unhcr 200Berlin. - Weltweit kann mehr als die Hälfte aller Flüchtlingskinder nicht zur Schule gehen. Das geht aus dem jährlichen Bildungsreport hervor, den der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) am Freitag vorgelegt hat. Demnach erhalten zwar 3,4 Millionen Flüchtlingskinder im Schulalter eine Form von Bildung. Die Mehrheit aber, 3,7 Millionen Kinder, habe diese Chance nicht.

Der Bericht "Stepping Up: Refugee Education in Crisis" zeigt, dass Flüchtlingskinder schon beim Start deutlich benachteiligt sind: Während weltweit 91 Prozent aller Kinder im Grundschulalter in die Schule gehen, sind es bei Flüchtlingskindern nur 63 Prozent. Und danach wird die Lücke noch dramatisch größer: Weltweit bekommen 84 Prozent aller Kinder eine weiterführende Schulbildung - bei Flüchtlingen sind es nur 24 Prozent.

"Schule ist der Ort, an dem Flüchtlinge eine neue Chance bekommen", sagte Filippo Grandi, Hoher Kommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge. "Wir versagen gegenüber den Flüchtlingen, wenn wir ihnen nicht die Möglichkeit geben, sich mit den für ihre Zukunft wichtigen Wissen und Fähigkeiten auszustatten."

Der dramatische Einbruch zwischen Grund- und weiterführender Schulbildung ist das direkte Ergebnis der unzureichenden Finanzierung der Bildung von Flüchtlingskindern. Deshalb ruft UNHCR Regierungen, die private Wirtschaft, Bildungsorganisationen und Spender auf, eine neue Initiative zu unterstützen, um eine sekundäre Schulbildung von Flüchtlingen zu ermöglichen.

"Wir müssen in die Bildung von Flüchtlingen investieren oder wir zahlen den Preis: Eine Generation von Kindern, die dazu verdammt ist, in ihrem späteren Leben abhängig zu sein, keine Arbeit zu finden und ihre Gemeinschaft nicht bereichern zu können", sagte Grandi.

"Jeder, wie immer er auch politisch steht, muss Schule als eine sinnvolle Investition betrachten, gerade auch bei Flüchtlingskindern", erklärte Dominik Bartsch, UNHCR-Repräsentant in Deutschland. "Die Situation in Deutschland ist zwar sehr gut und die Erfolge bei der Integration sind unübersehbar. Wichtig ist aber, alle Kinder so schnell wie möglich dahin zu bringen, dass sie normal am Unterricht teilnehmen können. Da sind kreative Lösung gefragt – zum Wohle aller Schüler."

Die Initiative für eine weiterführende Schulbildung zielt auf Bau und Renovierung von Schulen, die Ausbildung von Lehrern und auch die finanzielle Unterstützung von Flüchtlingsfamilien, so dass sie ihre Kinder zur Schule schicken können.

Der diesjährige Bildungsreport ruft auch dazu auf, Flüchtlingskinder in die nationalen Bildungssysteme zu integrieren, statt sie in einer Parallelwelt leben zu lassen. Ihnen sollte es ermöglicht werden, die anerkannten Bildungswege zu gehen, von der Vorschule über die Grundschule bis zu weiterführenden Klassen. Damit hätten sie auch die Möglichkeit, sich für eine Hochschulbildung zu qualifizieren. Diese Chance hätten derzeit nur drei Prozent der Flüchtlinge – im Vergleich zu 37 Prozent weltweit.

UNHCR ruft auch zu einem realistischen Ansatz auf, wenn es um die Anerkennung von Bildungsabschlüssen geht. Vielen Flüchtlingen bleibe der Klassenraum verwehrt, weil ihre Zertifikate in der Heimat zurückgeblieben oder auf der Flucht verlorengegangen sind. Und selbst wenn sie diese dabeihaben, weigern sich einige Gastländer, sie anzuerkennen.

Das Problem der Bildung von Flüchtlingen drängt. Ende 2018 gab es auf der Erde mehr als 25,9 Millionen Flüchtlinge, von denen 20,4 Millionen unter das Mandat von UNHCR fallen. Etwa die Hälfte von ihnen ist jünger als 18 Jahre und Millionen von ihnen leben in langanhaltenden Krisen ohne Hoffnung auf eine schnelle Heimkehr.

Quelle: www.unhcr.org 


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