misereorBerlin. - Anlässlich der Agrarministerkonferenz am 20. Januar in Berlin und dem gleichzeitigen Auftakt der Internationalen Grünen Woche hat MISEREOR eine mit den UN-Entwicklungszielen kohärente EU-Handels- und Agrarpolitik gefordert. "Bei einer fairen Handelspolitik  müssen die Folgen für Menschen und Umwelt im Mittelpunkt stehen, denn der Handel mit Agrarprodukten hat direkte, oft sehr schwerwiegende Auswirkungen auf die Bäuerinnen und Bauern in Entwicklungsländern", sagte MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel. 

Statt der zu einseitigen Ausrichtung auf Export und Wachstum müsse die Stärkung von nachhaltigen Ernährungssystemen im Vordergrund stehen. "EU-Exporte von Milchpulver nach Nigeria und Burkina Faso, Schweinefleisch in die Elfenbeinküste, Hühnerfleisch nach Kamerun sowie Tomatenpaste nach Ghana zu Preisen unterhalb der Erzeugungskosten üben enormen Druck auf die Preise aus und beeinträchtigen dadurch  Einkommensgrundlagen und das Recht auf Nahrung von Bauern und Bäuerinnen in Entwicklungsländern", erklärte Pirmin Spiegel. "All diese Produkte können vor Ort, also lokal produziert werden und Einkommen für Produzenten und Produzentinnen und in der Weiterverarbeitung generieren. Viele Produzenten und Händler in Ländern Afrikas stehen vor dem Aus ihrer vor allem kleinen und kleinsten Unternehmen. Die Bundesregierung sollte sich, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel im Wahlkampf angekündigt hat, auch für eine Überprüfung der geplanten Wirtschaftspartnerschafts-Abkommen mit den Ländern Afrikas einsetzen. Diese brauchen langfristig Spielräume, um ihre Landwirtschaft vor Billigimporten zu schützen."

Aber auch die massiven Importe nach Deutschland und in die EU von Sojabohnen und Sojaschrot, u.a. für die Tierhaltung, führten zu weitreichenden Menschenrechtsverletzungen und zerstörten die Lebensgrundlagen vieler Menschen, so MISEREOR. Der ressourcenintensive  Anbau von Soja beanspruche in Südamerika rund 57 Millionen Hektar und führe zu Entwaldung und Landkonflikten. Das gentechnisch veränderte Saatgut sei in der Regel an den Einsatz von Pestiziden gekoppelt. Das habe fatale Folgen für Menschen und Natur in den betroffenen Ländern, vor allem in Argentinien, Brasilien, Paraguay und  Uruguay, wie zahlreiche Studien belegten.

In den Ergebnissen der Sondierungsgespräche bekennen sich Union und SPD zu einer "fairen Handelspolitik, die allen zugutekommt und auf Wachstum, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit zielt" und zu einer Weiterentwicklung der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP). "Eine faire Handelspolitik bedeutet aber: Faire Chancen für eine lokale Produktion in Entwicklungsländern. Wenn es uns wirklich um die Ursachen der Armutsbekämpfung geht, dürfen wir mit unserer Agrarpolitik die globale Ungleichheit nicht noch verschärfen, die zu wachsenden Spannungen und weiteren Migrationsbewegungen weltweit führen. Dies sollte dann auch im Koalitionspapier dargelegt werden und nicht eine allgemeine Absichtserklärung bleiben", sagte Spiegel.

MISEREOR ist auf der Grünen Woche vom 19.1.- 28.1. in der Halle 5.2 mit Gesprächspartnern und Aktionen vertreten. MISEREOR wird u.a. die "Micro Meals" präsentieren, Mini-Mahlzeiten von 380 Kalorien. Soviel steht einem hungernden Kind im globalen Süden durchschnittlich pro Tag zur Verfügung.

Quelle: www.misereor.de 


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