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Aachen. - Auch zwei Jahre nach dem Einsturz einer Textilfabrik im Rana Plaza Gebäude in Sabhar (Bangladesch) haben deutsche Unternehmen nach der Überzeugung des katholischen Hilfswerks MISEREOR "noch nicht genug getan, um die Opfer zu entschädigen und die Arbeitsbedingungen in der Textilbranche nachhaltig zu verbessern". Bei der Katastrophe am 24. April 2013 waren rund 25 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Dhaka 1.127 Menschen getötet und 2.438 verletzt worden. MISEREOR forderte die Bundesregierung am Dienstag auf, gesetzliche Schritte zum Schutz der Menschenrechte in der deutschen Außenwirtschaft einzuleiten.

"Deutsche Unternehmen sollten gesetzlich verpflichtet werden, für die Einhaltung der Menschenrechte bei ihren Tochterunternehmen und Geschäftspartnern im Ausland Sorge zu tragen", erklärte Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von MISEREOR. "Es darf nicht sein, dass Unternehmen, die von ungerechten Arbeitsstrukturen und Billiglöhnen in Ländern wie Bangladesch und Pakistan profitieren, solange wegschauen dürfen, bis Tragödien wie die von Rana Plaza die Weltöffentlichkeit erschüttern."

Nach Angaben von MIDEREOR fehlen in dem von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) verwalteten Entschädigungsfonds noch immer acht von 30 Millionen Euro. Statt der geforderten fünf Millionen habe der Discounter KiK bislang nur eine Million eingezahlt. Die deutschen Unternehmen Adler Modemärkte, KANZ/Kids Fashion Group, NKD und die Schmidt Group hätten bislang noch keine Zahlungen geleistet. "Viele Opfer-Familien müssen so zusätzlich zu dem seelischen Leid materielle Nöte erleiden, weil sie keinen Ausgleich für die entgangenen Einkommen erhalten", so Spiegel.

MISEREOR kritisiert zudem, die großen Unternehmen und Verbände der Textilbranche zögerten bislang immer noch, dem von der Bundesregierung angestoßenen Textilbündnis beizutreten, dem auch MISEREOR angehört. MISEREOR rief die Unternehmen dazu auf, den neuen Vorschlag des Textilbündnisses jetzt anzunehmen und dem Aktionsplan zuzustimmen. "Eine konstruktive Mitarbeit der Wirtschaft ist dringend erforderlich, damit auch strukturelle Probleme wie kurzfristige Handelsbeziehungen und Lieferfristen, der Preisdruck auf Löhne und Arbeitsbedingungen und die hohe Belastung von Klima und Umwelt gelöst werden können", so Spiegel.

Über freiwillige Initiativen der Wirtschaft hinaus fordert MISEREOR vor allem verbindliche Verpflichtungen zur Achtung der Menschenrechte im Auslandsgeschäft deutscher Unternehmen. Deutschland sollte dem französischen Beispiel folgen, wo die Nationalversammlung ein Gesetz zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht verabschiedet habe, dem nun der Senat noch zustimmen müsse. Eine solche Gesetzesinitiative sollte die Bundesregierung in den Nationalen Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte aufnehmen, den sie unter Beteiligung der Zivilgesellschaft und Wirtschaft derzeit ausarbeitet und Mitte nächsten Jahres beschließen will.

Quelle: www.misereor.de 


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