mccBerlin. - "Just Transition" - dieser Schlüsselbegriff inspirierte viele Transparente bei Klima-Demos und steht in der Präambel des Weltklimaabkommens: Ein "gerechter Strukturwandel für die arbeitende Bevölkerung", heißt es dort, sei "zwingende Notwendigkeit" im Kampf gegen die Erderwärmung. Doch angesichts der bislang mäßigen Bilanz warnen jetzt Fachleute aus vier Kontinenten: Dieser Ansatz reicht nicht. Es sei an der Zeit, den Begriff Just Transition auf Industrie und Verbraucher auszuweiten, argumentieren sie. Federführend ist dabei das Berliner Klimaforschungsinstitut MCC (Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change).

Wie wichtig ein umfassendes Verständnis von Gerechtigkeit ist, zeigt das Autorenteam am Beispiel des dringend erforderlichen weltweiten Ausstiegs aus der Kohle. In der öffentlichen Debatte werde zwar intensiv beleuchtet, dass Jobabbau in der Kohlewirtschaft durch neue Arbeitsplätze in Zukunftsbranchen ausgeglichen werden sollte. Doch andere, nicht minder wichtige Aspekte blieben oft außer Betracht: namentlich die regionale Wirtschaftsentwicklung, globale Wertschöpfungsketten, der Effekt höherer Energiepreise auf die Kaufkraft der Konsumenten und die Anliegen von energieintensiven Industrien.

"Für das Erreichen der international vereinbarten Klimaziele braucht die Welt einen schnellen Kohleausstieg", sagte Jan Steckel, Leiter der MCC-Arbeitsgruppe Klimaschutz und menschliche Entwicklung und Leitautor. "Der wird durch Covid-19 eher schwieriger – deshalb braucht es jetzt wirklich tragfähige Strategiepläne. Und es funktioniert nur, wenn die politisch Verantwortlichen sämtliche Stakeholder gleichermaßen in den Prozess einbinden und ihre Anliegen mitdenken." Bislang gebe es global gesehen keinen Rückgang der Kohle, obwohl ihr großer Beitrag zum Klimawandel seit Jahrzehnten bekannt ist. Allein der Kohlebergbau kommt weltweit auf 8 Millionen Beschäftigte und 900 Milliarden Dollar Jahresumsatz.

Die Politik müsse auch das Problem lösen, dass der Verzicht auf Kohle die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Industrien wie Stahl, Aluminium und Chemie beeinträchtigen kann, betonte Michael Jakob, Senior Researcher am MCC und ebenfalls Leitautor. "Sie muss genau hinschauen, wo die Abwanderung in Regionen mit laxerem Klimaschutz droht, und darauf angemessen reagieren. Dabei sind Handelsrestriktionen in Form eines sogenannten CO2-Grenzausgleich eine Option, auch im Rahmen einer im Prinzip freiheitlichen Welthandelsordnung."

Quelle: www.mcc-berlin.net 


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