WaleHamburg (epo). - Die Tiefsee, einer der vielfältigsten, ursprünglichsten und sensibelsten Lebensräume des Planeten, ist von einem dramatischen Artenschwund bedroht. Der Zustand der Weltmeere lasse sich mit "leergefischt, vollgemüllt und vergiftet" beschreiben, erklärte die internationale Umweltschutzorganisation Greenpeace aus Anlass des internationalen "World Ocean's Day" am 8. Juni. Die besonders bedrohte Tiefsee sei der größte Lebensraum der Erde, jedoch weniger erforscht als der Mond.

Eine Flotte von Grundschleppnetz-Fischern durchpflüge unablässig die Hohe See und zerstöre auf der Jagd nach Granatbarschen und anderen am Meeresboden lebenden Fischen mit Grundschleppnetzen jährlich eine Fläche von rund 1.500 Quadratkilometern, so Greenpeace. Das entspreche zehn Fussballfeldern alle vier Sekunden.

"Hier wird ein Lebensraum zerstört, der den Menschen noch größtenteils unbekannt ist", sagte Iris Menn, Meeresbiologin bei Greenpeace. "Früher hat man vermutet, dass es in der Tiefe kein Leben gibt. Heute schätzt man die Artenvielfalt dort unten auf mehr als zehn Millionen. Jede Expedition bringt neues faszinierendes Leben an die Oberfläche. Doch jeder Fischzug mit einem Grundschleppnetz zerstört marines Leben aus hunderten oder gar tausenden von Jahren."

Die Hohe See, der Meeresbereich jenseits der 200 Seemeilen vor den Küsten und außerhalb der Wirtschaftszone der Länder, ist Allgemeingut. Hier ist der Fischfang oft nicht geregelt und wenn, werden Verstöße nicht verfolgt. Ein Teil der Hohen See untersteht der Verantwortung so genannter "Regionaler Fischereimanagement Organisationen". Die für den Nordostatlantik verantwortliche Organisation (NEAFC) tagt derzeit in Tromso (Norwegen). Seit Jahren, so Greenpeace, sind die der NEAFC anvertrauten Fischbestände überfischt, wie z.B. der Portugiesenhai oder der Tiefsee-Dornhai.

Greenpeace - Wale
Quelle: Greenpeace

"Wir brauchen einen radikalen Wechsel weg von einem kosmetischen Fischereimanagement hin zu einem Ansatz, der das gesamte Ökosystem mit einbezieht", forderte Mann. "Die dafür nötige Zeit müssen wir uns durch ein sofortiges Moratorium verschaffen. Sonst ist alles zerstört bevor wir es schützen können."

Auch die Walpopulationen sind weltweit weiter in Gefahr. Nach Recherchen von Greenpeace haben sich viele seit Jahrzehnten unter Schutz stehende Großwale bis heute nicht von der exzessiven Jagd des letzten Jahrhunderts erholt, so auch die Finn- und Buckelwale. Dennoch wolle Japan genau diese beiden Arten im kommenden Jahr massiv jagen. Das Land will auf der kommenden Konferenz der Internationalen Walfangkommission (IWC), vom 16. bis 20. Juni in der Karibik, außerdem erhöhte Fangquoten für andere Arten durchsetzen.

Greenpeace


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