gfbvGöttingen. - Die mehr als 170.000 Menschen, die sich im Südsudan in Camps der Vereinten Nationen geflüchtet haben, brauchen dringend einen wirksameren Schutz. Das hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Mittwoch in Göttingen gefordert. Bei den jüngsten Kämpfen in der Hauptstadt Juba war die UN-Basis mit Artillerie beschossen worden. Zwei chinesische Blauhelmsoldaten starben.

"Die jüngsten Angriffe auf UN-Camps haben deutlich gezeigt, dass die Blauhelmsoldaten damit überfordert sind, die auf ihrem Gelände Hilfe suchenden Zivilisten zu beschützen", warnte der Afrika-Experte der Gesellschaft für bedrohte Völker, Ulrich Delius. "Die Situation ist dramatisch. Die Vereinten Nationen müssen sofort ihrem Auftrag gerecht werden und schnell handeln, damit sich ein Massaker wie in Srebrenica nicht wiederholt."

Der Menschenrechtler erinnerte an das Versagen der UNMISS-Friedenstruppe in der Stadt Malakal im Februar 2016. Damals kamen bei Auseinandersetzungen innerhalb des Lagers sowie bei einem Granaten-Angriff auf die im Camp lebenden Nuer mindestens 25 Menschen zu Tode. Hunderte wurden verletzt. Es entstand eine Massenpanik, weil Blauhelme rettende Verbindungstore zwischen verschiedenen Lagerbereichen nicht öffneten. Viele Blauhelme waren mehr damit beschäftigt sich selbst zu schützen statt die ihnen Anvertrauten, so die GfbV. Einige hätten auch auf Befehle des eigenen Verteidigungsministeriums gewartet. "Das Problem ist hausgemacht. Die Sicherheitsvorschriften hindern die Blauhelme daran, schnell einzugreifen. Das ist auch im Südsudan bekannt und ermuntert Angreifer zu ungehemmter Gewalt."

Zurzeit sei die Lage in und um die Camps brandgefährlich, warnte die GfbV. Es gebe nicht nur viel Kriminalität und Auseinandersetzungen in den Lagern selbst, sondern auch ethnisch motivierte Angriffe von außen. So wurde bei den Kämpfen in Juba am 11. Juli 2016 auch die UN-Basis mit Artillerie beschossen und eine auf dem Gelände gelegene Krankenstation schwer beschädigt. Zwei chinesische Blauhelmsoldaten wurden getötet. Soldaten der südsudanesischen Armee hätten Zivilisten gezielt daran gehindert, in die UN-Basis zu flüchten.

Während der Kämpfe haben nach UN-Informationen 13.000 Bewohner Jubas in vier verschiedenen UN-Einrichtungen Zuflucht gesucht. Auch in anderen Städten des Südsudans nahm die Zahl der Schutzsuchenden zu. Landesweit unterhält die UNMISS auf dem Gelände ihrer Basen sechs Camps für Flüchtlinge. Ende Juni hatten dort 169.000 Zivilisten Schutz gesucht.

Viele dieser Flüchtlinge gehören ethnischen Minderheiten an. Sie sind laut GfbV besonders gefährdet und werden oft Opfer von ethnisch motivierten Übergriffen. So flohen seit Samstag vergangener Woche selbst führende Armeeoffiziere und Politiker, die der in Juba geringer vertretenen Volksgruppe der Nuer angehören, in die dortige UN-Basis.

Quelle: www.gfbv.de 


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