weizen_wmc_150Berlin. - Zum Internationalen Tag der Landlosen am 17. April haben Aktivisten vor einer Filiale der Deutschen Bank in Berlin gegen Spekulationen mit Ackerland protestiert. Die Deutsche Bank sei über die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank Gruppe, die DWS-Investment, am so genannten Land Grabbing beteiligt, kritisierte das INKOTA-netzwerk. Die Bank solle sich aus den Spekulationen mit Ackerland zurückziehen.

Mit dem Global Agricultural Land & Opportunities Fund (GALOF) habe die DWS-Investment in 104.000 Hektar Ackerland in Argentinien, Australien, Tansania, Sambia und im Kongo investiert, so INKOTA. Laut Fondsmanagement erwirtschafte GALOF jährlich 18 Prozent Rendite. Diese große Gewinnspanne werde über die Zusammenlegung kleinerer Farmen und die damit verbundene Streichung von Arbeitsplätzen sowie durch die allgemeine Wertsteigerung von Ackerland erreicht.

"Die Investitionen in Ackerland durch die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank verschärfen Konflikte um Land und Wasser", sagte Evelyn Bahn, Referentin für Welternährung beim INKOTA-netzwerk. Die Preise für Ackerland schössen in die Höhe, Kleinbauern und –bäuerinnen würden von ihrem Land vertrieben oder verlören ihre Arbeitsplätze. "Die Deutsche Bank erwirtschaftet ihre Rendite auf Kosten der ärmsten Menschen auf dem afrikanischen Kontinent. Das muss aufhören. Deshalb fordern wir, dass sich die Deutsche Bank aus dem Geschäft mit dem Acker zurückzieht", betonte Bahn.

"Landraub ist eine moderne Form von Kolonialismus. Sie gefährdet zunehmend das Menschenrecht auf Nahrung", sagte Niema Movassat, Entwicklungspolitiker der Fraktion DIE LINKE. "Großflächige Agrarinvestitionen haben bereits jetzt eine Dimension von 203 Millionen Hektar Land erreicht, eine Fläche halb so groß wie die Europäische Union. Mit der Mär vom bisher ungenutzten Land werden Menschen von ihrem Land vertrieben. Millionen von Menschen verlieren so ihre Lebensgrundlage und stürzen in Hunger und Armut. Wer den weltweiten Hunger ernsthaft bekämpfen will, muss konsequent gegen Landraub vorgehen."

Zum Internationalen Tag der Landlosen ist auch der neue Attac-Basis-Text "Land Grabbing – Der globale Wettlauf um Agrarland" erschienen. Das Buch nimmt die Leserinnen und Leser mit auf eine Reise in verschiedene Länder der Erde, in denen Ackerland zu Spottpreisen verscherbelt wird. Timo Kaphengst (Attac-Agrarnetz) und Evelyn Bahn (Inkota-Netzwerk) beschreiben die verheerenden Folgen dieser Landnahmen für die Menschen, die zuvor auf und von dem Land gelebt haben.

Es sind vornehmlich privatwirtschaftliche Investoren, die auf dem afrikanischen Kontinent und in anderen Weltregionen Land kaufen oder pachten, um dort Agrarrohstoffe für den Export anzubauen. Angelockt werden auch Spekulanten aus dem Finanzsektor, die in Ackerland investieren, um an dessen Wertsteigerung mitzuverdienen. Die Autoren zeigen, welche politischen vergangenen und aktuellen Fehlentwicklungen dazu führen, dass dieser Wettlauf nach Ackerland unaufhörlich voranschreitet. Diskutiert werden auch Lösungen, um den ungebremsten Ausverkauf von Land einzudämmen.

"Mit den Großinvestitionen in Ackerland werden entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt. Denn diejenigen, die das Land kaufen, bestimmen darüber, was und vor allem wie zukünftig auf den weltweiten Ackerflächen produziert wird", sagt Autorin Evelyn Bahn. "Land Grabbing manifestiert das industrialisierte Produktionsmodell mit all seinen negativen Folgen für lokale Kleinbäuerinnen und -bauern".

Timo Kaphengst ergänzt: "Anstatt die Kleinbäuerinnen und -bauern von ihrem Land zu vertreiben, müssen sie gefördert und ihre Rechte auf Land und andere Ressourcen gewahrt werden. Nur so kann ein stabiles Versorgungsnetz von Lebensmitteln aus lokaler und regionaler Produktion erhalten werden, das zur Ernährungssicherheit beiträgt."

Timo Kaphengst arbeitet seit 2007 beim Ecologic Institut in Berlin zu verschiedenen Themen internationaler und europäischer Umweltpolitik. Evelyn Bahn ist Referentin für Welternährung und Globale Landwirtschaft beim Inkota-Netzwerk. Seit 2008 beschäftigt sie sich mit den Auswirkungen der europäischen Agrarkraftstoffpolitik und den Ursachen von Land Grabbing.

Der Band ist Teil der Taschenbuch-Reihe "Attac-Basis-Texte" des VSA-Verlags, die grundlegendes Wissen über einzelne Themenfelder der Globalisierungskritik vermittelt. Der Text hat rund 100 Seiten und ist für 7 Euro im Buchhandel oder im Attac-Webshop erhältlich.

Timo Kaphengst / Evelyn Bahn
Land Grabbing / Der globale Wettlauf um Agrarland
AttacBasisTexte 40
96 Seiten | April 2012
EUR 7.00
ISBN 978-3-89965-481-3


www.attac.de
www.inkota.de

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