Familie in Ecuador. Foto: Don BoscoQuito (epo.de). - Wenige Tage vor den geplanten Präsidentschaftswahlen in Ecuador am 15. Oktober liegen die beiden aussichtsreichsten Kandidaten in den Umfragen gleichauf. Spitzenkandidat der indigenen Bevölkerung und globalisierungskritischer Gruppen ist der linksgerichtete Wirtschaftsprofessor Rafael Correa. Der ehemalige Vizepräsident L?on Roldos vertritt das Mitte-Links-Spektrum.

Besonders Rafael Correa, dessen Wahlprogramm sich an dem populistischen Präsidenten Venezuelas, Hugo Chavez, orientiert, habe in der Gunst der Wähler in den letzten Wochen kräftig zugelegt, berichtet der Salesianer-Pater Javier Herran aus Ecuador. Correas wichtigste Themen im Wahlkampf seien die Reduzierung der Rückzahlung der hohen Staatsschulden, die fast die Hälfte der Staatseinnahmen verschlingt, und die Bekämpfung der Armut.

Correa fordert vor allem eine Neuverhandlung der Verträge mit ausländischen Ölfirmen, damit mehr Einnahmen aus dem Ölgeschäft dem Land und der armen Bevölkerung zugute kommen. "Das Programm klingt erst mal gut. Für die Armen muss hier dringend etwas getan werden," sagt Pater Javier Herran, Projektleiter der Salesianer Don Boscos in Ecuadors Hauptstadt Quito.

Der Salesianer weiß, wovon er spricht: Der katholische Orden leitet im ganzen Land Schul- und Berufsbildungsprogramme für Kinder und Jugendliche aus ärmsten Bevölkerungsschichten. "Mehr als die Hälfte der Menschen lebt unterhalb des Existenzminimums, 70 Prozent schlagen sich mit schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs durch," sagt Pater Javier. Not und Elend hätten zur Folge, dass immer mehr Kinder auf die Straße landen oder arbeiten müssten, statt zur Schule zu gehen.

Rund zwei Millionen Ecuadorianer seien gezwungen, sich einen Hilfsjob in den USA oder Spanien zu suchen. "Von dem Geld, dass sie nach Hause schicken, lebt die ganze Familie", so Pater Herran. Politiker wie Correa, aber auch der Gegenkandidat Roldos hätten das Problem zwar erkannt. Sie  versprächen soziale Wohltaten, zum Beispiel die Verdoppelung des Mindestlohns und Wohnungsbauprogramme für arme Familien.

Die Umsetzung der Wahlversprechen sieht Pater Javier jedoch skeptisch. "Das Hauptproblem in Ecuador ist die Korruption. Wenn man die nicht in den Griff bekommt, nützt einem das beste Programm nichts." Bisher seien alle Versuche, etwas gegen das riesige Gefälle zwischen Arm und Reich in dem südamerikanischen Land zu unternehmen, an der Korruption und den Besitzverhältnissen gescheitert. Die hundert reichsten Familien Ecuadors besitzen 70 Prozent des fruchtbaren Landes.

"Dass Correa oder Roldos daran etwas ändern können, bezweifle ich", konstatiert Pater Herran. Die Salesianer könnten sich deshalb nicht auf die Versprechen der Politiker verlassen. Neben Schul- und Berufsbildungsprogrammen sind die Ordensleute derzeit dabei, in Guayaquil ein Hausbau- und Existenzgründungsprogramm für Jugendliche aus Armenvierteln auf die Beine zu stellen, das von der Bonner Hilfsorganisation Don Bosco Jugend Dritte Welt koordiniert und finanziert wird.

[Foto: Familie im Armenviertel von Guayaquil in Ecuador Copyright ? by Don Bosco Jugend Dritte Welt]    

 Don Bosco Jugend Dritte Welt


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