MiserorAachen/Düsseldorf (epo). - Die katholische Entwicklungsorganisation Misereor hat eine "nüchterne Bilanz" des UN-Gipfels in New York gezogen. "Wenn wir die Milleniums-Entwicklungsziele bis 2015 erreichen wollen, hätten wir fünf Jahre nach deren Verabschiedung bereits weiter sein müssen", sagte Misereor-Hauptgeschäftsführer Josef Sayer in Aachen. "Von daher hätten wir von diesem Gipfel konkrete Pläne für die nächsten zehn Jahre erwartet, um das bereits bestehende Defizit auszugleichen. In New York wurde eine einzigartige Chance der Zusammenarbeit von Nord und Süd nicht genutzt."

Einzelne Staaten wie die USA hätten zudem ihre Interessen vor die des Weltgemeinwohls gestellt, so Sayer. Auf diesem Weg blieben auch die Vereinbarungen über Sicherheit vor dem internationalen Terrorismus vage, weil der Sumpf des Terrorismus nur durch mehr Gerechtigkeit ausgetrocknet werden könne. Positiv bemerkte Sayer, dass erstmals ein Zeitplan zur Umsetzung des 0,7 Prozent-Ziels in einem UN-Dokument empfohlen worden sei. Dies entspreche auch den Vereinbarungen der EU vom Mai diesen Jahres.

Der Misereor-Hauptgeschäftsführer mahnte, die Suche nach alternativen Finanzierungsmechanismen müsse nach den Gipfel weiter gehen. Zudem sei entscheidend, dass auf der Tagung der Welthandelsorganisation WTO im Dezember entscheidende Schritte bei der Umsetzung von fairen Handelsbedingungen getan würden. Nur so könne man sich den Millenniums-Entwicklungszielen bis 2015 realistisch annähern.

Der Bundesvorstand des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in Düsseldorf zeigte sich "empört über die starke Verwässerung der Resolution" der UN-Generalversammlung. "85% der Bevölkerung in Entwicklungsländern sind Kinder und Jugendliche.", so BDKJ-Bundespräses Pfarrer Andreas Mauritz. "Es ist unfassbar, dass jeder zehnte Jugendliche unterernährt ist, alle 30 Sekunden ein Kind an einer vermeidbaren Krankheit stirbt und zirka 300.000 Kinder und Jugendliche zur Kriegführung missbraucht werden, und sich gleichzeitig die Weltgemeinschaft nicht auf konkrete Schritte einigen kann, um diese Missstände zu beseitigen."

Zu einem großen Teil sei dies zwar durch die USA verhindert worden, jedoch hätten sich "auch die europäischen Staaten vor festen Zusicherungen gedrückt". Durch die Befürwortung einer Mehrheitsentscheidung, beispielsweise zur Festlegung eines verbindlichen Zeitplanes zur Erhöhung der Entwicklungsfinanzierung, hätte man zumindest eine Grundlage herstellen können. "Terror und Krieg haben ihre Ursachen. Eine Beseitigung von Armut und Unterdrückung auf der Welt steht durchaus in einem Zusammenhang mit einer Beseitigung des Terrors", erklärte Mauritz.

Der BDKJ ist Dachverband von 15 katholischen Kinder- und Jugendverbänden mit rund 650.000 Mitgliedern. Er vertritt ihre politischen, sozialen und kirchlichen Interessen.

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