brot fdwBerlin. - Brot für die Welt hat an die Bundesregierung appelliert, sich für den Schutz bedrohter Menschen in Afghanistan einzusetzen. Deutschland und der Westen dürften sich jetzt nicht zurückziehen und die Menschen ihrem Schicksal überlassen. Es müsse bei den neuen Machthabern auf die Einhaltung der Menschenrechte und die Gewährung zivilgesellschaftlicher Freiheit gedrungen werden, erklärte das evangelische Hilfswerk.

"Entwicklung braucht Mitsprache und Freiheit", sagte Präsidentin Dagmar Pruin bei der Vorstellung des Jahresberichts. Die Bundesregierung solle sich gemeinsam mit der EU zudem dafür einsetzen, dass die neuen Machthaber in Afghanistan humanitären Organisationen Zugang zu Notleidenden gewähren. "Afghanistan ist schon seit vielen Jahren auf Hilfe von außen angewiesen, das wird nun unter den Taliban schwieriger. Doch dort wo die Menschen unmittelbar unter den Folgen von Dürre und Lebensmittelknappheit leiden, ist schnelle Hilfe nötig. Elf Millionen Menschen hungern in Afghanistan."

Zugleich mahnte die Präsidentin, die Dauerkrisen auch in anderen Ländern wie etwa im Südsudan nicht aus dem Blick zu verlieren: "Armut, Hunger, die Klimakrise und Corona verstärken einander und lassen immer mehr Menschen zurück." Diese Pandemie habe einmal mehr offenbart, "wie sehr sich der Globale Norden vom Rest der Welt entkoppelt hat".

Mehr noch als die Pandemie selbst haben im vergangenen Jahr die strikten Lockdowns die Menschen in den Projektländern von Brot für die Welt getroffen: Viele verloren ihr Einkommen. "Was als Schutzmaßnahme richtig und notwendig war, bedeutete für Menschen ohne soziale Absicherung, ohne Kurzarbeitergeld Armut und Hunger", so Pruin. Zusätzlich beschleunige die Klimakrise Armut und Hunger. Fruchtbares Land gehe verloren, Konflikte um Land und Wasser zwängen ganze Gemeinschaften, ihre Heimat zu verlassen.

Mit Blick auf die Bundestagswahl sagt die Präsidentin: "Wir erwarten von der neuen Bundesregierung, dass sie mutig die Weichen stellt für einen sozial-ökologischen Umbau - lokal wie global. Eine lebenswerte Zukunft für alle erreichen wir nur, wenn wir weltweit entschlossen darum ringen, die Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung umzusetzen." Dazu müssten alle Ressorts künftig stärker an einem Strang ziehen.

Die neue Bundesregierung sollte die Dringlichkeit der Klimakrise ernst nehmen. "Die Klimakrise hat dramatische Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit, die Stabilität wichtiger Ökosysteme und die Lebensbedingungen insbesondere der von Armut und Ausgrenzung betroffenen Menschen", sagte Dagmar Pruin. "Sie ist Ausdruck einer globalen Gerechtigkeitskrise. Die Bundesregierung sollte arme Länder bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels und beim Ausbau erneuerbarer Energien stärker unterstützen und bei uns die Anstrengungen zur Erreichung einer kohlenstofffreien Wirtschaft deutlich steigern."

In der Pandemie konnten die Partnerorganisationen von Brot für die Welt die Projektarbeit trotz mancher Schwierigkeit durchführen. Die Spendenbereitschaft war außerordentlich hoch. So hat Brot für die Welt im vergangenen Jahr mit 76,8 Millionen Euro Spenden und Kollekten das beste Ergebnis seit Gründung 1959 erzielt (2019: 64,4 Mio. Euro). "Wir sind sehr dankbar, dass viele Spenderinnen und Spender in der Corona-Pandemie mehr gespendet haben, auch weil Präsenz-Gottesdienste und damit Kollekten ausfallen mussten", sagt Pruin. In das Jahresergebnis 2020 ist zudem das gute Kollektenergebnis im Jubiläumsjahr 2019 eingeflossen. Der starke Rückgang an Kollekten im Corona-Jahr wird sich erst in der Bilanz 2021 niederschlagen.

Insgesamt standen Brot für die Welt im vergangenen Jahr 322,8 Millionen Euro (2019: 312,7 Mio. Euro) für die Entwicklungsarbeit zur Verfügung. Neben Spenden und Kollekten erhielt das evangelische Werk Mittel aus dem kirchlichen Entwicklungsdienst (59,7 Mio. Euro) und staatliche Mittel, vor allem des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ; 168,6 Mio. Euro) sowie Nachlässe, Bußgelder und sonstige Erträge.

Quelle: www.brot-fuer-die-welt.de 


Back to Top
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok