jemen Aden. - Von 28 Millionen Einwohnern im Jemen sind derzeit rund 17 Millionen auf Ernährungshilfe angewiesen. Davon sind 3,3 Millionen akut von Hunger bedroht. Rund 1.900 Menschen sind im Verlauf einer Cholera-Epidemie gestorben. Die Direktoren des World Food Programme (WFP), des UN Kinderhilfswerks (UNICEF) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) machen sich derzeit vor Ort ein Bild von der humanitären Krise. In einer gemeinsamen Erklärung berichteten sie am Mittwoch von der "schlimmsten Cholera-Epidemie der Welt inmitten der größten humanitären Krise der Welt".

Der Exekutivdirektor des UN World Food Programme, David Beasley, bereist den Jemen in Begleitung von UNICEF-Exekutivdirektor Anthony Lake und WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die drei UN-Vertreter erklärten, Seit April 2017 gebe es 400.000 Fälle mit Verdacht auf Cholera. Etwa 1.900 Menschen seien vermutlich schon wegen dieser Krankheit verstorben. Das gesamte Gesundheitssystem, die Wasserversorgung und die Sanitäranlagen seien in den mehr als zwei Jahren des Krieges lahmgelegt und bildeten den idealen Nährboden für die weitere Verbreitung von Cholera.

"Jemen steht am Rande einer Hungerkatastrophe", heißt es in der gemeinsamen Erklärung. "Bereits heute wissen 60 Prozent der Bevölkerung nicht, woher ihre nächste Mahlzeit kommen soll. Etwa 2 Millionen Kinder sind akut unterernährt. Dadurch sind sie besonders anfällig für Cholera. Die Krankheit wiederum beschleunigt Unterernährung. Ein grausames Dilemma. In einem Krankenhaus haben wir Kinder besucht, die mit letzter Kraft nach Luft ringen. Wir haben mit den Eltern gesprochen, die so sehr darunter leiden, dass ihre Kinder krank sind und sie die Familie nicht versorgen können."

Wichtige Infrastruktur des Landes, darunter medizinische Einrichtungen, Wasserversorgungs- und Sanitäranlagen, seien beschädigt und zum Teil zerstört, so die UN-Vertreter. Inmitten der chaotischen Zustände seien rund 16.000 Freiwillige im Einsatz, die von Haus zu Haus ziehen, um Familien über Schutzmaßnahmen vor Durchfall und Cholera zu informieren. Ärzte, Krankenschwestern und Helfer arbeiteten rund um die Uhr, um Leben zu retten. Mehr als 30.000 medizinische Angestellte hätten seit über zehn Monaten kein Gehalt bekommen, doch viele erschienen weiterhin zur Arbeit. "Wir befürchten, dass ohne ihre Hilfe Menschen sterben müssen, die sonst die Chance hätten, zu überleben. Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um diese hoch engagierten Menschen nicht nur finanziell zu unterstützen."

Es gebe aber auch Hoffnung, erklärten WFP, UNICEF und WHO. Inzwischen seien mehr als 1.000 Zentren für Cholera-Erkrankte aufgebaut worden. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln werde stetig erweitert. Über 99 Prozent der Menschen, die mutmaßlich an Cholera erkrankt sind und Zugang zu medizinischer Versorgung haben, überlebten. Und die Zahl der Kinder, die von akuter Mangelernährung betroffen sind, werde in diesem Jahr rückläufig sein.

"Dennoch bleibt die Situation katastrophal", stellten die UN-Vertreter fest. "Tausende Menschen erkranken jeden Tag neu. Es bedarf nachhaltige Hilfe, um die Ausbreitung der Cholera zu stoppen. Fast 80 Prozent der jemenitischen Kinder brauchen dringend humanitäre Hilfe. Bei unseren Treffen mit Regierungsvertretern in Aden und Sanaa riefen wir dazu auf, humanitären Helfern Zugang zu den Gebieten zu geben, die von Kämpfen betroffen sind. Über allem steht eine rasche friedliche und politische Lösung des Konflikts."

Die Jemen-Krise erfordere eine beispiellose Reaktion, mahnten WFP, UNICEF und WHO. Die drei UN-Organisationen hätten sich mit der jemenitischen Regierung und anderen Partnern zusammengeschlossen, um die Hilfe neu zu koordinieren, um Leben zu retten und auf künftige Krisen vorbereitet zu sein.

"Wir rufen die internationale Gemeinschaft dazu auf, ihre Unterstützung für die Menschen im Jemen zu verdoppeln", heißt es in der gemeinsamen Erklärung. "Wenn uns das nicht gelingt, wird die Katastrophe, die vor unseren Augen ausbrach, weiterhin unzählige Menschenleben fordern und künftige Generationen sowie die Zukunft des Landes gefährden."

Quelle: www.wfp.org 


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