aerzte ohne grenzenBerlin. -  Im Konflikt der nigerianischen Armee mit radikalen bewaffneten Gruppen im Nordosten Nigerias verschärft sich die Lage für die etwa 1,7 Millionen Vertriebenen. Von November bis Mai sind nach Angaben des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Hilfe UNOCHA mehr als 130.000 Menschen vertrieben worden, viele zum zweiten oder dritten Mal. Allein im Mai kamen mehr als 21.000 Vertriebene in verschiedenen Orten an. Darauf hat am Freitag die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen aufmerksam gemacht.

Die Armee kontrolliere zwar alle größeren Städte im Bundesstaat Borno, aber nicht das Umland, berichtete Ärzte ohne Grenzen. Viele Städte, wie Pulka, Bama, Dikwa oder Rann seien abgeschnitten, die Vertriebenen lebten oft unter erbärmlichen Bedingungen und dürften die Städte nicht verlassen, etwa um Landwirtschaft zu betreiben.

"Die humanitäre Situation im Nordosten Nigerias schafft es nicht mehr in die Schlagzeilen wie noch vor wenigen Jahren, aber sie verschlechtert sich", sagte Luis Eguiluz, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Nigeria. "Der seit langem andauernde Konflikt zwischen bewaffneten Gruppen und dem Militär vertreibt immer mehr Menschen aus ihren Dörfern, die in isolierte Städte fliehen, in denen die Armee stationiert ist. Doch dort gibt es kaum Kapazitäten, um die Neuankömmlinge aufzunehmen. Die Einschränkungen auf Grund der Sicherheitslage sind in diesen Enklaven weiterhin sehr strikt. Deshalb können humanitäre Organisationen nur begrenzt Hilfe leisten. Die nur eingeschränkt mögliche Hilfe verschärft die Situation für die steigende Zahl an Bedürftigen."

In der Stadt Pulka nahe der Grenze zu Kamerun etwa hausen tausende Menschen unter schwierigen Bedingungen in Zelten. Obwohl viele von ihnen schon im vergangenen Jahr dort ankamen, warten sie weiterhin vergeblich auf eine bessere Unterkunft. Die Menschen stehen oft einen ganzen Tag an, um einen Kanister mit Wasser auffüllen zu können. "Es fühlt sich an, als befänden wir uns in den ersten Stunden eines Nothilfeeinsatzes, aber tatsächlich dauert die Notlage schon seit Jahren an", so Eguiluz.

Ärzte ohne Grenzen leistet an zehn Orten im Bundesstaat Borno sowie in Damaturu, der Hauptstadt des Bundesstaats Yobe, medizinische und humanitäre Hilfe. In stationären Gesundheitseinrichtungen oder durch mobile Kliniken sorgen die Teams für eine medizinische Basisversorgung und behandeln Patienten in zahlreichen spezialisierten Programmen wie pädiatrischen Einrichtungen, Ernährungszentren für mangelernährte Kinder und Behandlungszentren für Patienten diverser Krankheitsausbrüche.

Quelle: www.aerzte-ohne-grenzen.de 


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