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Borneo Palmöl Foto

Berlin (epo.de). - Das Netzwerk für Bioenergie der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hat am Dienstag in Berlin darauf gedrängt, Biokraftstoffe in Deutschland nur nachhaltig zu nutzen. Dies sei gewährleistet, wenn Biokraftstoffe nicht auf Böden angepflanzt werden, die für die Agrarproduktion benötigt werden. Die Entscheidung der Bundesregierung vom 5. Oktober, die für das Jahr 2009 geplanten Beimischungsquoten für Biokraftstoffe zu senken, und die weltweite Ernährungskrise waren die wichtigsten Themen der ersten Konferenz des Netzwerkes: "Biokraftstoffe: Segen oder Fluch?"

Nachdem Biokraftstoffe zunächst als Segen gefeiert wurden, da mit ihnen der zukünftige Mangel an fossilen Brennstoffen ausgeglichen werden könnte, folgte ein rapider Imageverlust aufgrund der Tatsache, dass viele der für die Nahrungsmittelproduktion benötigten Landflächen nun für den Anbau von Biodiesel genutzt wurden. Dies bedeute jedoch eine Entwicklung in die falsche Richtung, denn es dürfe nicht sein, dass die Produktion von Biokraftstoffen das globale Artensterben weiter beschleunige und die Anstrengungen zur Bekämpfung des Hungers in der Welt behindert werden, so der Bundesgeschäftführer der Deutschen Umwelthilfe, Rainer Baake.

Da es trotz dieses Problems in Zukunft keine Alternative zu Biokraftstoffen gebe, müssten die Kriterien Effizienz und Nachhaltigkeit im Vordergrund stehen, so die Deutsche Umwelthilfe. Effizienzsteigerung beinhalte neben dem Anbau von Biokraftstoffen auch Investitionen in die Forschung und Entwicklung neuer Technologien im Automobilsektor, denn "Ziel des Einsatzes von Bioenergie im Kraftstoffsektor kann nicht sein, die Autoindustrie von der Entwicklung Sprit sparender Motortechnik freizustellen", sagte Baake.

Es müsse künftig sowohl bezüglich der Einsparung klimawirksamer Treibhausgase als auch bezüglich des Flächenbedarfs für die Produktion von Biokraftstoffen so effizient wie möglich vorgegangen werden, fordert die Deutsche Umwelthilfe. "Die in den vergangenen Jahren brachial vorangetriebene Ausbaustrategie in Deutschland, Europa, in anderen Industriestaaten und in den Schwellenländern muss in ihrem Tempo zurückgefahren werden".

Die beschlossene Senkung der Beimischungsquote für Biokraftstoffe wurde von der Deutschen Umwelthilfe begrüßt. Sie sei angesichts der wissenschaftlichen Erkenntnisse über die nationalen und weltweiten Folgen für die Nahrungsmittelproduktion überfällig gewesen.

Schon heute achte die Bundesregierung darauf, dass keine Biokraftstoffe erworben werden, die nicht nachhaltig produziert wurden, so der Staatssekretär im Bundesumweltministerium Matthias Machnig. Beispielsweise werde Palmenöl nicht mehr als Biokraftstoff akzeptiert, erklärte Machnig weiter.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), dessen neue Fassung am 1. Januar 2009 in Kraft tritt, beinhaltet klare Efizienzziele und akzeptiert nur Biomasse aus nachhaltigem Anbau. Mit dem EEG tritt die neue Beimischungsquote für Biokraftstoffe in Kraft, die von 6,25% auf 5,25% gesenkt wurde. Mit dem Beschluss des Koalitionsausschusses vom 5. Oktober wurde ebenfalls der Steuersatz für Biodiesel für das Jahr 2009 von 21 Cent auf 18 Cent reduziert.

Uwe Franke, Vorstandsvorsitzender des Konzerns Deutsche BP (British Petroleum) erklärte, dass Nachhaltigkeit beim Anbau von Biokraftstoffen leichter erreichen zu sei als angenommen. Bei strikten Richtlinien, wie sie die EU und Deutschland beschließen werden, müssten Produzenten einlenken, andernfalls werde sich beispielsweise Deutschland als Kunde verabschieden. Man könne sich demnach auf die Marktregulierungsmechanismen verlassen.

Bei der Erfahrung mit der Biokraftstoffproduktion befinde man sich noch in der Steinzeit, weshalb auch die Wirtschaft auf den Ausbau von Forschung und Entwicklung setze, so Franke. Er verwies beispielsweise auf die Jatrophapflanze, deren für den Menschen giftige Nuss einen Ölanteil von über 30% aufweist. Diese Pflanze, die auch in sehr trockenden Gebieten angebaut werden kann, stehe nicht mit Nahrungsmitteln in Konkurrenz und stelle eine Alternative dar.

Dass aber auch durch solche Pflanzen Anbauflächen verloren gehen, wollten sich die Veranstaltungsteilnehmer kaum eingestehen. Auf die Frage hin, ob es sinnvoll sei, in Deutschland die Biokraftstoffproduktion zu etablieren und ob dies nicht eher mit dem Titel "ineffizient" überschrieben werden könne, äußerte Matthias Machnig, dass ohne einen Heimatmarkt für Biokraftstoffe keine Glaubwürdigkeit erzeugt werden könne. Deutschland als Industriestandort müsse zeigen können, dass es die neuen Technologien beherrsche. Davon hänge die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands ab.

   

 


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