aerzte ohne grenzenBerlin. - Hunderttausende Menschen in Borno State im Nordosten Nigerias brauchen Unterkünfte, Nahrung, Schutz, Wasser und sanitäre Einrichtungen. Viele Menschen haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung und sterben an leicht behandelbaren Krankheiten wie Mangelernährung und Malaria. Ärzte ohne Grenzen fordert, dass die humanitäre Hilfe im gesamten Bundesstaat Borno verstärkt und verbessert wird. Außerdem müsse die Deckung des dringenden Bedarfs der Bevölkerung weiter die Priorität der humanitären Organisationen bleiben.

Laut der UN-Nothilfeagentur OCHA sind 1,9 Millionen Menschen in den nordöstlichen Staaten Borno, Adamawa und Yobe vertrieben worden und 7,7 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe. Mehr als 230.000 Menschen sind in die Nachbarländer Niger, Tschad und Kamerun geflohen. Der seit neun Jahren andauernde bewaffnete Konflikt zwischen Militär und nichtstaatlichen Gruppen führt zu exzessiver Gewalt und zur Vertreibungen der Bevölkerung.

"Viele Menschen, mit denen ich gesprochen habe, fühlen sich allein gelassen und haben Furchtbares erlebt", erklärte Philipp Frisch, Leiter des Teams für humanitäre Fragen bei Ärzte ohne Grenzen Deutschland. "Der Konflikt hat ihnen ihre Lebensgrundlage geraubt. Sie waren von einem Tag auf den anderen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Aber selbst diese Hilfe erreicht sie oft nicht. Hinzu kommt, dass viele Menschen, insbesondere Kinder und Frauen, schwer traumatisiert und perspektivlos sind. Diese Menschen brauchen also nicht nur materielle Hilfe, sondern auch eine umfassende psychosoziale Unterstützung und Schutz."

Sicherheits- und Zugangsfragen behindern laut Ärzte ohne Grenzen die Bereitstellung von Hilfe, obwohl Hunderttausende von Menschen nach wie vor stark von der Hilfe abhängig sind, um ihr Überleben zu sichern. An manchen Orten seien die Menschen seit fast drei Jahren gestrandet, mit wenig Aussicht auf eine Rückkehr nach Hause aufgrund des anhaltenden Konflikts.

Über die Bedürfnisse der Menschen außerhalb der vom Militär kontrollierten Städte ist wenig bekannt. OCHA schätzt, dass rund 800.000 Menschen in Gebieten leben, die für humanitäre Organisationen unzugänglich sind. Die einzigen Informationen, die Ärzte ohne Grenzen über diese Gebiete hat, stammen von Vertriebenen, die weiterhin - nicht immer freiwillig - in die vom Militär kontrollierten Städten kommen.

Der Zustand der Menschen, die aus diesen Regionen kommen, ist teilweise sehr besorgniserregend. Eine epidemiologische Studie von Ärzte ohne Grenzen von September 2018 zeigt, dass 8,2 Prozent der Kinder, die ab Mai 2018 in Bama ankamen, an schwerer akuter Mangelernährung und 20,4 Prozent an akuter Mangelernährung leiden – beide Werte liegen weit über dem Notfallgrenzwert.

Ein Großteil der humanitären Hilfe konzentriert sich auf Maiduguri, die Hauptstadt des Staates Borno, in der eine Million Binnenvertriebene leben, aber die Versorgung ist selbst dort unzureichend. Ärzte ohne Grenzen hat seine Aktivitäten in Maiduguri und in anderen Städten Bornos aufgrund eines Cholera-Ausbruchs im September ausgeweitet. 2018 wurden von Ärzte ohne Grenzen mehr als 8.000 Cholerapatientinnen und -patienten behandelt und 332.700 Menschen gegen die Krankheit geimpft.

Ärzte ohne Grenzen bietet derzeit lebensrettende medizinische Versorgung in festen Einrichtungen in Gwoza, Pulka, Bama und Ngala. Mobile Teams leisten medizinische Hilfe in Rann und Banki sowie über mobile Notfallkliniken in Yobe und Adamawa.

Quelle: www.aerzte-ohne-grenzen.de 


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