gfbv 200Göttingen. - Nach dem Fund eines Massengrabes mit den Leichen ermordeter christlicher Kopten in Libyen hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Montag gefordert, die für die Bluttat verantwortlichen IS-Terroristen strafrechtlich zur Rechenschaft zu ziehen. "Die Ermordung der koptischen Arbeiter vor laufenden Filmkameras für Propaganda-Zwecke war eine besonders scheußliche Bluttat und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die nun namentlich bekannten Täter dürfen nicht straflos bleiben", erklärte der GfbV-Direktor Ulrich Delius in Göttingen.

Das Massengrab mit 21 Leichen war am letzten Freitag südlich der Hafenstadt Sirte in Libyen gefunden worden, nachdem ein verhafteter Unterstützer des IS den Fundort preisgegeben hatte. Der Informant verriet auch mehrere Namen von IS-Terroristen, die an der Ermordung der Geiseln beteiligt gewesen sein sollen oder die grausige Szene filmten.

Die verschleppten Christen - unter ihnen 20 ägyptische Kopten und ein Ghanaer - waren im Februar 2015 an einem Strand in der Nähe von Sirte vor laufenden Filmkameras geköpft worden. Alle Geiseln trugen orangefarbene Schutzanzüge und ihre Hände waren auf ihrem Rücken gefesselt. Nach Aussagen des IS-Unterstützers leistete nur einer der Verschleppten bei der Ermordung Widerstand.  Der nun geständige IS-Sympathisant hatte die Leichen vom Strand in die Wüste transportiert, um sie dort in dem Massengrab zu verscharren, berichtete die GfbV.

Dreizehn der 20 ermordeten ägyptischen Christen stammten aus dem Dorf Al-Our in der Provinz Minya in Mittelägypten. Die Bauarbeiter waren im Dezember 2014 und Januar 2015 von Baustellen in Libyen entführt worden. Ihre kaltblütige Köpfung erregte weltweit Aufsehen und Abscheu. In Ägypten war die Betroffenheit besonders groß. Die ägyptische Regierung ordnete nach Bekanntwerden der Bluttat die gezielte Bombardierung von IS-Stützpunkten im Nachbarland Libyen durch ägyptische Kampfflugzeuge an.

Der IS missbrauchte den Massenmord für Propagandazwecke und verbreitete noch im gleichen Monat über soziale Medien ein Video von der Bluttat. Auch kündigte die Terrororganisation weitere Angriffe auf Christen in Ägypten an, so GfbV.

Nach ihrer Exhumierung wurden die Leichen am letzten Freitag zur weiteren Identifizierung der Identität in die Gerichtsmedizin in der Stadt Misrata gebracht. Von dort sollen sie in Kürze nach Ägypten überführt und den Familienangehörigen übergeben werden.

Quelle: gfbv.de


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