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Berlin. - In Berlin treffen sich am Montag und Dienstag Vertreterinnen und Vertreter von Staaten, internationalen Organisationen und der Zivilgesellschaft zur sogenannten Tschadsee-Konferenz. Die an den Tschadsee angrenzenden Regionen von Nigeria, Kamerun, Tschad und Niger stehen seit 2009 unter dem Einfluss der Überfälle durch Boko Haram und der militärischen Gegenoffensiven. Der Konflikt hat die Sicherheit und Lebensbedingungen für die ungefähr 17 Millionen Menschen in einer von Armut gezeichneten Region in den letzten Jahren erheblich verschärft, so die Diakonie Katastrophenhilfe. Rund elf Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe.

"Neben der finanziellen Hilfe geht es vor allem um Sicherheit und Perspektiven für die Menschen in der Region", sagte Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe. "Viele sind schwer traumatisiert durch Gewalt und Verfolgung. Der Schutz der Menschen muss im Zentrum stehen."

Durch den Konflikt sind mehr als 2,4 Millionen Menschen innerhalb Nigerias und in die Nachbarländer vertrieben worden. Sie haben ihr Acker- und Weideland verloren, ihre Häuser sind zerstört. "Verschärft wurde die Situation in den letzten zwei Jahren durch die Auswirkungen der Dürreperioden", so Keßler. Insgesamt rund fünf Millionen Menschen in der Region leiden an Nahrungsunsicherheit und davon 500.000 Kinder an schwerer Unterernährung.

Schon im Februar 2017 gab es eine erste Konferenz zu Nigeria und dem Tschadseebecken in Oslo. Bei den Verhandlungen wurden mehr als 600 Millionen US-Dollar für Hilfe in der Region von den Staaten versprochen. Mehr als sechs Millionen Menschen wurden damit erreicht. Eine Hungersnot in der Region konnte verhindert werden. Bei der Konferenz in Berlin geht es nun um finanzielle Zusicherungen der Geber zur Deckung des mit 1,6 Milliarden US-Dollar berechneten Bedarfs. Bisher sind nur 37 Prozent davon gedeckt.

Neben der finanziellen Hilfe stehen längerfristige Lösungen auf der Agenda, gerade für die Vertriebenen. Einige Gebiete Nigerias stehen wieder unter staatlicher Kontrolle. Daher wächst der Druck auf Vertriebene und Flüchtlinge, in diese Gebiete zurückzukehren – trotz ungenügender Sicherheit und fehlender Perspektiven. Die deutsche Bundesregierung startete 2017 gemeinsam mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen einen Vorstoß mit der Gründung einer Beratungsgruppe für Konfliktprävention und Stabilisierung, die neben der Suche nach einem regionalen Ansatz zur Stabilität den Fokus auf lokale Regierungsfähigkeit und Versöhnung sowie die Reintegration von Kämpfern legt.

"Solche Ansätze, die Anstrengungen der Politik, der Friedensarbeit und der Entwicklungszusammenarbeit zu verbinden, funktionieren nur, wenn die lokale Zivilgesellschaft und die Gemeinden den Prozess gestalten und inhaltlich füllen können", erklärte Martin Keßler. "Doch viele Menschen benötigen aktuell noch humanitäre Hilfe - viele Menschen können aufgrund der instabilen Lage gar nicht erst erreicht werden. Durch die Suche nach Stabilität dürfen neutrale Hilfe und Schutz der Menschen nicht in den Hintergrund geraten. Deshalb erwarten wir von den verantwortlichen Regierungen und anderen Konfliktparteien, Zugang zu Hilfe zu ermöglichen und die Zivilbevölkerung schützen. Die Regierungen müssen dafür Sorge tragen, dass für Binnenvertriebene und Flüchtlinge eine Rückkehr in Sicherheit und Freiwilligkeit möglich ist."

Die Diakonie Katastrophenhilfe hilft seit Februar 2015 auch mit lokalen Partnerorganisationen in der Region, vor allem in Diffa im Niger und in der Seenregion im Tschad. Mehr als 30.000 Vertriebene, Flüchtlinge und Menschen in den aufnehmenden Gemeinden werden dabei durch Nahrungsmittel, durch verbesserte Wasserversorgung und Wohnraum unterstützt.

Quelle: www.diakonie-katastrophenhilfe.de 


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