zu wollen, mute angesichts des vom Parlament in Brasilia geplanten neuen Waldschutzgesetzes wie Hohn an. Bei Verabschiedung des Gesetzes würden die Entwaldung des Regenwaldes und die Degradierung von Flussauen und Quellgebieten massiv vorangetrieben.

"Der Amazonas ist die größte Süßwassermaschine unseres Planeten und droht nun ins trudeln zu geraten", sagte Geiger. Durch Erosion würden Unmengen an Sedimenten in die Flüsse gespült, die Abflüsse sich ändern und sehr wahrscheinlich die Niederschläge, speziell in Trockenperioden, noch weiter abnehmen. Verstärkt durch die Auswirkungen des Klimawandels könne der mögliche Trend zur Bildung von Savannen in bedeutenden Amazonasregionen an fataler Dynamik gewinnen. "Wenn Teixeira ihre eigene Ankündigung ernst meint, dann darf die brasilianische Regierung das neue Waldschutzgesetz nicht verabschieden. Das wäre entscheidend für den Erfolg von Rio", sagte Geiger.

Mit mehr als 5.000 Aktiven aus rund 50 Ländern war am Wochenende auch das vierte Alternative Weltwasserforum FAME (Forum Alternatif Mondial de l'Eau) in Marseille zu Ende gegangen. "Die große Teilnehmerzahl bei unserem Gegenforum ist ein enormer Erfolg für die globale Wasserfriedensbewegung und zeigt, wie groß das weltweite Interesse an Alternativen zu einer den Profitinteressen von Konzernen unterworfenen Wasserversorgung ist", sagte Dorothea Härlin vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac. Im Zentrum der mehr als 130 Veranstaltungen beim FAME standen Möglichkeiten einer lokal verankerten, ökologisch und ökonomisch sinnvollen Wasserversorgung und Ideen eines gemeinwohlorientierten Wassermanagements in öffentlicher Hand. Die Bandbreite reichte von technischen Verbesserungen über alternative Finanzierungsmodelle bis hin zur sozialen und politischen Dimension des Themas Wassers.

Die Aktiven beim FAME forderten, 2014 einen Wassergipfel unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen einzuberufen. UN-Sonderberichterstatterin Catarina de Albuquerque unterstützte dieses Ansinnen. Laura Valentukeviciute vom Attac-Koordinierungskreis: "Beim Forum der Konzerne wurde immer wieder wiederholt, mit welch großen Problemen wir bei der Verwirklichung des Menschrechts auf Wasser zu kämpfen haben. Die Teilnehmer des Alternativen Weltwasserforums haben die Probleme längst erkannt und ihre Ursachen verstanden. Sie arbeiten bereits an den Lösungen."

www.attac.de
www.wwf.de/weltwasserforum

Back to Top
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok