syrien bericht ngosBerlin. - Die internationale Gemeinschaft muss ein neues Unterstützungsprogramm für syrische Flüchtlinge in der Region beschließen. Das fordern sieben Hilfsorganisationen in ihrem Bericht "Right To A Future", der am Montag veröffentlicht wurde. Da weder ein Ende des Konflikts noch eine baldige Rückkehr der Flüchtlinge nach Syrien abzusehen seien, verlangen die Hilfsorganisationen umfangreiche Investitionen in die syrischen Nachbarländer, die einen Großteil der rund vier Millionen Flüchtlinge aufgenommen haben.

Kernstück eines solchen "New Deal" wäre, den Flüchtlingen in den Aufnahmeländern legalen Zugang zu Arbeit zu ermöglichen und ihr Recht auf Asyl zu stärken, heißt es in dem Bericht. "Viele Flüchtlinge leben derzeit in einem rechtsfreien Raum und müssen unter dauernden Einschränkungen und in Angst vor Festnahmen, Inhaftierung und Abschiebung leiden", sagte Jan Egeland, Generalsekretär des Norwegian Refugee Council. "Die Lebensbedingungen haben sich erheblich verschlechtert. Das zwingt viele Flüchtlinge zu extremen Maßnahmen, immer mehr setzen ihr Leben während der Überfahrt nach Europa aufs Spiel. Wir müssen dafür sorgen, dass die Flüchtlinge in den Aufnahmeländern würdevoll leben können und dort für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen können. Das hätte auch positive Effekte auf die Wirtschaft der Aufnahmeländer."

"Eine gesamte Generation steht auf dem Spiel – und zwar die Generation, die Syrien wieder aufbauen soll, sobald der Konflikt endlich vorbei ist. Wenn Eltern nicht für den Lebensunterhalt aufkommen können, müssen Kinder immer häufiger arbeiten. Hunderttausenden Kindern fehlen Jahre an Schulbildung, denn auch die Schulen der Aufnahmeländer sind vollkommen überlastet und brauchen viel mehr Unterstützung", betonte Misty Buswell, Regionaldirektorin Mittlerer Osten von Save the Children.

Außerstande, für die eigene Miete oder Lebensmittel aufzukommen, sind Flüchtlinge dem Bericht zufolge dauerhaft auf finanzielle Hilfe anderer angewiesen und geraten so in einen Teufelskreis. Ohne legalen Status haben viele Flüchtlinge keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, Bildungsangeboten und anderen sozialen Grunddiensten.

"Seit mehr als vier Jahren leben syrische Flüchtlinge von der Hand in den Mund, sind von humanitärer Hilfe abhängig und wissen nie, ob sie morgen noch genug zu essen haben", sagt Robert Lindner, Nahost-Experte von Oxfam Deutschland. "Wir haben mit vielen gut ausgebildeten Tischlern, Bauern und Lehrern gesprochen, die darum kämpfen, ein Dach über dem Kopf zu haben und die Miete aufbringen zu können. Ihre berufliche Erfahrung sollte genutzt werden, damit sie ihre Familien versorgen und auch die Wirtschaft des Aufnahmelands unterstützen können. Auch Millionen Jordanier, Libanesen, Türken und Iraker, die ebenfalls zunehmend unter der Krise leiden, könnten auf diese Weise profitieren."

Angesichts des enormen Ausmaßes der Krise benötigten außerdem viele der am stärksten schutzbedürftigen Flüchtlinge Asyl außerhalb der Region, so der Bericht. Die reichen Länder sollten mindestens zehn Prozent von ihnen eine sichere Umsiedlung ermöglichen. Bisher hätten sie nur drei Prozent akzeptiert und die Wartezeit ist viel zu lang.

"Neben der Forcierung der Friedensverhandlungen muss den Menschen in den Nachbarländern eine echte Überlebensperspektive geschaffen werden. Hierfür sind nicht nur feste Unterkünfte von Nöten, sondern letztlich müssen die Flüchtlinge selbst für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen können", erklärte Ekkehard Forberg, Themenmanager Friedensförderung bei World Vision Deutschland. "Die Jugendlichen brauchen eine Berufsausbildung und danach Zugang zum Arbeitsmarkt. Durch die Kürzung der Nahrungsmittelgutscheine in den letzten Monaten sind inzwischen die Ersparnisse der Flüchtlinge weitgehend aufgebraucht. Wenn sie nicht ihr Leben während der Überfahrt nach Europa auf's Spiel setzen sollen, brauchen die Menschen nun Arbeitsmöglichkeiten vor Ort. Nur so kann ihnen ein würdevolles Leben in den Aufnahmeländern ermöglicht werden."

Zu den Herausgebern des Berichts gehören neben skandinavischen Hilfsorganisationen auch Save the Children Deutschland, Oxfam Deutschland, CARE Deutschland-Luxemburg und World Vision Deutschland.

=> Report "Right To A Future"

Quelle: www.savethechildren.de 


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