Kathmandu. - Hilfsorganisationen befürchten nach dem neuen schweren Erdbeben in Nepal Rückschläge für Bewohner und Helfer in den bereits vom ersten Beben stark geschädigten Gemeinden und haben am Dienstag von ihren ersten Eindrücken nach dem neuen Erdbeben berichtet. Etliche dramatische Nachbeben erschütterten am Dienstagmittag die Region Janakpur östlich von Kathmandu. Im Umkreis von 50 Kilometer um das Epizentrum leben rund eine Million Menschen. Es gibt auch erste Berichte von Verletzten und Toten.

World Vision nahm die Hilfsarbeiten umgehend wieder auf. In einem ersten Schritt wird eine Beurteilung der neuen Situation vorgenommen. Bereits das erste Beben hatte die Bevölkerung Nepals schwer getroffen und traumatisiert.

"Es war schrecklich, nicht in Worte zu fassen. Menschen weinten und flüchteten in Angst um ihr Leben auf die Straße. Der Boden wankte so sehr, dass wir kaum stehen konnten," sagte Francesca Schraffl, von der Welthungerhilfe in Nepal. "Die Hitze und der Staub verängstigen die Menschen zusätzlich. Als erstes versuchten die Menschen in all dem Chaos Kontakt zu ihren Familien herzustellen, um zu erfahren wie es ihnen geht."

Derzeit sei noch nicht genau abzusehen, was die aktuelle Erdbebenserie für die Hilfsmaßnahmen vor Ort bedeutet.

"Die Erfahrung zeigt, dass es jetzt darum geht schnellstmöglich in das betroffene Gebiet zu gelangen, um das Ausmaß der Katastrophe festzustellen", sagte Jürgen Mika, Mitglied des Nothilfeteams der Welthungerhilfe. "In der Region wurden bereits Hilfsgüter verteilt, das gilt es jetzt zu intensivieren."

"Überall sind die Menschen in Panik auf die Straßen gerannt. Das neue Beben dauerte gefühlt 15 Sekunden." Das Malteser International Team musste auch sein Hotel in Dhulikhel verlassen. "Wir werden hier jetzt Zelte aufschlagen und unser Büro in einem Zelt einrichten", informierte ein Malteser Mitarbeiter. "Die Regierung hat alle Bewohner aufgefordert, sich in den nächsten 72 Stunden im Freien aufzuhalten. Es besteht große Gefahr, dass viele Gebäude, die beim ersten Beben nur beschädigt wurden, jetzt komplett zusammenstürzen." Durch das neue Beben steigt auch die Gefahr von weiteren Erdrutschen und Lawinen. Malteser International wird seine Hilfsmaßnahmen auch so bald wie möglich fortsetzen.

Die Kindernothilfe weitet die Hilfsmaßnahmen vor Ort weiter aus und verteilt über ihre lokalen Partnerorganisationen Planen und dringend benötigte Lebensmittel an Familien mit Kindern. Zeitgleich bringt das Hilfswerk die medizinische Versorgung und die Einrichtung von Kinderschutzzentren in den am stärksten betroffenen Gebieten weiter voran. Die Lage im Land ist noch unübersichtlich.

Noch ist das Ausmaß der Schäden nicht abzusehen. "Die größte Herausforderung wird die Logistik sein", sagte Michael Frischmuth von der Diakonie Katastrophenhilfe. "Eventuell sind auch wieder Straßen zerstört oder unzugänglich. Schon vor dem neuen Beben waren die Zufahrtswege über Indien stark frequentiert", so Frischmuth.  Wichtig sei, dass die Hilfsmaßnahmen möglichst schnell wieder aufgenommen werden können.

"Unsere Projektpartner berichten, dass die wenigen funktionierenden Schulen geschlossen sind und die Menschen sich jetzt erst recht nicht in die noch stehenden Häuser trauen. Ihnen stehen jetzt weitere Nächte im Freien bei Kälte und Regen bevor", sagte Friederike Leidreiter, Nothilfekoordinatorin von terre des hommes.  "Auf den Straßen herrscht großes Durcheinander, überall versuchen die Menschen, ihre Angehörigen zu erreichen. Nachdem in Kathmandu gerade etwas Ruhe eingekehrt war und die ersten Geschäfte wieder öffneten, wirft dieses schwere Nachbeben Nepal wieder zurück."

Quellen: worldvision.de | malteser-international.org | welthungerhilfe.de | kindernothilfe.de | diakonie-katastrophenhilfe.de  | tdh.de


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