gfbvGöttingen. - Von den Präsidentschaftswahlen in Kamerun geht kein positiver Impuls für die Suche nach Frieden in dem von Bürgerkrieg gezeichneten Land aus. Das hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) nach der Bekanntgabe der ersten Wahlergebnisse erklärt. Der Verfassungsrat Kameruns hatte am Montagnachmittag damit begonnen, die mit Spannung erwarteten Wahlergebnisse der Präsidentschaftswahl vom 7. Oktober bekanntzugeben. Dabei zeichnete sich der erwartete Sieg des seit 35 Jahren regierenden Präsidenten Paul Biya ab.

"Für die neue Regierung muss die Suche nach einer politischen Lösung des Bürgerkrieges absolute Priorität haben. Die Ergebnisse in den nach staatlicher Unabhängigkeit strebenden anglophonen Regionen sind wenig aussagekräftig. Wenn kaum jemand zur Wahl geht, so ist dies eine Katastrophe für Kameruns Demokratie", erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius in Göttingen.

"Wir hoffen, dass Präsident Biya das Wahlergebnis nicht als Ermutigung versteht, den eskalierenden Bürgerkrieg weiter zu ignorieren oder nur auf eine Verstärkung der Sicherheitskräfte zu setzen. Wenn Kamerun nicht in Chaos und Gewalt versinken soll, dann muss sich die neue politische Führung des Landes endlich glaubwürdig um einen Dialog mit anerkannten Vertretern aus den anglophonen Regionen bemühen", sagte Delius.

Im englischsprachigen Nordwesten des Landes waren nur fünf Prozent der eingeschriebenen Wähler zu den Urnen gegangen, im ebenfalls anglophonen Nordwesten beteiligten noch nicht einmal 15 Prozent der in den Wählerlisten Registrierten an den Wahlen. Die Gründe für die geringe Wahlbeteiligung dürften vielfältig sein, so die GfbV. So seien fast 300.000 Menschen in diesen Bürgerkriegsgebieten auf der Flucht. Viele Menschen fürchteten auch Repressalien der für eine Unabhängigkeit der anglophonen Regionen kämpfenden Bewegungen, die zu einem Wahlboykott aufgerufen hatten. Andere mochten mit ihrem Fernbleiben von den Urnen unterstreichen, dass sie sich nicht mehr zu dem Staat Kamerun zugehörig fühlen.

Auch nach dem Wahltag war die Lage in den englischsprachigen Gebieten noch angespannt. So seien in der im Südwesten gelegenen Stadt Buea zahlreiche Schüsse zu hören gewesen. In der Stadt sei zuvor die Präsenz der Sicherheitskräfte deutlich verstärkt worden, berichtete die GfbV.

Quelle: www.gfbv.de 


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