cbmBensheim. - Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März macht die Christoffel-Blindenmission (CBM) auf das Potenzial von Frauen mit Behinderungen in Entwicklungsländern aufmerksam. Ein Beispiel ist Rajani Gopalkrishna aus Indien. Sie ist die erste sehbehinderte Wirtschaftsprüferin Indiens und hilft heute anderen Frauen mit Behinderungen, die oft kaum Aussicht auf angemessene Bildung, auf Arbeit und ein geregeltes Einkommen haben.

Rajani Gopalkrishna gehört zu den weiblichen Pionierinnen in ihrem Land. Dafür erhielt sie jetzt vom indischen Präsidenten den renommierten "First Ladies Award". Ein Preis, der all diejenigen auszeichnet, die als erste Frau einen Meilenstein für die Gesellschaft gelegt haben: als Astronautin, Taxifahrerin oder wie Rajani als erste sehbehinderte Wirtschaftsprüferin. Die Christoffel-Blindenmission hatte schon vor Jahren ihr Potenzial erkannt und ihr Karrierechancen geboten.

Seit 2012 arbeitet Rajani als Finanzmanagerin im indischen CBM-Regionalbüro in Bangalore. Für die heute 47-Jährige ist das keine Selbstverständlichkeit. Rajani war neun Jahre alt, als sie durch eine falsche Medikation am lebensbedrohenden Stevens-Johnson-Syndrom, einer Intoleranz-Reaktion, erkrankte. Das Mädchen verlor nicht nur nach und nach ihr Augenlicht, sondern auch all ihre Freunde in der Schule: "Sie mieden mich, weil sie fürchteten, die Krankheit könnte auf sie übergreifen", erinnert sich Rajani.

Ein Mädchen, und dann noch mit Sehbehinderung – damit war sie in einem Land extremer Gegensätze und Ungleichheiten doppelt diskriminiert. "Hinzu kommt, dass Frauen mit Behinderungen in Indien besonders häufig sexuellen Übergriffen ausgesetzt sind", so Rajani. Die Eltern drangen darauf, ihre Tochter zu verheiraten, um sie zu schützen. Doch die junge Frau wollte ihr Leben nicht der Gnade anderer überlassen.

Mit viel Ausdauer und Willenskraft absolvierte sie trotz fortschreitender Erblindung ihr Wirtschaftsstudium. Das Lesen fiel Rajani von Jahr zu Jahr schwerer. Immer öfter musste sie Pausen einlegen, die Augen schließen, um so Unmengen von Stoff in ihrem Kopf abzuspeichern. Mit dieser Technik und mit einer speziellen Computersoftware gelang es der jungen Frau später auch nach vollständigem Verlust des Augenlichts, den Abschluss als Wirtschaftsprüferin zu meistern.

Immer noch aber haben unzählige ihrer Schicksalsgenossinnen vor allem in Entwicklungsländern kaum Aussichten auf eine angemessene Bildung, geschweige denn auf Arbeit und ein geregeltes Einkommen. Um das zu ändern, setzt sich die CBM dafür ein, mehr blinde und anders behinderte Frauen beruflich zu qualifizieren – durch Bildungsangebote, Schulungen oder Kleinkredite für den Aufbau eines eigenen Geschäfts. Das gibt ihnen die Chance, Teil der Gesellschaft zu werden und ihren eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten, so wie Rajani. Die Finanzmanagerin ist stolz darauf, heute über ihre Arbeit bei der CBM anderen benachteiligten Frauen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. So wie sie es sich selbst trotz aller Hindernisse aufgebaut hat.

Quelle: www.cbm.de 


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