misereorAachen. - Anlässlich der am Mittwoch beginnenden Reise von Papst Franziskus nach Mosambik, Madagaskar und Mauritius hat das Werk für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR auf die angespannte politische, soziale und ökologische Situation in den genannten Ländern hingewiesen. Es sei von großer Bedeutung, dass das Kirchenoberhaupt mit seinen Besuchen einen Teil der Welt in den Fokus rücke, der global nur selten zum Medien-Thema gemacht wird, es sei denn bei Katastrophen.

"Für die Menschen Mosambiks ist der Besuch des Papstes ein großes Zeichen der Solidarität in einer Situation, die von großen wirtschaftlichen Problemen, politischer Unsicherheit vor anstehenden Wahlen, anhaltender Gewalt im Norden des Landes und den Folgen zweier extremer Zyklone geprägt ist", sagte MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel.

Im Frühjahr dieses Jahres waren die Provinzen im Zentrum und Norden des Landes von den Wirbelstürmen hart getroffen worden. "Die Hoffnung der Menschen ist, dass der Papst gegenüber Präsident Nyusi und weiteren Vertretern der Politik, die er in Maputo treffen wird, klare Worte in Hinblick auf einen fairen, transparenten und friedlichen Urnengang finden wird. Um das Vertrauen der Bevölkerung in die Demokratie wieder herzustellen, muss die Aufklärung und juristische Aufarbeitung des Verschuldungsskandals, in den auch Regierungsmitglieder verstrickt sein sollen, deutlich angemahnt werden", so Spiegel.

Ein ebenso wichtiger Programmpunkt der Reise dürfte das geplante interreligiöse Zusammentreffen mit Jugendlichen in Maputo sein. Gerade weil laut MISEREOR aktuell in der Provinz Cabo Delgado im Norden Mosambiks von interessierten Kreisen versucht wird, Verteilungskämpfe um Landrechte und Rohstoffe zu einem Religionskrieg zu verbrämen, erwarten die MISEREOR-Partner in Mosambik die Unterstützung des Papstes für das gemeinsame interreligiöse Engagement zu einer friedlichen Beilegung der Konflikte. Die Ortskirche hofft hier auf ein klares Statement des Papstes, um die herrschende Politik des Schweigens zu brechen und die internationale Gemeinschaft auf die Situation, die bereits Hunderte von Opfern gefordert hat, aufmerksam zu machen.

"Auch die Menschen in Madagaskar erwarten klare Worte des Papstes gegen die grassierende, allgegenwärtige Korruption und gegen den Ausverkauf der natürlichen Ressourcen des Landes durch einheimische Eliten an inländische und ausländische Investoren. Diese verfolgen ausschließlich eigene Interessen und
berücksichtigen kaum die Rechte der verarmten, mehrheitlich ländlichen Bevölkerung", betonte der MISEREOR-Chef. "Madagaskar ist eines der wenigen Länder der Welt, in dem sich seit der Unabhängigkeit, ohne dass es einen Krieg gegeben hätte, die Lebensbedingungen der Menschen verschlechtert haben. Verantwortlich dafür ist eine egozentrische, die politische und wirtschaftliche Macht monopolisierende, korrupte Elite. Hier wird der Papst wohl klare Worte sagen."

Die Zusammenkunft des Papstes mit Jugendlichen Madagaskars wird ebenfalls mit Spannung erwartet. Eine mehrheitlich junge, aber eher schlecht ausgebildete madagassische Bevölkerung findet kaum einen Job auf dem offiziellen Arbeitsmarkt. Hier muss die Regierung nach Ansicht von MISEREOR Zeichen setzen, um den jungen Menschen eine vernünftige Ausbildung sowie Beschäftigungschancen zu sichern.

"Der Papst wird die staatlichen Stellen und Eliten, aber auch die Zivilgesellschaft und die Kirche, an ihre Verantwortung erinnern, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen und den Ärmsten Entwicklungschancen zu ermöglichen", sagte Spiegel. Als Beispiel für ein solches Engagement nennt Spiegel das Zusammentreffen des Papstes mit dem argentinischen Missionar Pater Pedro Opeka, der auf einer Müllkippe in der Nähe der madagassischen Hauptstadt Antananarivo eine ganze Stadt aufgebaut hat, um "Müllmenschen", den Ärmsten der Armen des Landes, eine Perspektive zu geben.

Allen drei Stationen der Papstreise gemeinsam ist, dass die Folgen der Klimakrise für die Menschen dort schon heute unübersehbar sind. Dies wird auf dem direkt vom Meeresspiegelanstieg bedrohten Inselstaat Mauritius besonders spürbar. Aber auch die Menschen in der von Zyklon Idai weitestgehend zerstörten mosambikanischen Hafenstadt Beira erwarten laut MISEREOR von Papst Franziskus nicht nur eine deutliche Unterstützung des Engagements der Ortskirche und ihrer internationalen Unterstützer, sondern ebenso klare Worte an die Hauptverursacher der Klimakrise, die im globalen Norden angesiedelt sind.

Klimatische Veränderungen und soziale Krisen gehören gerade in dieser Weltregion zusammen. "Noch so gute Entwicklungsprojekte vor Ort können einen Beitrag leisten, Not lindern und Alternativen zur Energieversorgung aus Kohle und Gas anbieten. Eine Umkehr in Ressourcenverbrauch und Klimagasausstoß muss in den Industrieländern stattfinden. Darauf hat Papst Franziskus nicht nur in seiner vor vier Jahren erschienenen Enzyklika Laudato Si hingewiesen. Passiert ist seit deren Veröffentlichung zu wenig", betonte Spiegel.

Quelle: www.misereor.de 


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