worldvisionFriedrichsdorf. - Im Vorfeld der UN-Generalversammlung, die am 15. September beginnt, hat die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision darauf aufmerksam gemacht, dass trotz einiger Fortschritte viele der 17 Nachhaltigkeitsziele nicht erreicht werden können, wenn die Umsetzung weiter so schleppend vorangeht. Vor fünf Jahren hatten sich alle Länder auf die sogenannte Agenda 2030 geeinigt, die zum Ziel hat, innerhalb von 15 Jahren weltweit eine nachhaltige Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene umzusetzen.

"Insbesondere das Ziel 16 (Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen) macht uns große Sorgen, da es als übergeordnetes Ziel für die Erreichung aller anderen Ziele angesehen werden muss", sagte Ekkehard Forberg, Themenmanager Friedensförderung und Anwaltschaftsarbeit. "Millionen Menschen haben weiterhin nicht die Möglichkeit, in Sicherheit und Frieden zu leben und sind gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Sie haben keinen Zugang zu Justizsystemen. Das Ziel von friedlichen, gerechten und inklusiven Gesellschaften liegt in vielen Ländern in weiter Ferne."

Statt in die Entwicklung von friedlichen Gesellschaften investieren viele Regierungen weiter in Rüstung. So betrug im Jahr 2019 das weltweite Militärbudget 1.917 Milliarden US-Dollar. Auch Deutschland erhöhte seine Militärausgaben drastisch – um 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Noch mehr Waffen führen zu noch mehr Konflikten. Wir fordern, dass alle Regierungen in eine vorausschauende Friedenspolitik investieren. Die deutsche Regierung sollte die eigenen Anteile an Kriegen und Konflikten in anderen Ländern reduzieren", so Forberg.

Die Kinderhilfsorganisation erklärte, dass Menschen, die in Konflikt- und Post-Konflikt-Ländern leben, doppelt so häufig unterernährt sind wie in anderen Ländern. Im Jahr 2030 werden nach OEDC-Angaben mehr als 80% der armen Weltbevölkerung in fragilen Staaten leben, die von schwachen Institutionen und langanhaltenden Gewaltkonflikten geprägt sind.

Auch der Klimawandel und die damit einhergehenden Umweltzerstörungen (Ziel 13 der sogenannten Sustainable Development Goals, SDGs) in vielen Ländern sind besorgniserregend. Durch klimabedingte Katastrophen wurden zwischen 1998 und 2017 weltweit wirtschaftliche Schäden in Höhe von fast drei Billionen Dollar verursacht. Im selben Zeitraum wurden etwa 1,3 Millionen Menschen durch klimabedingte und geophysikalische Katastrophen getötet. Klimaveränderungen werden besonders "Arme" und "Zurückgebliebene" treffen und können Konflikte verursachen oder weiter anheizen und führen so wiederum zu Flucht und Vertreibung.

Die extreme Armut (SDG-Ziel 1) ist in den letzten 20 Jahren deutlich zurückgegangen. Mehr als eine Milliarde Menschen haben sich in den letzten 25 Jahren aus der Armut befreien können. Allerdings sind die Fortschritte bei der Armutsminderung ungleich verteilt. Einige Regionen, darunter Ostasien und Südostasien, haben die Zielvorgabe, die Quote extremer Armut zu halbieren, erreicht, während andere Regionen wie Afrika südlich der Sahara und Südasien weit zurück liegen und das Ziel verfehlt haben. Ohne erhebliche Veränderungen in der Politik wird die Rate der extrem Armen südlich der Sahara auch 2030 noch im zweistelligen Bereich liegen. Etwa 79 Prozent der Armen der Welt leben in ländlichen Gebieten.

Den Hunger in der Welt (SDG 2) zu beenden, bleibt eine große Herausforderung. Die Zahl der Hungernden ist zwar deutlich zurückgegangen, weltweit ist aber weiterhin jedes siebte Kind unter fünf Jahren untergewichtig. Aktuell leiden rund 820 Millionen Menschen weltweit an Hunger, fast zwei Milliarden Menschen sind von Mikronährstoffmangel bedroht. Durch Corona hat sich die Ernährungssituation weiter verschärft.

Auch das Bemühen, vermeidbare Kindertode endlich zu beenden (ein Unterziel von SDG 3), wird weit verfehlt. 5,2 Millionen Kinder starben allein 2019 vor ihrem fünften Lebensjahr an Ursachen wie Hunger, Lungenentzündung, Komplikationen bei der Geburt, Durchfallerkrankungen und Malaria. "Die Sekundärfolgen der Covid-19-Pandemie werden uns leider weiter zurückwerfen", befürchtet Marwin Meier, Gesundheitsexperte bei World Vision Deutschland. "Pausierte Impfkampagnen, überlastete Gesundheitssysteme und unterbrochene Kinderernährungsprogramme gefährden den bisher so hart erkämpften Fortschritt. Wieder einmal trifft es die Schwächsten der Menschheit am härtesten", so Meier.

World Vision setzt sich im Rahmen einer Kampagne gegen alle Formen der Gewalt gegen Kinder ein. In ihren Projekten unterstützt die Organisation besonders in ländlichen Gebieten einen ganzheitlichen und nachhaltigen Ansatz und fokussiert in seiner Programmarbeit insbesondere auf eine gesunde Zukunft der Kinder. Im Bereich der Agrar- und Forstwirtschaft liegt der Fokus auf einer ökologischen und nachhaltigen Entwicklung, um Umweltzerstörungen entgegen zu wirken.

Quelle: www.worldvision.de 


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