pro wildlifeMünchen. - In den letzten zehn Jahren haben Großwildjäger unter anderem die Trophäen von 323 Elefanten, 417 Leoparden, 195 Löwen, 24 Breitmaulnashörnern und zwei Spitzmaulnashörnern nach Deutschland importiert - genehmigt vom Bundesamt für Naturschutz (BfN). Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen hervor. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife kritisiert die Genehmigungspraxis der zuständigen Behörde: Diese habe seit 2005 nur fünf von 1.614 Einfuhranträgen (0,3 Prozent) für Jagdtrophäen abgelehnt.

Alle diese Arten sind laut Pro Wildlife international geschützt, der Handel mit ihnen ist verboten. Für Jagdtrophäen würden allerdings großzügige Ausnahmen erteilt.

Die Hobbyjagd auf Löwen und Elefanten sorgt immer wieder für negative Schlagzeilen. Die jetzt veröffentlichten Zahlen der Bundesregierung zeigen aus der Sicht von Pro Wildlife jedoch, dass die Jagd auf gefährdete und international geschützte Tierarten kein Einzelfall ist. Zahlreiche deutsche Jagdreiseanbieter haben die Jagd auf die sogenannten Big Five im Angebot.

Hinzu kommt eine große Menge anderer bedrohter Tiere, die von deutschen Jägern in Afrika und anderen Kontinenten erlegt werden – wie Eisbären, Braunbären, Wölfe, Geparden, Flusspferde und bedrohte Huftiere. "Angesichts des dramatischen Rückgangs vieler bedrohter Arten ist es absurd, dass Großwildjäger Hunderte Trophäen mit staatlicher Genehmigung nach Deutschland importieren dürfen. Das muss gestoppt werden. Diese Praxis hat nichts mit zeitgemäßem Tier- und Naturschutz zu tun", so Daniela Freyer von Pro Wildlife.

Das Bundesamt für Naturschutz gibt an, die Jagd auf gefährdete Tiere sei in "Einzelfällen" akzeptabel und die Behörde prüfe jeweils die "strikte Umsetzung gesetzlicher Vorschriften" sowie die Einhaltung zahlreicher "Mindestanforderungen". Die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage zeige jedoch, so Pro Wildlife, dass Anträge zur Einfuhr von Jagdtrophäen vom BfN in aller Regel durchgewunken würden, wenn das Jagdland ein Ausfuhrdokument erstellt und die EU kein explizites Exportverbot erlassen hat.

"Die angeblich strenge Einzelfallprüfung, ob die Jagd nachhaltig und legal war, existiert nur auf dem Papier. Damit wird die Bundesregierung ihrer Verantwortung im Artenschutz nicht gerecht", so Freyer. Zudem bestätige die Kleine Anfrage, dass die Bundesregierung seit Jahren in Afrika und Asien Projekte mit Millionenbeträgen aus der Entwicklungshilfe fördere, die auch Trophäenjagd beinhalten. Ziel seien die "nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen sowie die Schaffung neuer Entwicklungs- und Einkommensperspektiven für die lokale Bevölkerung". Jedoch werde die These von der Trophäenjagd als Instrument des Artenschutzes und der Armutsbekämpfung zunehmend widerlegt: Jagdquoten seien häufig nicht wissenschaftlich fundiert. In vielen Jagdländern mangele es an Kontrollen, es herrschten Missmanagement und Korruption. Zudem würden Einnahmen aus der Jagd nicht umverteilt und kaum Arbeitsplätze geschaffen.

"Ignoriert wird zudem, dass bei der Großwildjagd besonders grausame Jagdmethoden zum Einsatz kommen, wie die Jagd mit Pfeil und Bogen oder die Gatterjagd auf handaufgezogene Tiere. Nach deutschem Recht wären solche Methoden, ebenso wie die Jagd aus reiner Lust am Töten und Trophäengier nicht zulässig", so Freyer. Neben Spanien sei Deutschland das EU-Land, das die meisten Trophäen artgeschützter Tiere importiert.

Quelle: www.prowildlife.de 


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