oneLissabon. - In ihrem neuen Bericht "Stellt die Verbindung her: Wege aus der Armut durch Internetanschluss für Mädchen und Frauen bis 2020" hat die entwicklungspolitische Organisation ONE am Dienstag davor gewarnt, dass eine ganze Generation Mädchen und Frauen von der globalen digitalen Wirtschaft ausgeschlossen wird. Damit verpassten sie die Chance, sich und ihre Gemeinschaften mit Hilfe des Internets aus der Armut zu befreien.

Mehr als die Hälfte aller Menschen, 53 Prozent oder 3,5 Milliarden Menschen, hat keinen Zugang zum Internet. Dies verdeutlicht folgender Vergleich: Alleine der Streamingdienst Netflix nutzt an einem Tag so viel Datenvolumen wir der gesamte afrikanische Kontinent in fast einer Woche.

Dank einer guten digitalen Infrastruktur spielt das Internet bereits in vielen Teilen der Welt eine große Rolle. In Ländern ohne diese bleiben viele Menschen außen vor, Online-Bildungsangebote, Gesundheitsinformationen und Jobchancen bleiben ihnen verwehrt. Dieses Problem ist durch kulturelle, soziale und wirtschaftliche Hürden für Mädchen und Frauen in den ärmsten Ländern der Welt sogar noch bedeutend größer. Dort ist die Wahrscheinlichkeit für Mädchen oder Frauen, Zugang zum Internet bekommen, ein Drittel geringer als für Männer und Jungen. Die Analyse von ONE zeigt, dass im Jahr 2020 71 Prozent der Mädchen und Frauen in Afrika noch immer keinen Internetzugang haben werden.

Universeller Internetzugang ist ein ambitioniertes Ziel. "Stellt die Verbindung her!" zeigt, dass es mit einer guten Strategie und durch gemeinsame Anstrengungen von Regierungen, Telekommunikationsfirmen und Banken erreicht werden kann.

"Stellt die Verbindung her!“ wurde während des Web Summits in Lissabon vorgestellt, wo mehr als 40.000 Tech CEOs, Gründer, Start-Ups, Investoren und Politiker zusammenkommen, um „Antworten auf die Fragen zu finden, welche die Tech Revolution aufwirft, die wir gerade durchleben“.

ONE ruft die Teilnehmer und die Akteure der Entwicklungszusammenarbeit auf, einen sofortigen Aktionsplan umzusetzen, um 350 Millionen Frauen und Mädchen in den am wenigsten entwickelten Ländern bis zum Jahr 2020 Zugang zum Internet zu verschaffen. Dabei muss der Fokus auf vier Bereichen liegen:

1.    Es ist eine regelrechte „Digital Skills Revolution“ nötig, um sicherzustellen, dass Mädchen und Frauen ausreichend Kenntnisse haben, um das Internet effizient zu nutzen.

2.    Es müssen Barrieren abgebaut werden, welche Mädchen und Frauen von der Internetnutzung abhalten. Dazu müssen relevante Inhalte bereitgestellt und kulturelle Hürden entfernt werden.

3.    Es sind Investitionen in die Erhebung von Offenen Daten nötig, um festzustellen, wer Zugang hat und wer nicht und um Rechenschaftspflicht herzustellen.

4.    Es muss eine Infrastruktur für die digitale Zukunft aufgebaut werden, die sicherstellt, dass auch die Menschen Zugang zum Internet bekommen, die am stärksten ausgegrenzt sind.

Die Exekutivdirektorin für Global Policy von ONE, Eloise Todd, sagte: "Es ist erwiesen, dass das Gemeinwesen davon profitiert, wenn Mädchen und Frauen gestärkt werden. Diejenigen, die Zugang zu Netzwerken haben, kommunizieren Ideen und Informationen. Sie bauen Geschäfte auf und nutzen Finanz- und staatliche Dienstleistungen, die ihnen und ihren Familien helfen, gesündere, sicherere und prosperierende Leben zu führen. Davon profitieren alle."

"Armut ist Ausgrenzung – aus der Gesellschaft, von Wissen, von ökonomischen Perspektiven. Das Internet kann dies ändern und Mädchen und Frauen dabei helfen, ihre Rechte auf Bildung, Arbeit und Würde einzufordern."

"Die Staats- und Regierungschefs und die Geberregierungen sowie Telekommunikationsunternehmen und Banken müssen sich zusammentun und in die Grundlagen der Internetanbindung investieren. Es sollte zum Beispiel keine neue Straße in einem Entwicklungsland gebaut werden, ohne gleichzeitig Breitbandkabel zu verlegen."

Der neue Bericht folgt der "Connectivity Declaration" aus dem Jahr 2015, die von Facebook-CEO Mark Zuckerberg, Bill und Melinda Gates, Bono, Juliana Rotich, Jimmy Wales und vielen anderen aus dem Technologie- und Entwicklungssektor unterzeichnet wurde und den öffentlichen und Privatsektor aufruft zusammenzuarbeiten, um den universellen Internetzugang bis zum Jahr 2020 sicherzustellen, wie es in den Globalen Zielen der UNO festgelegt wurde.

Quelle: one.org


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