rsfBerlin. - 60 Nichtregierungs- und Journalismusorganisationen, Institutionen und Filmschaffende haben eine Kampagne für die philippinische Journalistin Maria Ressa und unabhängige Medien auf den Philippinen gestartet. Die Initiatoren sind Reporter ohne Grenzen (RSF), das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) und das International Center for Journalists (ICFJ).

Vertreterinnen und Vertreter der drei Organisationen bilden den Lenkungsausschuss, der eng mit Ressa und ihren Anwältinnen und Anwälten zusammenarbeitet und von Dutzenden Partnern weltweit unterstützt wird. Der Zusammenschluss steht unter dem Hashtag #HoldTheLine, was im Deutschen so viel bedeutet wie "nicht klein beigeben". Ressa hat diesen Satz mehrfach selbst verwendet um deutlich zu machen, dass sie sich von Präsident Duterte nicht einschüchtern lässt.

Maria Ressa berichtete zwei Jahrzehnte lang für CNN aus Südostasien und gründete dann die mehrfach preisgekrönte Nachrichtenseite Rappler. Am 15. Juni 2020 wurde sie zusammen mit ihrem ehemaligen Rappler-Kollegen Reynaldo Santos Jr. wegen eines Artikels über einen Geschäftsmann aus dem Jahr 2012 verurteilt. Grundlage war ein Cyberkriminalitätsgesetz, das erst nach Erscheinen des Artikels in Kraft trat. Angeblich sei der Artikel nach Inkrafttreten des Gesetzes aktualisiert worden - allerdings wurde lediglich ein Tippfehler korrigiert. Das mögliche Strafmaß für Ressa und ihren Kollegen beläuft sich auf mindestens sechs Monate bis zu sechs Jahre Haft.

"Die unglaubliche Welle der Unterstützung aus aller Welt berührt mich sehr", sagte Maria Ressa zum Start der #HoldTheLine-Kampagne. "Auch, wenn Präsident Duterte mich weiterhin öffentlich attackiert, die juristischen Schikanen anhalten und die Hetze in Onlinenetzwerken immer weiter zunimmt – wir können nicht schweigen, denn Schweigen bedeutet Zustimmung."

Aktuell sind Ressa und Santos gegen Kaution auf freiem Fuß, doch ihnen droht weiterhin eine hohe Gefängnisstrafe, sollte das Urteil nicht in einem Berufungsverfahren gekippt werden. Am 22. Juli steht Ressa in einem anderen Verfahren erneut vor Gericht. Insgesamt sieht sich die Journalistin in mindestens sechs weiteren Fällen mit Vorwürfen gegen sie oder Rappler konfrontiert, unter anderem wegen angeblicher Verleumdung und Steuerhinterziehung. Insgesamt stünde darauf fast ein Jahrhundert Haft.

Die Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten und auf unabhängige Medien haben seit dem Amtsantritt von Präsident Rodrigo Duterte 2016 stark zugenommen. Zuletzt musste der wichtigste nationale Sender ABS-CBN schließen, weil seine Lizenz nicht erneuert worden war. Die Philippinen gehören zu den gefährlichsten Ländern für Journalistinnen und Journalisten in Asien. Seit Amtsantritt Dutertes wurden dort mindestens 10 Medienschaffende wegen ihrer Arbeit getötet.

Quelle: www.reporter-ohne-grenzen.de 


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