gfbv 200Göttingen. - Zwanzig Jahre nach dem Ende der französischen Atomtests im Südpazifik hat Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande am Dienstag Tahiti besucht. Er räumte dabei ein, dass es Folgen der Atomversuche gibt, ohne sich offiziell im Namen seines Landes bei den Opfern radioaktiver Verseuchung zu entschuldigen. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) begrüßte, dass Hollande das für Frankreich schwierige Thema der Atomtests ansprach, zeigte sich jedoch enttäuscht von seinen allzu vagen Ankündigungen.

"Statt den Opfern des französischen Atom-Kolonialismus klare Zusagen für eine lange überfällige Entschädigung zu machen und eine umfassende unabhängige Untersuchung der medizinischen und ökologischen Folgen der Atomtests anzukündigen, blieb der Staatspräsident in seinen Äußerungen sehr vage", erklärte der GfbV-Referent Ulrich Delius in Göttingen. Frankreich hat nach Angaben der GfbV 193 Atomtests im Zeitraum zwischen 1966 und 1996 auf den Inseln Moruroa und Fangataufa in seinem Überseeterritorium Französisch-Polynesien durchgeführt.

Maohi-Ureinwohner fordern seit Jahren eine umfassende medizinische und ökologische Untersuchung der Auswirkungen der Atomversuche. Dabei soll insbesondere auch analysiert werden, inwieweit kommende Generationen von den Folgen der Atomtests betroffen sind. "Alarmierende Zeichen des nuklearen Erbes gibt es genug", erklärte Delius. So wurden in der Nähe des früheren Atomtestzentrums jüngst auf der Insel Hao Spuren von Plutonium festgestellt. Auch fürchten viele Maohi ein Auseinanderbrechen der Testinsel Moruroa, deren Stabilität durch Dutzende Bohrlöcher gefährdet ist.

Nach Schätzungen von Opfer-Verbänden sind rund 9.000 Maohi (bei einer Gesamtbevölkerung von 260.000 Menschen) gesundheitlich von den Folgen radioaktiver Strahlung aufgrund der Atomtests betroffen. Mehr als 1.000 Opfer der Tests reichten Anträge bei den Behörden ein, um auf der Grundlage eines im Jahr  2010 verabschiedeten Gesetzes zur Entschädigung von Atomtestopfern Schadensersatz zu erhalten, doch nur 19 Personen wurden bislang offiziell als Opfer anerkannt. Hollande versprach nun, das Gesetz überarbeiten zu lassen. "Doch für viele Opfer ist es ein Wettlauf gegen die Zeit, weil sie aufgrund von Krebserkrankungen nur noch eine geringe Lebenserwartung haben", erklärte Delius.

Laut GfbV werden auf Inseln in der Nähe des Atomversuchszentrums jedes Jahr rund 500 neue Krebsfälle diagnostiziert. Die Opferverbände sind durch diese hohen Zahlen alarmiert und fordern dringend medizinische Untersuchungen, ob neben den früheren Mitarbeitern des Zentrums auch deren Familienangehörige durch genetische Veränderungen aufgrund schwach radioaktiver Strahlung gefährdet sind.

Quelle: gfbv.de


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