aerzte ohne grenzenBerlin. - Seit mehr als einem Monat kämpfen Teams von Ärzte ohne Grenzen in Magaria, im Süden des Niger, gegen eine besorgniserregend hohe Sterblichkeitsrate der unter fünfjährigen Kinder. Gemeinsam mit dem nigrischen Gesundheitsministerium werden derzeit 730 Kinder behandelt, von denen 208 ernsthaft krank sind und in die überfüllte Kinderintensivstation überwiesen wurden. Die meisten leiden unter Komplikationen aufgrund schwerer Malaria oder Mangelernährung. In den vergangenen 30 Tagen starben täglich durchschnittlich zehn Kinder.

"Nie zuvor haben wir etwas Vergleichbares gesehen, und wir befürchten, dass dies erst der Anfang ist", erklärte Dorian Job, Programmverantwortlicher für Niger bei Ärzte ohne Grenzen in Genf. "Jedes Jahr zu dieser Zeit erwarten wir besonders viele Malariainfektionen und eine Zunahme bei der Anzahl mangelernährter Kinder. Wir haben im Krankenhaus aber noch nie so viele Patienten aufgenommen."

Angesichts der Zahl der Todesfälle, die während der akuten Malaria- und Mangelernährungskrisen der vergangenen Jahre in den Mortalitätsstudien verzeichnet wurden, geht Ärzte ohne Grenzen davon aus, dass lediglich jedes sechste Kind, das auf medizinische Hilfe angewiesen ist, in das medizinische Zentrum kommt. Viele der Patienten, bei denen Malaria oder Mangelernährung diagnostiziert wurde, leiden auch noch unter anderen Krankheiten.

"Während unser Krankenhaus bereits massiv überfüllt ist, dürften Hunderte Kinder in der Region ernsthaft krank sein und die dringend benötigte medizinische Versorgung nicht erhalten. Die Kinder kommen erst sehr spät zu uns ins Krankenhaus. Viele von ihnen leiden bereits unter fortgeschrittenen Komplikationen, von denen sie sich nicht mehr erholen", sagte Job.

Trotz Bemühungen zur Senkung der Anzahl von Malariainfektionen, die auf den saisonalen Anstieg zurückzuführen sind, wie Malariaprophylaxen für Familien mit Kindern im Alter zwischen drei Monaten und fünf Jahren, bleibe die Sterblichkeitsrate alarmierend hoch.

Ärzte ohne Grenzen hat zusätzlich 243 erfahrene medizinische Mitarbeiter aus Niger und der ganzen Welt entsandt, um die bestmögliche Versorgung innerhalb und außerhalb des Krankenhauses zu gewährleisten. Ein Team betreibt mobile Kliniken, um die Kinder näher an ihrem Wohnort zu versorgen.

"Das Krankenhaus in Magaria ist die einzige Gesundheitseinrichtung der Region, in der 700.000 bis eine Million Menschen leben. 20 Prozent davon sind unter fünf Jahre alt", so Job. "Da es dieses Jahr noch mehr Malariaerkrankte gibt als sonst, ist es nicht verwunderlich, dass wir von der Zahl der Patienten überwältigt sind. Das Gesundheitssystem ist chronisch unterfinanziert, es fehlt an Mitteln, Organisation, Schulungen und Unterstützung. Dies versperrt den Menschen den Zugang zu medizinischer Versorgung und fordert Leben. Selbst wenn wir unsere Kapazität verdoppeln würden, könnten wir den Bedürfnissen der unter fünfjährigen Kinder nicht gerecht werden."

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit dem Jahr 2005 zusammen mit dem nigrischen Gesundheitsministerium in der Region Zinder. Die Teams arbeiten daran, die Versorgung von Kindern zu verbessern und Kinderkrankheiten vorzubeugen, zu diagnostizieren und zu behandeln. In der geschäftigen Stadt Magaria betreibt die Organisation eine Kinderklinik mit 435 Betten, in der zwischen dem 1. Januar und 31. August dieses Jahres 11.100 Kinder behandelt wurden. Alleine im August wurden mehr als 3.300 Kinder unter fünf Jahren in die Klinik überwiesen.

Quelle: www.aerzte-ohne-grenzen.de 


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