Berlin. - Internationale Hilfsorganisationen, darunter CARE, Aktion gegen den Hunger, International Rescue Committee, Norwegian Refugee Council und Save the Children, haben am Montag einen neuen Bericht zur Situation in Syrien veröffentlicht. Darin warnen sie davor, dass Hunderttausende Flüchtlinge trotz anhaltender Gewalt und Bombardierungen in diesem Jahr zu einer Rückkehr nach Syrien gezwungen werden könnten. 

Die Studie "Dangerous Grounds" diene als Weckruf zu einem Zeitpunkt, an dem sich die öffentliche Rhetorik zunehmend gegen Flüchtlinge wendet, das Überleben in Syriens Nachbarländern schwieriger wird und viele Stimmen suggerieren, dass der Krieg in Syrien vorbei sei und eine Rückkehr damit sicher, so die Organisationen. Grundlage der Studie sind neue Erhebungen aus Syrien und Interviews mit Betroffenen.

"Regierungen in Europa, den USA und in der Region um Syrien schließen ihre Landesgrenzen und sprechen offen über Rückführungsmaßnahmen bis hin zu erzwungenen Rückführungen. Gleichzeitig zeigen die heftigen Kämpfe in den Regionen Idlib und Ost-Ghouta, dass der Krieg noch lange nicht vorbei ist", so die Organisationen. 

Der Bericht hat erhoben, dass die Zahl der Rückkehrer in den letzten beiden Jahren von 560.000 auf 721.000 anstieg. Die meisten von ihnen waren Binnenvertriebene, die sich in ihre Heimatregionen zurückgewagt haben. Jedoch verloren im selben Zeitraum dreimal so viele Menschen ihre Heimat durch Kämpfe und Vertreibungen. Allein in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 flohen rund 2,4 Millionen Syrer von zu Hause. Laut den Vereinten Nationen könnten 2018 weitere 1,5 Millionen Syrer wegen anhaltender Gewalt vertrieben werden. 

Die Hilfsorganisationen klagen das mangelnde Engagement von Drittstaaten bei der Aufnahme von Syrern an: Bis zum heutigen Tag seien lediglich drei Prozent der syrischen Flüchtlinge in wohlhabendere Länder umgesiedelt worden. Viele Staaten seien ihren Verpflichtungen, zu denen sie sich auf Syrien-Konferenzen in London und Brüssel bekannten, nicht nachgekommen. 

Im Jahr 2017 halbierte der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen die Zahl der Anträge auf Umsiedlung syrischer Flüchtlinge. Seit die US-Regierung die Aufnahme von Flüchtlingen aus Syrien gestoppt hat, können die vereinbarten Quoten nicht mehr eingehalten werden. Zeitgleich haben andere Staaten ihre Aufnahmekontingente nicht erhöht. Politiker in Europa, besonders in Dänemark und Deutschland, diskutieren mittlerweile die Rückführung von Flüchtlingen nach Syrien.

Die Hilfsorganisationen weisen schließlich darauf hin, dass eine Rückkehr – gesetzt dem Fall, es herrscht Frieden – nur mit massiver Unterstützung beim Wiederaufbau zu rechtfertigen sei. Die Hälfte der interviewten Menschen aus dem Süden Syriens berichteten, dass ihre Häuser vollständig zerstört seien. Im Nordwesten Syriens gab nur jeder fünfte Interviewte an, noch eine Unterkunft zu haben. Die Hälfte der Krankenhäuser ist zerstört, jede dritte Schule ist stark beschädigt oder wird für andere Zwecke genutzt. 

Der Bericht "Dangerous Grounds" basiert auf bereits existierenden Forschungsergebnissen sowie Beobachtungen und Untersuchungen der Organisationen, die mit syrischen Flüchtlingen arbeiten und der "Durable Solutions Platform" – einer Forschungsinitiative von Hilfsorganisationen, die an langfristigen Lösungen für syrische Flüchtlinge arbeitet.

=> Studie "Dangerous Grounds"

Quelle: www.care.de 


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