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Berlin. - Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat am Dienstag die Sonderinitiative Eine Welt ohne Hunger (SEWOH) gestartet. Zentraler Bestandteil der Sonderinitiative ist der Aufbau von Grünen Innovationszentren in Ländern des globalen Südens. Nach Ansicht des entwicklungspolitischen INKOTA-netzwerks lassen sich wirkliche Innovationen, die Hunger und Armut bekämpfen, soziale Gerechtigkeit fördern und eine nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen stärken, allerdings nur schwer finden. Der Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (VENRO) fordert, zur Sicherung der Welternährung die kleinbäuerliche Landwirtschaft zu stärken.

"Die grünen Innovationszentren folgen einem klassischen Wertschöpfungsketten-Ansatz. Landwirtschaftliche Rohstoffe sollen möglichst günstig angebaut und unverarbeitet aus den Ländern des globalen Südens exportiert werden", sagte Jan Urhahn, Landwirtschaftsexperte beim INKOTA-netzwerk. "Darin ist keine Innovation zu erkennen. Das ist stumpfe Privatwirtschaftsförderung im Interesse ausländischer Konzerne und zum Nachteil der Mehrheit der Kleinbauern und Kleinbäuerinnen im globalen Süden", so Urhahn weiter.

"Wirklich innovativ wäre es, die lokale Weiterverarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten zu stärken und damit die lokalen Märkte zu versorgen." Einen klaren Fokus auf agrarökologische Anbaumethoden suche man in der SEWOH vergebens. "Stattdessen wird weiterhin eine industrielle Landwirtschaft unterstützt, deren Folgen fatal sind: ausgelaugte Böden, Verlust von Artenvielfalt und Abhängigkeiten der kleinbäuerlichen Erzeuger und Erzeugerinnen von teuren Betriebsmitteln wie Saatgut, Dünger und Pestiziden und damit vom Agribusiness.

"Weltweit hungern mehr als 800 Millionen Menschen und zwei Milliarden Menschen sind mangelernährt. Angesichts dieser beschämenden Zahlen ist eine grundsätzliche Neuausrichtung der Landwirtschafts- und Ernährungspolitik zwingend notwendig", sagt Bernd Bornhorst, Vorstandsvorsitzender von VENRO. "Bedürfnisse der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern müssen konsequent ins Zentrum einer sozial gerechten und ökologisch nachhaltigen Landwirtschafts- und Ernährungspolitik gestellt werden. Sie sind die größten und wichtigsten Investoren in der Landwirtschaft."

"Aus Sicht des INKOTA-netzwerk sollten stattdessen im Rahmen der SEWOH in enger Kooperation mit Forschungsinstituten im globalen Süden und unter Einbeziehung der Verbände von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen lokale Saatgutsorten und Anbautechniken weiter entwickelt werden, die den Bedürfnissen der kleinbäuerlichen Erzeuger und Erzeugerinnen entsprechen und zugleich an die lokalen Begebenheiten angepasst sind.

Obwohl das BMZ von der deutschen Zivilgesellschaft aufgefordert wurde, zivilgesellschaftliche Organisationen gerade in den Zielländern der Grünen Innovationszentren einzubeziehen, geschah das entweder gar nicht oder nur kurzfristig und unzureichend. "Die Vorhaben der SEWOH können nur dann wirklich wirken, wenn die Bedürfnisse der kleinbäuerlichen Erzeuger und Erzeugerinnen ernst genommen werden", erklärte Jan Urhahn.

Uwe Kekeritz, Sprecher für Entwicklungspolitik der grünen Bundestagsfraktion sagte: "Der Sonderinitiative von Minister Müller fehlt ein klares Konzept. Anstatt kleinbäuerliche Landwirtschaft zu unterstützen, setzt Müller allein auf Produktionssteigerung. Er vernachlässigt die Einbindung der Zivilgesellschaft vor Ort. Eine effektive, nachhaltige Hungerbekämpfung kann so nicht erreicht werden."

"Die enge Zusammenarbeit mit Bauernverbänden und zivilgesellschaftlichen Gruppen im globalen Süden muss Kern der SEWOH sein. Die Vorhaben dürfen ihnen nicht von außen aufgedrückt werden", fordert Urhahn.

Das INKOTA-netzwerk begrüßt grundsätzlich, dass das BMZ mit der SEWOH die Bekämpfung von Hunger und Mangelernährung in das Zentrum seiner Politik stellt und die finanziellen Mittel – auch für die Zivilgesellschaft in Deutschland – erhöht. Damit die SEWOH tatsächlich wirksam wird, sind aus Sicht des INKOTA-netzwerk jedoch Kurskorrekturen notwendig

=> Positionspapier des Forum Umwelt und Entwicklung: Die sieben Säulen einer zukunftsfähigen, bäuerlichen Landwirtschaft und souveränen Ernährung in Nord und Süd

Bild: © Forum und Entwicklung

Quellen: inkota.de | venro.org


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