oecd 80Berlin. - Seit der Verabschiedung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und ihrer 17 Ziele (Sustainable Development Goals, SDGs) haben die OECD-Länder zwar Fortschritte gemacht. Bisland sind jedoch nur ein Viertel der messbaren Zielvorgaben erreicht beziehungsweise so gut wie erreicht worden. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue OECD-Studie.

Fast alle OECD-Länder erfüllen bereits die wirtschaftlichen Grundvorgaben und setzen die in der Agenda 2030 genannten Maßnahmen und Konzepte um. Einundzwanzig Zielvorgaben werden jedoch noch immer weit verfehlt, so die OECD. Darunter sind Anliegen wie niemanden zurückzulassen, das Vertrauen in die Institutionen wiederherzustellen und die Umweltbelastungen zu reduzieren.

Wie die Studie "The Short and Winding Road to 2030: Measuring Distance to the SDG Targets" zeigt, konnten die OECD-Länder zwar extreme Armut beenden, jedoch müssen die meisten mehr tun, um auch Mangel und Entbehrung im weiteren Sinne zu verringern. Frauen, junge Menschen und Zugewanderte stehen vor größeren Herausforderungen als die übrige Bevölkerung. Zudem genießen Frauen und Mädchen trotz einiger Fortschritte sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich nicht immer die gleichen Rechte und Chancen. Die Ungleichheit wird durch ungesunde Verhaltensweisen wie schlechte Ernährung und Tabakkonsum verstärkt, die in unteren Gesellschaftsschichten offenbar weiter verbreitet sind. Auch unterschiedliche Bildungschancen in den ersten Lebensphasen verstärken die Ungleichheit.

Die 2015 von Staats- und Regierungsspitzen aus aller Welt verabschiedete Agenda 2030 fordert alle Länder auf, eine bessere und nachhaltigere Zukunft zu schaffen. Dazu wurde ein Katalog von Zielvorgaben aufgestellt, die unter den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung zusammengefasst sind. Diese Ziele sind in fünf Themenbereiche gegliedert: Menschenwürde, Planet, Wohlstand, Frieden und Partnerschaft. Im Bereich Menschenwürde geht es beispielsweise darum, Armut (Ziel 1) und Hunger (Ziel 2) zu beenden und sicherzustellen, dass alle Menschen ihr Potenzial voll ausschöpfen können – wofür Gesundheit (Ziel 3) und Bildung (Ziel 4) entscheidend sind. Dabei dürfen sie nicht aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt werden (Ziel 5).

In der Studie wird ausgehend von Daten der Vereinten Nationen und der OECD untersucht, wie gut die OECD-Länder bei den Zielen für nachhaltige Entwicklung abschneiden, was sie bislang erreicht haben, ob sie sich auf die Ziele zubewegen oder sich im Gegenteil von ihnen entfernen. Auch zeigt die Studie, wie wahrscheinlich es ist, dass die Länder ihre Zusagen bis 2030 erfüllen und wie sich die Coronapandemie möglicherweise auf die Zielerfüllung auswirkt.

Der Studie zufolge ist es den meisten OECD-Ländern so gut wie gelungen, Hunger zu beseitigen. Jedoch werden es nur wenige OECD-Länder bis 2030 schaffen, soziale Ausgrenzung zu verhindern oder die Ernährungsprobleme zu verringern. Im OECD-Raum gilt durchschnittlich ein Achtel der Bevölkerung als einkommensarm. Ungesunde Ernährung und zu wenig Bewegung haben zudem in allen OECD-Ländern zu einem Anstieg der Fettleibigkeit geführt: Im Schnitt sind 60 Prozent der Erwachsenenbevölkerung übergewichtig oder fettleibig.

Die Studie stellt auch eine Zunahme von Umweltbelastungen fest. In vielen Bereichen gab es Fortschritte, etwa bei der Energieintensität, dem Wasserverbrauch und dem Abfallmanagement. Einige dieser positiven Entwicklungen sind politischem Handeln und technischem Fortschritt zu verdanken. Andere aber sind eine Folge der Verlagerung ressourcenintensiver und verschmutzender Produktionsaktivitäten ins Ausland. Das Wirtschaftswachstum ist immer noch mit einem hohen Materialeinsatz verbunden und viele Wertstoffe werden weiterhin nicht recycelt.

An der Klimafront wurden zwar Fortschritte bei der Entkoppelung der Treibhausgasemissionen vom Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum erzielt, die Gesamtemissionen sind jedoch kaum gesunken. Zudem fördern alle OECD-Länder weiterhin die Produktion und den Verbrauch fossiler Brennstoffe. Was die Biodiversität betrifft, sind beim Schutz der Ökosysteme zwar Fortschritte festzustellen, die Bedrohungen für die Artenvielfalt an Land und im Meer wachsen jedoch. Wird hier nicht entschlossener gehandelt, wird sich der Artenschwund fortsetzen.

In anderen Bereichen sind die Ziele indessen bereits in greifbare Nähe gerückt oder erreicht. So hat die gesamte OECD-Bevölkerung Zugang zu grundlegenden Diensten wie Sanitär-, Trinkwasser- und Energieversorgung. Den OECD-Ländern ist es auch gelungen, die Mütter- und Säuglingssterblichkeit zu reduzieren, den Zugang zu frühkindlicher Bildung zu sichern, moderne Bildungseinrichtungen zu schaffen und allen Bürgerinnen und Bürgern eine rechtliche Identität zu geben.

Bei der Vorstellung der Studie sagte der stellvertretende Generalsekretär der OECD Jeff Schlagenhauf: "Die Nachhaltigkeitsziele sind unser Versprechen und unsere Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen. Einige Ziele sind zwar bei Weitem nicht erreicht, aber es besteht eine starke internationale Dynamik zu handeln. Es bieten sich viele Chancen, die Agenda voranzutreiben. Angesichts der kurzen Zeit, die uns noch bleibt, dürfen sie nicht ungenutzt verstreichen. Um sie zu nutzen, müssen wir genau wissen, wo die Länder stehen, wie schnell sie bei der Zielverwirklichung vorankommen und wo vorrangig angesetzt werden sollte."

Die Agenda 2030 ist eine globale Aufgabe. Sie verlangt von den Industriestaaten, dass sie ihre Entwicklungszusagen gegenüber dem Ausland in vollem Umfang erfüllen. Dennoch liegen die öffentlichen Gesamtleistungen der im OECD-Entwicklungsausschuss vertretenen Geberländer immer noch unter der Hälfte des vereinbarten Ziels von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens.

Die vollständige Studie und Ländernotizen für alle OECD-Länder finden Sie hier: https://oe.cd/measuring-sdgs-2022

Quelle: www.oecd.org


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