gfbvGöttingen. - 600 Tage nach der Entführung von 219 Schülerinnen durch die radikal-islamische Boko-Haram-Bewegung im Nordosten Nigerias fehlt noch immer jedes Lebenszeichen von den Verschleppten. "Die entführten Schülerinnen aus Chibok dürfen nicht vergessen werden, denn ihr Schicksal steht beispielhaft für die Leiden der Zivilbevölkerung im Nordosten Nigerias unter Bürgerkrieg und Antiterror-Kriegsführung", erklärte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Freitag in Göttingen.

Der Afrikareferent der Menschenrechtsorganisation, Ulrich Delius, forderte: "Nigerias Regierung muss ihr Schweigen zu den Chibok-Schülerinnen endlich aufgeben." Die Eltern und Geschwister der Verschleppten fühlten sich von den Behörden im Stich gelassen, weil sie nichts über ihre Töchter und Schwestern erfahren. "Es ist ein Armutszeugnis für Nigerias 200.000 Soldaten und 300.000 Paramilitärs sowie für den gesamten Sicherheitsapparat, dass sie es in 600 Tagen nicht geschafft haben, halbwegs glaubwürdige Informationen über den Verbleib der Geiseln zu beschaffen", kritisierte Delius.

"Kein Vertreter der Regional-oder Bundesregierung ist jemals zu uns nach Chibok gekommen, um zu erleben, was wir durchmachen", sagte Yakubu Nkeki, der Vorsitzende der Bewegung für die entführten Chibok-Mädchen, gegenüber der GfbV. Mindestens 176 der in Chibok Entführten gehören der protestantischen "Kirche der Brüder" (Ekklesiyar Yan’uwa a Nigeria, EYN) an.

Präsident Muhammadu Buhari hatte die Suche nach den Chibok-Mädchen im Sommer 2015 für vorrangig erklärt und der Armee ein Ultimatum bis Ende Dezember 2015 gesetzt, um die Terrorbewegung zu zerschlagen. "Doch nach einem schnellen Ende der Gewalt sieht es momentan nicht aus. Zwar musste sich Boko Haram aus vielen Regionen zurückziehen, doch mit Terroranschlägen und Angriffen verbreitet die Gruppe im Nordosten Nigerias sowie in Kamerun, Niger und Tschad noch immer Angst und Schrecken", berichtete Delius. Mehr als 360 Menschen fielen in den vier Staaten im November 2015 Terroranschlägen und Kämpfen zum Opfer. Zuletzt kamen am 27. November 2015 nahe der Stadt Kano 22 schiitische Muslime bei einem Terroranschlag auf eine Prozession zu Tode.

Delius erinnerte daran, dass Kinder und Jugendliche die Hauptlast des blutigen Bürgerkriegs in Nigeria zu tragen haben. Rund 68 Prozent aller Binnenflüchtlinge im Nordosten des Landes sind nach Informationen des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) Kinder und Jugendliche. Mehr als 800.000 Kinder und Jugendliche können in dieser Region wegen der Gewalt die Schule nicht besuchen.

Quelle: www.gfbv.de 


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