rog logo neuBerlin. - Reporter ohne Grenzen (ROG) hat die gravierenden Einschränkungen der Pressefreiheit im Vorfeld der am Mittwoch stattfindenden Parlamentswahlen in Pakistan verurteilt. In den vergangenen Monaten seien unabhängige Medien wiederholt zensiert und kritische Journalisten bedroht, tätlich angegriffen und entführt worden. Mit diesen Schikanen hätten insbesondere das mächtige Militär und die Geheimdienste versucht, Medienschaffende einzuschüchtern und eine unabhängige Berichterstattung vor den Wahlen zu verhindern.

"Für eine demokratische Auseinandersetzung vor den Wahlen müssen Journalisten die Öffentlichkeit frei und ohne Angst informieren können. Stattdessen erleben wir in Pakistan seit einigen Monaten einen alarmierenden Anstieg von Gewalt gegen Journalisten", sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. "Es wird höchste Zeit, dass die pakistanischen Behörden Journalisten besser schützen und Medien uneingeschränkt arbeiten lassen, damit sie über wichtige politische Ereignisse berichten können." 

Bereits vor einem Monat hat Reporter ohne Grenzen zusammen mit der pakistanischen Partnerorganisation Freedom Network in einem Brief an den Übergangs-Regierungschef Nasir-ul-Mulk betont, dass Zensur und Einschüchterung der Medien mit Demokratie unvereinbar sind. Die Organisationen erinnerten Mulk daran, dass er öffentlich erklärt habe, freie und faire Wahlen zu gewährleisten, für die eine freie und unabhängige Presse unabdingbar sind. 

Wiederholt kam es in den vergangenen Wochen zu Entführungen, so ROG. Seit Mitte Juli werde der Journalist Zaibdar Marri in der südwestpakistanischen Provinz Belutschistan vermisst. Laut Zeugenaussagen entführten Unbekannte den Korrespondenten des Senders TV Express News, während er über den Wahlkampf eines Lokalpolitikers berichtete, dessen Kandidatur nicht vom Militär unterstützt wird. Das Militär wird beschuldigt, die Wahlen zugunsten der Partei PTI des ehemaligen Cricketspielers Imran Khan zu manipulieren. 
Im Juni entführten Unbekannte in der Stadt Lahore die Journalistin Gul Bukhari und hielten sie einige Stunden fest. Bukhari hatte auf sozialen Medien das Militär kritisiert. Nur einen Tag zuvor hatte der Sprecher des Militärs auf einer Pressekonferenz eine Reihe von Journalisten mitsamt Fotos beschuldigt, online "staats- und militärfeindliche Propaganda" zu verbreiten. 

Im gleichen Monat wurde in der Wohnung der ebenfalls militärkritischen Journalistin Marvi Sirmed in der Hauptstadt Islamabad eingebrochen. Ihr Laptop und weitere elektronische Geräte sowie ihr Reisepass wurden gestohlen.

Im Vorfeld der Wahlen habe die Gewalt gegen Medienschaffende zugenommen, berichtete ROG. Mitte Juli sei der norwegische Journalist Kadafi Zaman in der Stadt Gujrat von Polizisten geschlagen und festgenommen worden. Zaman, der für den norwegischen Fernsehsender TV 2 arbeitet, hatte über Demonstrationen für die Partei PML-N des ehemaligen Premierministers Nawaz Sharif berichtet und den Polizisten seinen Presseausweis gezeigt. Er wurde einige Tage nach seiner Festnahme gegen Kaution freigelassen. 
Anfang Juni schlugen maskierte Männer in der Stadt Lahore auf den Investigativjournalisten Asad Kharal ein. Der Nachrichtensprecher des Fernsehsenders BOL News musste im Krankenhaus behandelt werden. 

Vor den Wahlen habe auch die Zensur unabhängiger Medien zugenommen, kritisierte ROG. So hätten die Behörden die Berichterstattung über die Verhaftung des ehemaligen Premierministers Nawaz Sharif am 13. Juli bei seiner Ankunft am Flughafen in Lahore untersagt. Sharif war eine Woche zuvor in Abwesenheit wegen Korruption zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Viele Medien hielten sich an das Verbot. Wie die Zeitung Dawn berichtete, hatte der pakistanische Fernsehsender PTV Mitarbeiter vor Sharifs Ankunft angewiesen, keine "verurteilten Personen" im Programm zu zeigen. Zwischenzeitlich sei der Zugang zum Internet in Lahore unterbrochen gewesen.

Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht Pakistan auf Platz 139 von 180 Staaten. Kritische Journalisten stehen im Visier von extremistischen Gruppen, islamistischen Organisationen und Geheimdiensten. Reporter ohne Grenzen zählt Pakistans militärischen Geheimdienst Inter-Services Intelligence (ISI) und die islamistischen Taliban zu den größten Feinden der Pressefreiheit weltweit.

Quelle: www.reporter-ohne-grenzen.de 


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