Karte LibanonBeirut/Berlin (epo.de). - Der Krieg der israelischen Armee gegen die Hisbollah-Miliz im Libanon hat rund 1.300 Menschenleben gekostet und mehr als sechs Milliarden US-Dollar Schaden an der Infrastruktur des Landes verursacht. Mehr als 3.700 Menschen erlitten Verletzungen. Nach dem Inkrafttreten der Waffenruhe am Montag morgen wurden nach libanesischen Angaben zwei Hisbollah-Kämpfer von Israelischen Soldaten getötet. Der US-amerikanische Journalist Seymour Hersh geht davon aus, dass der Libanon-Krieg von langer Hand geplant und von der US-Administration unter George W. Bush autorisiert war.

Noch bis wenige Minuten vor Inkrafttreten der Waffenruhe hatte die israelische Luftwaffe Ziele im Libanon angegriffen. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete, wurden seit Beginn der Kämpfe am 12. Juli mindestens 1.350 Menschen getötet, die meisten von ihnen Zivilisten. Die Zahl der Opfer in Israel wurde mit 41 Zivilisten und 117 Soldaten angegeben. Fast eine Million Menschen mussten vor den israelischen Angriffen im Libanon fliehen.

Die vor allem durch Luftangriffe angerichteten Schäden an der Infrastruktur im Libanon werden auf sechs Milliarden US-Dollar geschätzt. Libanesischen Behörden zufolge wurden 630 Kilometer des Straßennetzes, 32 Tankstellen und 145 Brücken zerstört. 900 Fabriken, Geschäfte, Bauernhöfe und Märkte wurden ebenso zerstört wie rund 7.000 Wohnhäuser. Aufgrund eines Angriffes auf das Kraftwerk in Dschije flossen seit dem 14. Juli rund 30.000 Tonnen Öl ins Mittelmeer. In Israel wurden insbesondere die Städte Haifa, Nazareth, Tiberias und Karmiel und Akko von der Hisbollah mit tausenden Raketen beschossen. Über den Gesamtschaden liegen derzeit keine Angaben vor.

KRIEG VON LANGER HAND GEPLANT?

Über die Motive Israels, die Entführung zweier Soldaten durch die Hisbollah-Miliz mit massiven Bombardements der libanesischen Infrastruktur und einem Einmarsch der Armee im Südlibanon zu vergelten, sind unterdessen Spekulationen entbrannt. Der US-amerikanische Enthüllungsjournalist Seymour Hersh zitiert in einem neuen Artikel für die Zeitschrift "New Yorker" (Watching Lebanon. Washington?s interests in Israel?s war) Informanten aus der US-Regierung und aus israelischen Quellen, denen zufolge der Angriff auf die Hisbollah schon vor der Entführung der beiden israelischen Soldaten am 12. Juli geplant war und in Absprache mit der US-Regierung stattgefunden hat. Der Krieg im Libanon stehe im Kontext eines möglichen Angriffs auf den Iran, so Hersh.

Auch im deutschen Online-Magazin Telepolis (Was steckt hinter dem Libanonkrieg?) wurde die Meinung vertreten, der Libanonkrieg sei "ein Vorab-Präventivkrieg zum bevorstehenden direkten Präventivkrieg gegen den Iran". Er habe dazu gedient, die Ausgangsposition in einem möglichen Krieg gegen den Iran zu verbessern und stehe im Kontext der Pläne der Bush-Administration, den Nahen Osten politisch "neu zu ordnen".

DEUTSCHE OPPOSITION GEGEN EINSATZ DER BUNDESWEHR

Deutsche Oppostionspolitiker sprachen sich unterdessen erneut gegen einen Einsatz der Bundeswehr im Rahmen von UN-Friedenstruppen im Libanon aus. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Fritz Kuhn, sagte am Montag in Berlin, es sei "eine Selbstverständlichkeit, dass Deutschland im Rahmen der Konfliktlösung im Nahen Osten seinen Beitrag leisten wird und seiner Verantwortung gerecht werden muss. Solange aber "weder die Lage vor Ort verantwortlich zu beurteilen ist, noch die Mandatierung möglicher UN-Truppen auch nur im Ansatz geklärt ist, ist es fahrlässig über den Einsatz deutscher Truppen zu spekulieren."

Der Vorsitzende der Fraktion Die Linke, Oskar Lafontaine, sagte, die Diskussionen innerhalb des Regierungslagers "zeigen wieder einmal, dass sich der Wunsch, mit Soldaten überall dabei zu sein, immer weiter ausbreitet". Die Linke sei gegen einen Bundeswehreinsatz, erklärte Lafontaine.


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