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Göttingen. - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat am Freitag vor einer Spirale der Gewalt im Kampf gegen die islamistische Boko-Haram-Sekte in Nigeria gewarnt. "Die Zivilbevölkerung im Nordosten des Landes leidet massiv unter den Folgen der sich verschärfenden Auseinandersetzungen zwischen Islamisten und Polizei, Armee sowie paramilitärischen Bürgerwehren“, berichtete der GfbV -Afrikareferent Ulrich Delius in Göttingen.

"Während Boko Haram in neu eroberten Städten die Scharia mit ihren grausamen und Menschen verachtenden Strafen einführt, Christen ermordet, vertreibt und Kirchen niederbrennt, wurden 16 angebliche Unterstützer der Terrorbewegung im Gewahrsam der Sicherheitskräfte erschossen. Die Verantwortlichen für diese mutmaßliche Vergeltungsaktion müssen vor Gericht zur Rechenschaft gezogen werden, um eine weitere Gewalteskalation zu verhindern. Im Kampf gegen Boko Haram dürfen die Gesetze Nigerias und internationale Menschenrechtskonventionen nicht missachtet werden!"

Die Ermordung des Boko Haram-Gründers Mohammed Yusuf in der Haft im Juli 2009 hat eine Welle der Gewalt ausgelöst, unter der die Zivilbevölkerung bis heute leidet. Mehrere tausend Zivilisten kamen bereits bei Überfällen und Anschlägen der Terrorbewegung ums Leben. Am vergangenen Mittwoch wurden 16 Muslime nur wenige Stunden nach ihrer Verhaftung beim Morgengebet im Ort Potiskum erschossen. Mitarbeiter eines Krankenhauses haben diese offensichtliche Vergeltungsaktion inzwischen bestätigt. Die Erschossenen gehörten nach Angaben der GfbVder ethnischen Gruppe der Kanuri an, die auch die Führung Boko Harams stellt. Am vergangenen Freitag hat eine Bürgerwehr 41 Boko-Haram-Kämpfer aufgelauert und getötet. Die abgeschnittenen Köpfe der Ermordeten sollten öffentlich ausgestellt werden, um sie zu entmystifizieren.

"Mit größter Besorgnis verfolgen wir Boko Harams Pläne, im Nordosten Nigerias ein Kalifat zu errichten", sagte Delius. Die islamistische Terrorbewegung hat bereits zwei Dutzend Städte unter ihre Kontrolle gebracht. Gouverneur James Ngilarie befürchtet, die Terrorbewegung werde seinen Bundesstaat Adamawa überrollen. Die zweitgrößte Stadt von Adamawa, Mubi, wurde bereits in der vergangenen Woche von Boko Haram erobert. Nach gezielten Morden an Christen wurden alle überlebenden Angehörigen der Glaubensgemeinschaft aufgefordert, die Stadt zu verlassen. Kirchen wurden in Brand gesetzt, berichten Augenzeugen. Mubi wurde von den Islamisten in "Stadt des Islam" umbenannt. Die Stadt Gwoza im Bundesstaat Borno erhielt den Namen "Haus der Weisheit".

Laut GfbV wird in allen von Boko Haram kontrollierten Gebieten  die Scharia mit ihren unmenschlichen Strafbestimmungen eingeführt. So wurden in Mubi bereits zehn des Diebstahls Beschuldigten die Hände amputiert. Außerdem kam es schon zu Auspeitschungen und Steinigungen.

Quelle: gfbv.de 


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