Nigerias neuer Präsident Muhammadu Buhari (rechts). Foto: Flickr.com/PDP

Abuja. - Der 72-jährige ehemalige Armeegeneral Muhammadu Buhari hat die Präsidentschaftswahl in Nigeria gewonnen. Der amtierende Staatschef Goodluck Jonathan (57) räumte in der Nacht zum Mittwoch seine Wahlniederlage ein und gratulierte Buhari, der der Ethnie der Fulani entstammt und insbesondere im Norden der bevölkerungsreichsten afrikanischen Landes Wählerstimmen gewinnen konnte, wo die islamistische Boko Haram Sekte in ihrem Terror-Feldzug tausende Menschen ermordet hat.

"Ich habe dem Land freie und faire Wahlen versprochen, und ich habe mein Wort gehalten", erklärte Goodluck Jonathan, der seine Anhänger dazu aufrief, das Wahlergebnis anzuerkennen. Buhari ist der erste Oppositionelle seit der Rückkehr Nigerias zur Demokratie im Jahr 1999, der einen Amtsinhaber der People's Democratic Party (PDP) in einer Wahl besiegen konnte. Der aus dem muslimischen Norden stammende Buhari hatte Nigeria bereits von Dezember 1983 bis August 1985 diktatorisch regiert, nachdem er durch einen Militärputsch an die Macht gekommen war.

Obwohl das offizielle Endergebnis der Wahl noch nicht feststeht, hatte sich Buharis oppositionelle Partei "All Progressives Congress" (APC) bereits am Dienstag Abend zur Wahlsiegerin erklärt, nachdem der Bundesstaat Borno mit 94 Prozent der Stimmen gewonnen werden konnte. Borno gehört zu den nördlichen Bundesstaaten, die von der Boko Haram am meisten terrorisiert werden. Jonathan hatte sich nicht sonderlich für die Opfer der Rebellengruppe interessiert und den gewaltsamen Aufstand nicht tatkräftig genug bekämpft.

Buhari hatte bereits 2003, 2007 und 2011 erfolglos für das Präsidentenamt kandidiert. Er gilt Beobachtern zufolge als nicht korrupt und als einer der "am höchsten geachteten Politiker Nordnigerias". 

Nach den bisher vorliegenden Stimmenauszählungen kam Buhari auf kanpp 15,5 Millionen Stimmen, während Jonathan rund 12,8 Millionen Stimmen auf sich vereinigen konnte. Der neu gewählte Präsident siegte in 21 Bundesstaaten, Jonathan in 15 Staaten und der Hauptstadt Abuja. Nach der Verfassung muss der Wahlsieger zudem in 27 Bundesstaaten mindestens ein Viertel der Wählerstimmen erreichen, was Buhari gelang. Er siegte in den Bundesstaaten Adamawa, Bauchi, Benue, Borno, Gombe, Jigawa, Kaduna, Kano, Katsina, Kebbi, Kogi, Kwara, Lagos, Niger, Ogun, Ondo, Osun, Oyo, Sokoto, Yobe und Zamfara.

Der Afrika-Experte Robert Kappel vom GIGA Institut für Afrika-Studien traut Buhari zu, den Aufstand der Boko Haram eindämmen zu können, hat aber auch Zweifel, ob der ehemalige General sich ernsthaft zu einem Demokraten gewandelt hat: "Er hat immer betont, dass er geläutert sei. Ich habe da meine Zweifel. Aber ich habe die Hoffnung, dass die Opposition Widerstand leisten würde, wenn er eine Art Militärdiktatur niedriger Größenordnung zu etablieren versuchte. Sollten die Unruhen im Land doch zunehmen, weil Verlierer die Wahl anfechten, dann errichtet der neue Machthaber womöglich neue Ausgangssperren und etabliert vielleicht eine Art Militärregime. Die Gefahr besteht", sagte Kappel der Deutschen Welle.

Nigerias amtierender Präsident Goodluck Jonathan. Foto: PDP Website


UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini begrüßten den Wahlsieg Buharis. Die nigerianische Oppositionspartei APC hatte vor der Bekanntgabe des vorläufigen Wahlergebnisses freilich über Unregelmäßigkeiten und technische Pannen beim Wahlgang geklagt. Die Boko Haram hatte am Wahlwochenende drei Anschläge verübt. Dabei starben im Nordosten des Landes mehr als 40 Menschen. Rebellenführer Abubakar Shekau hatte vor der Wahl gedroht, jeden Menschen zu töten, der zur Wahl geht.

US-Präsident Barack Obama hatte vor der Wahl in einer "Botschaft an das nigerianische Volk" erklärt, die Augen der Welt ruhten auf Nigeria, das die historische Chance besitze, die Demokratie zu stärken: "In this task of advancing the security, prosperity, and human rights of all Nigerians, you will continue to have a friend and partner in the United States of America", sagte Obama. 

US-Außenminister John Kerry und der britische Außenminister Philip Hammond hatten am 30. März noch in einem gemeinsamen Statement Wahlmanipulation bei der Stimmenauszählung befürchtet. Diese Befürchtungen - und Befürchtungen, Nigerias Führung könnte künftig nicht mehr auf angelsächsischen Rat hören - dürften mit der Wahl Buharis vom Tisch sein. Denn Buhari ist Absolvent der britischen Mons Officer Cadet School in Aldershot und Absolvent des U.S. Army War College in Carlisle, Pennsylvania.

Foto: Nigerias neuer Präsident Muhammadu Buhari (rechts). Foto: Flickr.com/PDP


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