oxfamBerlin. - Die weltweite Covid-19-Pandemie macht insbesondere arme Länder noch verwundbarer für die Auswirkungen des Klimawandels. Darauf hat die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam anlässlich des Petersberger Klimadialogs hingewiesen. Oxfam fordert, dass das Ministertreffen diese wachsende Verwundbarkeit thematisiert, ehrgeizigere Klimaschutzzusagen unter dem Pariser Abkommen anmahnt und eine gemeinsame Vision für eine klimakompatible Erholung der Wirtschaften entwickelt.

In vielen armen Ländern trifft die Covid-19-Pandemie nicht nur auf überforderte Gesundheitssysteme. Die wirtschaftlichen Folgen werden die ohnehin weit verbreitete Armut verschärfen, und die drückende Schuldenlast vieler Länder beeinträchtigt den Handlungsspielraum der Regierungen weiter, so Oxfam. Für aktiven Klimaschutz und die Anpassung an die klimatischen Veränderungen etwa in der Landwirtschaft fehlen dann schnell die notwendigen Ressourcen.

"Die Covid-19-Pandemie führt dazu, dass Menschen in den ärmeren Ländern kommenden Katastrophen infolge des Klimawandels, wie Dürren, Überschwemmungen oder Monsterstürme, noch schutzloser als zuvor gegenüberstehen", sagte Jan Kowalzig, Referent für Klimawandel und Klimapolitik bei Oxfam. "Die durch Corona nun zusätzlich geschwächten Länder brauchen die zugesagten finanziellen Hilfen der reichen Länder im Kampf gegen die Klimakrise dringender als je zuvor. Beim Petersberger Klimadialog sollte Bundeskanzlerin Angela Merkel diese wachsende Verwundbarkeit gegenüber dem Klimawandel klar benennen, deutlich wachsende Klima-Hilfen für die ärmeren Länder zusagen und dies auch von den anderen reichen Ländern einfordern."

Auf der Agenda des virtuellen Ministertreffens stehen die Umsetzung des Pariser Abkommens und insbesondere die formal anstehende Verschärfung der bestehenden Klimaschutzziele der Länder. Zudem soll über die Optionen für klimaverträgliche Konjunkturpakete zur Ankurbelung der durch Corona beeinträchtigten Wirtschaft diskutiert werden.

Um die globale Erwärmung unter der kritischen Schwelle von maximal 1,5° Celsius zu halten, müssten bis 2030 fünfmal mehr Treibhausgase eingespart werden, als es die derzeitigen Klimaziele der Länder hergeben. Oxfam fordert, dass die Bundeskanzlerin vor allem den G20-Ländern ins Gewissen reden sollte, ihre Klimaziele deutlich anzuheben – das gelte insbesondere auch für die Europäische Union.

Oxfam kritisierte zudem, dass derzeit einige Industriebranchen versuchten, die Coronakrise für die Aufweichung von Umweltstandards zu nutzen, so etwa auch die deutsche Autoindustrie, die in Brüssel laxere Grenzwerte für den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase fordere.

"Jetzt den Klimaschutz aufs Abstellgleis zu schieben, würde die Klimakrise und ihre katastrophalen Auswirkungen in den armen Ländern nur noch verschärfen und beschleunigen. Vielmehr sollten die Regierungen auf dem Petersberger Klimadialog eine gemeinsame Vision für klimakompatible Konjunkturpakete entwickeln, um die Wirtschaft in Richtung Klimaneutralität umzusteuern. Den Klimaschutzgegnern aus Wirtschaft und Politik müssen sie eine klare Absage erteilen", betonte Kowalzig.

Der Petersberger Klimadialog ist ein jährliches Ministertreffen, zu dem die Bundesregierung dieses Jahr gemeinsam mit Großbritannien rund 40 Länder einlädt, darunter die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, außerdem Vertreter aller regionalen Ländergruppen sowie der Inselstaaten und der am wenigsten entwickelten Länder. Üblicherweise stehen Themen der internationalen Klimapolitik und die Umsetzung des Pariser Abkommens auf der Agenda. Wegen der Coronavirus-Pandemie findet das Treffen dieses Jahr virtuell statt.

Quelle: www.oxfam.de 


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