Global Peace IndexLondon. - In den letzten sieben Jahren ist die Welt immer stärker von Gewalt gepägt worden, während in den 60 Jahren zuvor, seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, ein langanhaltender Trend zunehmender globaler Friedlichkeit verzeichnet werden konnte. Das belegt der Global Peace Index 2014 des Institute for Economics and Peace (IEP), der am Mittwoch in London vorgestellt worden ist. Das IEP hat hierbei erstmals zehn Länder identifiziert, die aufgrund eines erhöhten Unruhe- und Gewaltniveaus in den kommenden zwei Jahren Gefahr laufen in Unruhe- und Gewaltzustände abzurutschen. Syrien verdrängt Afghanistan als weltweit am wenigsten friedliche Nation, während Island seinen Status als friedlichstes Land der Welt beibehält.

Die zehn Länder, deren Friedenszustand sich in den nächsten zwei Jahren am wahrscheinlichsten verschlechtern wird, sind Sambia, Haiti, Argentinien, Tschad, Bosnien-Herzegowina, Nepal, Burundi, Georgien, Liberia und der WM Gastgeber 2022, Katar.

Für diese Länder entwickelte das Institute for Economics and Peace neue statistische Modelierungstechniken. Die neue Methode analysiert einen Datensatz, der bis in das Jahr 1996 zurückreicht, und vergleicht Länder mit der Leistung von Staaten mit ähnlichen institutionellen Merkmalen. Diese Modelle weisen laut IEP eine neunzigprozentige historische Genauigkeit auf.

"Das Transformatorische an dieser Analyse ist, dass wir das aktuelle Friedensniveau eines Landes mit seinem Potenzial, sich zukünftig in puncto Gewaltbereitschaft zu verbessern oder zu verschlechtern, vergleichen können. Das Potenzial eines Landes, für Frieden zu sorgen, wird von vielen positiven Faktoren beeinflusst", sagte Steve Killelea, Gründer und Vorstandsvorsitzender des IEP. Zu den Faktoren zählen solide Institutionen, eine gut funktionierende Regierung, niedrige Korruptionsraten sowie eine geschäftsfördernde Umgebung. "Diese Faktoren bezeichnen wir als 'Säulen des Friedens'. Diese Modelle sind für die Beurteilung von Länderrisiken revolutionär. Positive Friedensfaktoren neigen über längere Zeit dazu, sich mit der Höhe der tatsächlichen Gewalt einzupendeln, wodurch eine reale Vorhersagegenauigkeit ermöglicht wird."

Dem Global Peace Index zufolge waren terroristische Aktivitäten, die Anzahl ausgetragener Konflikte sowie die Anzahl der Flüchtlinge und Vertriebenen die wichtigsten Verursacher der anhaltenden Verschlechterung der globalen Friedlichkeit im vergangenen Jahr. Dies bestätigt ein sieben Jahre anhaltender, schrittweiser, jedoch signifikanter Abwärtstrend, der einen 60-jährigen Trend zunehmender globaler Friedlichkeit seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges kippt.

Steve Killela erklärte, die anhaltenden wirtschaftlichen Auswirkungen der globalen Finanzkrise, der Nachhall des Arabischen Frühlings sowie die anhaltende Ausbreitung des Terrorismus trügen ebenfalls zur Verschlechterung der Friedenszustände bei und beeinflussten diese weiter.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen infolge der Begrenzung sowie des Umgangs mit den Folgen der globalen Gewalt im vergangenen Jahr wurden nach dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht auf 9,8 Trillionen US-Dollar geschätzt. Dies entspricht 11,3 % des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) oder dem doppelten Umfang des BIP der 54 afrikanischen Länder.

"Dies führt zu sehr realen Kosten für die Weltwirtschaft", so Killela. "Die Verstärkung der globalen wirtschaftlichen Auswirkungen von Gewalt und die Ausgaben für deren Eindämmung entsprechen 19 % des globalen Wirtschaftswachstums von 2012 bis 2013. Um dies noch weiter zu verdeutlichen: Dies entspricht etwa 1.350 US-Dollar pro Person. Die Gefahr besteht darin, dass wir in einen negativen Zyklus hineingeraten: Geringes Wirtschaftswachstum führt zu einer höheren Gewaltbereitschaft und die Massnahmen zu deren Eindämmung führen zu einem geringeren Wirtschaftswachstum."

Gemäss der aktuellen Einschätzung des IEP verzeichnete die Elfenbeinküste im Jahr 2014 die zweitgrösste Verbesserung ihres GPI (Indikator echten Fortschritts). Diese Entwicklung beinhaltet den Rückgang der Wahrscheinlichkeit gewalttätiger Demonstrationen sowie der Anzahl vertriebener Personen. Die grösste Verbesserung wurde jedoch in Georgien umgesetzt, da das Land nach seinem Konflikt mit Russland im Jahr 2011 nun wieder zur Normalität zurückfinde.

Die friedlichste Region der Welt bleibt weiterhin Europa, während die am wenigsten friedliche Region Südasien ist. Afghanistan wurde als Folge einer leichten Verbesserung der Friedenszustände des Landes vom untersten Rang auf dem Index von Syrien abgelöst, während sich Syrien weiter verschlechterte. Der Südsudan erfuhr den grössten Abstieg auf dem Index in diesem Jahr und fiel auf den 160. Rang. Dadurch nimmt es nun die Position des Drittletzten ein. Wesentliche Verschlechterungen gab es auch in Ägypten, der Ukraine und der Zentralafrikanischen Republik.

Quelle: visionofhumanity.org

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