gfbvGöttingen. - Nach dem gewaltsamen Tod von 14 Inhaftierten in einem Militärlager in Mali hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) eine unabhängige internationale Untersuchung des Vorfalls gefordert. Das Hochkommissariat für Menschenrechte der Vereinten Nationen müsse feststellen, ob die 14 Personen, die dem Peulh-Volk angehörten, tatsächlich am vergangenen Freitag auf der Flucht erschossen wurden oder Opfer einer Hinrichtung durch Soldaten wurden.

"Sollten sich die Massaker-Vorwürfe bestätigen, so müsste dies auch Folgen für die EU-Ausbildungsmission EUTM in Mali haben, erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius am Montag in Göttingen. "Dann muss den Menschenrechten bei der Ausbildung der Armee von Mali unbedingt mehr Vorrang eingeräumt werden." An der seit fünf Jahren bestehenden EUTM-Mission ist die Bundeswehr maßgeblich beteiligt.

Die 14 Peulh waren laut GfbV am Donnerstag vergangener Woche unter dem Verdacht festgenommen worden, bewaffnete islamistische Aufständische zu unterstützen. Sie wurden in ein Militärcamp in dem Ort Dioura im Zentrum Malis überstellt. Nach Angaben der malischen Armee seien sie am Tag darauf bei einem Fluchtversuch erschossen worden. Peulh-Organisationen und Angehörige der Getöteten äußerten jedoch Zweifel an dieser offiziellen Version und bekräftigten die Unschuld der inhaftierten Zivilisten, die willkürlich festgenommen worden seien.

Malis Armee stand bereits mehrfach im Verdacht, Massaker an der Peulh-Zivilbevölkerung begangen zu haben. So wurden nach Angaben der GfbV zuletzt am 25. März 2018 sechs Leichen von Zivilisten in einem Massengrab bei dem Dorf Dogo in der Region Mopti gefunden. Augenzeugen berichteten, die sechs Getöteten seien drei Tage zuvor von malischen Soldasten verhaftet worden.

"Die exzessive Gewalt der Armee gegen die Zivilbevölkerung trägt mit dazu bei, dass die Unzufriedenheit und Unruhe unter den Peulhs immer mehr zunimmt", warnte Delius. Peulhs werfen den Sicherheitskräften vor, pauschal als Unterstützer der salafistischen Aufständischen der "Front de Liberation du Macina" kriminalisiert zu werden. Die 2015 gegründete Rebellenbewegung beklagt die Vernachlässigung der vor allem in der Macina-Region lebenden Peulhs bei Wirtschaft und Entwicklung. In Mali leben rund 2,7 Millionen Peulhs. Viele sind Nomaden oder Halbnomaden.

Quelle: www.gfbv.de 


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