KamerunJaunde/Bonn (epo). - Kamerunische Bauern und Verbraucher haben Tausende von Hühnern freigelassen und damit gegen die Wiederzulassung von Geflügelfleischimporten aus der EU protestiert. Wie der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) in Bonn mitteilte, werden sie von Vertretern der Bauernorganisationen anderer afrikanischer Länder unterstützt. Auch europäische Bauernorganisationen erklärten sich solidarisch.

Die Partnerorganisation ACDIC des EED in Kamerun hatte durch einen breiten Verbraucherboykott und politischen Druck erreicht, dass die Regierung den Forderungen der Bauern und Verbraucher nachkam und den Import von billigen tiefgekühlten Hähnchenteilen aus Europa einstellte. Hierdurch hätten die kamerunischen Bauern die Chance, ihre eigenen Hähnchen auf dem Binnenmarkt abzusetzen, so der EED. Die Verbraucher erhalten nun wieder Frischware. Dies sei auch aus gesundheitlichen Gründen wichtig, da die Tiefkühlkost aus Europa zu Salmonellenerkrankungen geführt hatte. "Das passiert zwangsläufig in armen Ländern, die keine geschlossene Kühlkette nachweisen können", so Rudolf Buntzel, Beauftragter für Welternährungsfragen beim EED.

Bernard Njonga, der Leiter von ACDIC und langjähriger Partner des EED, stellte sich hinter die Aussagen eines Plakats zur Hähnchenkampagne: "Importieren was wir selber produzieren? Was für ein Verbrechen an unserer einheimischen Wirtschaft!" Jose Bove, der französiche Bauernführer und weltbekannte Globalisierungskritiker, forderte auf einer Kundgebung in Jaunde, die kamerunische Regierung müsse ihre eigene Landwirtschaft unterstützen, "denn ohne Kleinbauern kann das Land nicht existieren."

Francisco Mari, Berater des EED für den Agrarhandel der EU mit Westafrika, verurteilte die Importgenehmigungen. "Es handelt sich um den Export von billigen Hähnchenteilen, die in Europa niemand essen will. Sie können dort zu jedem Preis angeboten werden, denn hier müssten sie sonst entsorgt werden". Ihm zufolge hat ACDIC es geschafft, dass die Importe gefrorener Hähnchenteile, die Tausende von afrikanischen Bäuerinnen und Bauern in den Ruin getrieben haben, seit 2003 von 22.000 Tonnen auf 5000 Tonnen zurückgingen. Nur deswegen konnte sich die einheimische Geflügelwirtschaft wieder erholen. "Innerhalb weniger Monate hat die Produktion von Geflügel um 60% zugenommen, 40% der verlorenen Arbeitsplätze in Landwirtschaft, Handel und Vertrieb sind neu entstanden", so Mari.

Der EED würdige "den Mut der Menschen, die diese Proteste tragen", erklärte die Organisation in Bonn. "Aus Angst vor staatlichen Repressalien verhielt sich die Bevölkerung stets ruhig. Die Hähnchenfrage hat es erfolgreich geschafft, die Zivilgesellschaft wach zu rütteln", so Elke Ahrens, Kamerun-Referentin des EED. Gemeinsam mit dem europäischen Dachverband protestantischer Hilfswerke (APRODEV) fordert der EED die EU-Kommission auf, dafür Sorge zu tragen, "dass das ruinöse Dumping von Fleischresten nach Afrika gestoppt wird".

? Evangelischer Entwicklungsdienst (EED)


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