todoSeefeld. - Zwei Tourismusprojekte aus Iran und Kambodscha sind die Preisträger im internationalen Wettbewerb TO DO Award 2020 und werden als herausragende Beispiele für sozialverantwortlichen Tourismus geehrt. Die Übergabe des Preises, der seit 1995 jährlich durch den Studienkreis für Tourismus und Entwicklung ausgelobt wird, findet im Rahmen der ITB Berlin am 5. März 2020 ab 16:30 Uhr im Palais am Funkturm statt.

Von den insgesamt 37 eingereichten Projekten haben die beiden Wettbewerbssieger die Jurys mit ihren Ansätzen von ökologisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich nachhaltig wirkenden Formen des Tourismus überzeugt.

Iran: Esfahk Historic Village

1978 hatte in der Provinz Süd-Khorasan ein verheerendes Erdbeben viele traditionelle Lehmbau-Dörfer zerstört; unter anderem das Wüstendorf Esfahk, in dem durch die Naturkatastrophe viele Bewohner*innen ums Leben kamen. Die Überlebenden errichteten in kurzer Zeit ein komplett neues Dorf – ohne die Reste der beschädigten Häuser komplett abzureißen. Der behutsame Wiederaufbau des Dorfes in Eigenregie schweißte die verschiedenen Generationen eng zusammen.

Teil des Wiederaufbauplans war, inmitten der Ruinen des zerstörten Dorfes und ohne fremde Investoren ein touristisch nutzbares und kulturhistorisch bedeutsames Zentrum zu schaffen. So wurden inzwischen sieben Restaurants und Pensionen im alten Lehmbaustil erdbebensicher aufgebaut bzw. renoviert. Die Moschee, das ehemalige Hamam, ein Kaffeehaus und ein Geschäft für lokales Kunsthandwerk ergänzen das Angebot. In den neuen touristischen Einrichtungen haben die Bewohner*innen des Dorfes einen sicheren Arbeitsplatz gefunden und können auf jährlich rund 3.500 Übernachtungsgäste aus dem In- und Ausland verweisen.

Kambodscha: Banteay Chhmar Community Based Tourism

Die Tempelanlage von Banteay Chhmar ist Herzstück und Namensgeber der Banteay Chhmar Community Based Tourism Initiative im Nordwesten Kambodschas. Die im 12. Jahrhundert errichtete Tempelanlage gilt als eine der wichtigsten Kulturschätze des Landes. In dieser einzigartigen Kulisse vermitteln die Bewohner*innen der vier umliegenden Gemeinden authentische Einblicke in das Dorfleben. Reisende können verschiedene Homestay Unterkünfte buchen.

Teil des touristischen Angebots sind zudem unmittelbare Einblicke in den Alltag der Bewohner*innen. So können die Gäste die einheimischen Bauern beispielsweise auf dem traditionellen Ochsenkarren zur Reisernte begleiten oder sie erfahren, wie lokale Speisen zubereitet werden. Seit 2006 steuert ein demokratisch gewähltes Komitee alle touristischen Aktivitäten. Ziel ist es, damit neben dem Maniok- und Reisanbau zusätzliche Einkommensmöglichkeiten zu schaffen. Mehr als 90 Familien profitieren direkt von den Arbeitsplätzen im Tourismus. Über einen Dorfentwicklungs-Fonds werden Maßnahmen finanziert, die allen Dorfbewohner*innen zugutekommen.

Die mit dem TO DO Award 2020 prämierten Projekte leisten einen wichtigen Beitrag, ökonomische, ökologische und soziale Perspektiven für die einheimische Bevölkerung zu schaffen, die Lebensbedingungen zu verbessern und damit beispielsweise Landflucht in größere Städte einzudämmen. Sowohl bei der Planung als auch in der konkreten Umsetzung werden die Interessen der einheimischen Bevölkerung in den Mittelpunkt aller Anstrengungen gerückt. Darüber hinaus kann mit den Projekten die kulturelle Identität der Menschen gewahrt und Chancengleichheit, Diversität und damit gesellschaftlicher Fortschritt gefördert werden.

Claudia Mitteneder, Geschäftsführerin des Studienkreises für Tourismus und Entwicklung: "Seit Jahren wächst die Zahl der Einreichungen zum TO DO Award kontinuierlich. Mit 37 Projekten aus 21 Ländern und vier Kontinenten können wir 2020 einen neuen Rekord verzeichnen. Das beweist, dass es eine wachsende Zahl sozialverantwortlich agierende Akteure und Projektträger gibt, die den nachhaltigen Tourismus als Chance für wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Entwicklung begreifen. Der Studienkreis unterstützt und fördert deshalb seit 25 Jahren solche Konzepte, die beispielsgebend für andere Regionen und Kommunen sein sollen. Mit der Präsentation des TO DO und der diesjährigen Preisträger auf der ITB eröffnen wir diesen Projekten zudem eine Kommunikations- und Vernetzungsplattform, die deren Weiterentwicklung sichern soll."

Quelle: www.studienkreis.org 


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