oxfamBerlin. - Der anhaltende Konflikt, steigende Lebensmittelpreise und sinkende Einkommen zwingen die Menschen im Jemen zu immer verzweifelteren Maßnahmen, um nicht zu hungern. Manche sehen sich in ihrer Not gezwungen, sogar Kleinkinder zu verheiraten – in einem Fall ein erst drei Jahre altes Mädchen. Das hat die im Jemen tätige Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam berichtet. Oxfam fordert Regierungen weltweit auf, bei der UN-Geberkonferenz in Genf am Dienstag genügend Hilfsgelder für die Bekämpfung der humanitären Krise in dem Land aufzubringen.

"Die Geber, die heute in Genf zusammenkommen, um dem Jemen Unterstützung zuzusagen, müssen sicherstellen, dass genügend Mittel zur Verfügung gestellt werden. Es bedarf lebenswichtiger Nahrungsmittel, Wasser und Medikamente, um die Grundbedürfnisse der Menschen zu decken", sagte Oxfams Landesdirektor im Jemen, Muhsin Siddiquey. Denn die Lage sei weiterhin dramatisch: Fast zehn Millionen Menschen seien nur einen Schritt von einer Hungersnot entfernt.

Seit der Eskalation des Konflikts im Jahr 2015 sind die Lebensmittelpreise laut Oxfam in die Höhe geschnellt, während die Haushaltseinkommen gesunken sind. In dieser höchst angespannten Situation seien Grundnahrungsmittel für viele unerreichbar.

Oxfam sprach mit geflüchteten Familien im nördlich gelegenen Gouvernement Amran, die so stark Hunger litten, dass sie sich gezwungen sahen, ihre jungen Töchter – in einem Fall erst drei Jahre alt – zu verheiraten. Die Eltern des Mädchens gaben an, sich nur mit dem dafür erhaltenen Geld Nahrung und eine Unterkunft für den Rest ihrer Familie leisten zu können.

Obwohl frühes Heiraten im Jemen schon lange üblich ist, ist es schockierend, so Oxfam, dass Mädchen in so jungen Jahren verheiratet werden, weil ihre verzweifelten Angehören keine andere Möglichkeit sehen, um sich Lebensmittel kaufen zu können. Jüngeren Mädchen bleibt es in der Regel erspart, die Ehe zu vollziehen, bis sie elf Jahre alt sind. Vorher sind sie jedoch dazu bestimmt, Hausarbeit in der Wohnung ihres Mannes zu erledigen.

"Im Laufe dieses Krieges sind die Menschen immer verzweifelter geworden", erklärte Muhsin Siddiquey. "Sie sehen sich gezwungen, Schritte zu unternehmen, die das Leben ihrer Kinder jetzt und in den kommenden Jahrzehnten zerstören. Dies ist eine direkte Folge einer menschengemachten humanitären Katastrophe, die durch den Krieg verursacht wurde."

Die Kämpfe haben viele Familien gezwungen, in abgelegene Gebiete zu fliehen, in denen es an grundlegender Infrastruktur mangelt: ohne Schulen, Wasserversorgungsnetze, angemessene Abwasserbeseitigungsanlagen oder Gesundheitszentren. Ende vergangenen Jahres führte Oxfam Umfragen unter Menschen in dem im südlichen Jemen gelegenen Taiz durch: 99 Prozent gaben an, dass die Erwachsenen in ihren Familie zugunsten ihrer Kinder selbst weniger essen würden; 98 Prozent hatten die Zahl der Mahlzeiten, die sie jeden Tag aßen, reduziert. Mehr als die Hälfte sagte, sie hätten sich Essen von Freunden oder Verwandten geliehen. Fast zwei Drittel der Menschen gaben an, sich verschuldet zu haben. In fast allen Fällen ging es darum, Lebensmittel, Medikamente oder Wasser zu kaufen.

"Nur ein Ende des Konflikts kann die Abwärtsspirale stoppen, die die Menschen zwingt, verzweifelte Maßnahmen zu ergreifen. Alle Kriegsparteien und ihre Unterstützer müssen sich zu einem kompletten und landesweiten Waffenstillstand verpflichten und konkrete Schritte zu einem dauerhaften Frieden unternehmen", sagte Muhsin Siddiquey.

Quelle: www.oxfam.de 


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