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Berlin. - Same procedure as every year: Das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt, markanter Teil des weitgehend unbekannten Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung, ruft zum Jahreswechsel unter dem Motto "Brot statt Böller" wieder dazu auf, zu spenden statt Raketen und Böller in die Luft zu jagen. Seit 30 Jahren geht das nun schon so. Die Aktion 3. Welt Saar kontert regelmäßig mit dem Hinweis: "Lustfeindlichkeit und schlechtes Gewissen helfen nicht gegen Hunger." Der "Postillon" hat die langweilige Debatte jetzt mit einem Vorschlag bereichert: Die Satire-Seite ruft zur Spendengala "Böller für die Welt" auf, "um Silvesterkracher für Ostafrika zu kaufen".

"Wir laden dazu ein, das neue Jahr mit dem guten Vorsatz des Teilens zu beginnen", erklärte Cornelia Füllkrug-Weitzel. "Die Freude, die durch Teilen mit Menschen in Not entsteht, währt viel länger als der Spaß an einem Feuerwerk", weiß die Chefin von Brot für die Welt, die sich seit der Fusion mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) und dem Diakonischen Werk zum EWDE nebst Umzug vom Neckar an die Spree jetzt "Präsidentin" statt nur "Vorstandsvorsitzende" nennen lassen darf.

"Brot statt Böller ist unbequem", so Cornelia Füllkrug-Weitzel, "denn es erinnert daran, dass in einer Nacht allein in Deutschland mehr als 100 Millionen Euro verbrannt werden. Brot für die Welt weiß, dass und wo dieses Geld dringend gebraucht wird und dauerhaft Gutes bewirken kann."

Die Aktion 3.Welt Saar fordert hingegen seit Jahren: "'Brot statt Böller' Appell einstellen und durch "Brot UND Böller" ersetzen!" Der eingetragene Verein aus dem Saarland stellt die Suggestiv-Frage: "Kann denn Feiern Sünde sein?" "Der 'Brot statt Böller'-Aufruf trägt eine gehörige Portion Lustfeindlichkeit zur Schau und appelliert an das schlechte Gewissen", sagt Hans Wolf vom Vorstand der Aktion 3. Welt Saar. "Auffallend ist, dass die Kritik am Silvesterfeuerwerk erst dann ansetzt, wenn 'die breite Masse' Raketen zündet, nicht aber am Feuerwerk der Besserbetuchten, beispielsweise nach Klassik-Open-Air-Konzerten, bei 'Rhein in Flammen' oder bei der offiziellen Feier in Saarbrücken am Vorabend (13.7.) des Jahrestages der französischen Revolution."

Der unterstellte Zusammenhang zwischen dem Silvesterfeuerwerk sowie Hunger und Armut in der Welt sei beliebig gewählt und existiere nicht, so Wolf. "Genauso gut könnte man dazu aufrufen, keine Weihnachtsbäume, Smartphones, Bücher oder Jogginganzüge zu kaufen, keinen Wein zu trinken oder Fußballspiele ausfallen zu lassen. "Der Einsatz für Gerechtigkeit und Solidarität führt ins Leere, wenn er mit einer Leidensmiene und dem moralischen Zeigefinger einher geht."

Zum Wesen des Menschen gehöre in allen Kulturen das Feiern, der Rausch, die Verausgabung - für manche eben auch die Freude am Feuerwerk. "Dies sollte respektiert werden", fordert Wolf. "Dass Menschen hungern, obwohl es genügend Nahrungsmittel gibt, liegt an deren Verteilung und an der Verwendung von Nahrungsmitteln als Viehfutter. Denn Hunger ist kein Schicksal, sondern wird gemacht. Um Hunger zu bekämpfen, brauchen wir eine andere Agrarpolitik."

Dafür organisiert die Aktion 3. Welt Saar gemeinsam mit 40 anderen Agrar- und Umweltorganisationen am 17. Januar 2015 in Berlin zum Auftakt der Grünen Woche wieder die Demonstration "Wir haben es satt". Im Januar 2014 nahmen über 20.000 Menschen an dieser Demonstration teil.

Der "Postillon" hat die ganze Debatte um "Brot statt Böller" satt und sammelt nun mit der Spendengala "Böller für die Welt" Geld, "um Silvesterkracher für Ostafrika zu kaufen". Denn wie die Aktion 3. Welt Saar schon bemerkte gehört zum Wesen des Menschen in allen Kulturen das Feiern. "In Europa ist das Feuerwerk um Mitternacht ein unverzichtbarer Bestandteil eines jeden gelungenen Neujahrsfestes", so das Satire-Magazin. "In Ostafrika dagegen können viele Menschen von Krachern, Heulern und Raketen nur träumen. Um ihnen zu helfen, sollen bei der Spendengala 'Böller für die Welt' am Montag (RTL, 20.15 Uhr) in Berlin mindestens fünf Millionen Euro gesammelt werden.

Mit Hilfe von "Böller für die Welt" sollen noch vor Silvester "mehrere Tonnen Feuerwerkskörper nach Äthiopien, Kenia, Dschibuti und Somalia eingeflogen werden, um den Menschen dort ein Neujahrsfest in Würde zu ermöglichen", fordert der Postillon. "In dieser Zeit, in der bei uns oft im Überfluss geböllert wird, dürfen wir nicht die vergessen, die gar keine Böller haben", sagte ein fiktiver "Leon von Scherheim". "Wenn jeder auch nur die Hälfte des Geldes, das er an Silvester für Kracher und Raketen ausgibt, an 'Böller für die Welt' spendet, haben wir unser Ziel schnell erreicht."

Den späten Termin für die Veranstaltung erklärt von Scherheim mit dem deutschen Gesetz. So könne man frühestens ab dem 29. Dezember die "dringend benötigten Böller" im Einzelhandel erwerben, um sie nach Afrika zu schicken. Dank der logistisch gut aufgestellten Organisation "Pyrotechniker ohne Grenzen" sei jedoch sichergestellt, "dass am 31. pünktlich um Mitternacht auch im hungergeplagten Ostafrika der Himmel bunt erleuchtet ist".

=> Spendengala "Böller für die Welt" sammelt Geld, um Silvesterkracher für Ostafrika zu kaufen


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